Wu Yize zu gut, Wakelin und Pullen gut genug

Screenshot: In einem Fenster ist Liam Pullen zu sehen, im Vordergrund der Score Wakelin 2-1 Pullen. In der rechten oberen Ecke ist Abigail Davies mit Liam Pullen im Interview zu sehen.
Pullen spielt und wird gleichzeitig interviewt - nur möglich mit zwei verschiedenen Streams.

Wu Yize marschiert nahezu ungehindert von Lei Peifan in die zweite Runde. Chris Wakelin und Liam Pullen kämpfen auf Augenhöhe. Und Ronnie O’Sullivan spielt sehr vernünftig gegen He Guoqiang.

Wu-nderjungerMann

Ja, alle stehen jetzt auf Wu Yize. Und so sehr ich auch sonst gegen den Mainsteam bin: Auch ich stehe auf Wu Yize. Das erste Mal live gesehen habe ich ihn 19-jährig beim European Masters 2023. Aufgefallen war er mir natürlich schon, als er gleich in seiner ersten Saison die Runde der letzten 32 bei der UK Championship erreicht hatte. 2022 stand er in Fürth im Viertelfinale und am Ende seiner zweiten Saison qualifizierte er sich das erste Mal fürs Crucible. 2024 stand er gleich zweimal in einem Finale und ein Jahr später holte er seinen ersten Titel. Seit Anfang des Jahres ist er in den Top 16 der Weltrangliste. Das ist ein beeindruckender Aufstieg.

Der zweite chinesische Weltmeister?!

Und nun steht er zum dritten Mal in der Endrunde der WM und hat gerade sein erstes Spiel gewonnen – mit 10–2. Und alle Welt (zumindest lassen die Medienberichte und Interviewfragen vermuten) sieht in ihm den zweiten Weltmeister aus China nach Zhao Xintong. Außer Steve Davis, der denkt immer noch, das würde Ding sein.

„Es ist mein Traum, hier den Titel zu holen. Das ist der Traum eines jeden Snookerspielers,“ sagt Wu selber. „Ich weiß nicht, ob ich das schaffe, aber ich werde 100% geben und jedes Match genießen. Bisher habe ich gut gespielt und ich mag den Veranstaltungsort wirklich gerne.“ Ok, das sagen eigentlich alle.

Aber er hat wirklich gut gespielt. Die Breaks waren superb, besonders das letzte – ein bildhübsches Century-Break. Ich könnte sie hier alle aufzählen, die sechs 50+ Breaks plus zwei Centuries. Aber ich finde etwas anderes viel spannender. In 7 von 12 der gespielten Frames hatte Lei Peifan die erste Chance. In der Erwartung eines spannenden Spiels bereitete ich mich jedes Mal auf einen Framegewinn von Lei vor. Doch der machte einfach ganz schön viele Fehler. Mit dem Hilfsqueue, mit den Farben vom Punkt, beim Split, mit dem Versenken des Spielballs. Die ersten beiden Frames gingen gleich nach dem ersten Fehler über in ein dickes Break von Wu, im dritten brauchte es zwei, drei Anläufe, bis Wu Yize Lei Peifan den Frame auf Schwarz – nach einem bezaubernden 27er Break – wegschnappte. Auch der vierte Frame ging nach etwas Hin & Her an Wu.

Lei Peifan verkauft sich unter Wert

Erst nach der Pause durfte Lei endlich einen Frame gewinnen, bevor Wu weiter Lei Peifans Fehler nutzte und mit wunderschönem Leeren des Tisches glänzte – Exhibition Shots inklusive. Wu beendete die Session mit einem schönen Century, nachdem er sich früh im Frame ganz sehenswert auf eine Farbe selbst genookert hatte.

Es war wirklich schade, Lei Peifan hier so untergehen zu sehen. Dass er es kann, zeigte er mit den Einsteigern, die zu den Chancen führten. Doch seine Breaks waren zu klein und zaghaft gegen das Heavy Hitting eines Wu Yize. In der zweiten Session setzte sich das Ganze fort. Lei holte den ersten Frame, Wu Yize die nächsten beiden und damit war der Drops gelutscht. So zufrieden ich auch damit bin, ohne große Nervenschwäche Wu Yize in der nächsten Runde zu sehen, so unbefriedigend fand ich, dass Lei Peifan hier nicht stattgefunden hat.

Wu Yize spielt in Runde zwei gegen Mark Selby oder Jak Jones.

Bei Wakelin gegen Pullen passt kein Blatt dazwischen

Diese Partie verfolge ich ein bisschen mit zwei Herzen in der Brust. Mit dem einen gönne ich Chris Wakelin einen tollen Lauf bei dieser WM. Und mit dem anderen bin ich bei dem Underdog, dem Debütanten, der jungen Hoffnung: Liam Pullen.

Und diesem inneren Geschehen angemessen geht es am Tisch zu. Pullen ist zwar sichtlich nervös ob dieses aufregenden Auftritts – Das erste Mal in den heiligen Hallen! –, doch er macht im wahrsten Sinne das Beste daraus. Holte sich nach einigen Fehlern den ersten Frame mit einem tollen Break, öffnete im zweiten die Roten und stieg dann mit einem tollen Double ins Break ein. Nur um mit einem Versenken des Spielballs Wakelin den Framediebstahl zu ermöglichen. Die nächsten beiden Frames gewann Wakelin nach Fehlern von Pullen: einmal war es einer von mehreren schlechten Stößen mit dem Hilfsqueue, das andere Mal eine miese Safety. Er spielte dabei eine Rote, von der ich sage: Genial. Andere meinen: Fluke.

Aber Pullen blieb dran und ließ sich von Wakelins Erfahrung nicht beeindrucken. Die fünf Frames nach der Pause gewannen sie im Wechselschritt, Liam drei und Chris zwei, jeweils mit rahmengewinnendem Break. Diese Partie ist zwar spannend, weil in der zweiten Session buchstäblich alles offen ist (das Phrasenschwein wird dick und dicker), aber ich kann sie mit vollster Seelenruhe gucken. Ich feuere immer den Spieler an, der gerade am Tisch ist und fühle mich dabei wie Steven Hallworth in der BBC-Kommentatorenbox. Der macht das nämlich genauso.

Vier Frauen als Schiris bei der WM

Eine Sache, die ich schon seit Beginn ansprechen wollte: Dieses Jahr schiedsen bei der WM vier Frauen und vier Männer. Damit haben wir das erste Mal eine ausgeglichene Verteilung der Geschlechter. Eine besondere Freude ist es, Maike Kesseler wieder im Crucible am Tisch zu sehen. Mit dabei sind außerdem Tatiana Woollaston, Desislava Bozhilova und Peggy Li. Peggys Rückkehr finde ich auch einen großen Gewinn. Es ist toll zu sehen, wie sie hinter den Kulissen mit den Spielern rumalbert wie vor dem Spiel Wu-Lei.

Wie die Zeiten sich ändern!

Und ich habe mich gleich an die Diskussion erinnert, die wir 2019 hatten, als nur eine Schiedsrichterin fürs Crucible nominiert war und die gab ihr Debüt. Selbst die, die vorher schon ihr Debüt hatten, hatten sich nach Meinung der Experten (ungenerisches, sondern wörtliches Maskulinum) so verschlechtert, dass sie nicht mehr würdig waren. Oder waren innerhalb eines Jahres von ihren Kollegen (ungenerisches, sondern wörtliches Maskulinum) in Wissen, Kompetenz oder welche Kriterien auch immer zugrunde gelegt wurden, überholt worden.

Ich finde es jedenfalls großartig, dass sich die vier Frauen, wie Frauen im Volksmund genannt werden, dieses Mal so zahlreich in voller Kompetenz zeigen dürfen. (Naja, eigentlich ja gerade mal fifty-fifty, aber so wie die Lage ist, müssen wir das feiern, solange es hält.)

Und die anderen Spiele?

Ronnie O’Sullivan trennte sich 7–2 von He Guoqiang. Der Underdog hatte in Frame 3 seine ersten guten Aktionen mit beeindruckendem langen Einsteiger und einem weiteren tollen langen Ball. Doch der Frame ging unglücklich nach Durchstoß an O’Sullivan. Später stolperte He sich einen Frame zusammen und gewann gleich den nächsten mit rahmengewinnendem Break von 77. Leider lag er danach immer noch 2–5 zurück, weil er O’Sullivans Fehler nicht in Zählbares verwandeln konnte. Dessen C-Game reichte bisher, um He in Schach zu halten. Die zweite Session läuft Mittwoch 15:30 Uhr.

Zur Zeit entscheiden sich gerade folgende Spiele:
Shaun Murphy 7–7 Fan Zhengyi
Judd Trump 10–5 Gary Wilson

Unseren Überblick über die WM findet ihr auf unserer Turnierseite. Und hier die Sendezeiten auf Eurosport.

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderqueer), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Sucht für den Roman „Belinda to break“ einen Verlag. Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. https://bsky.app/profile/lulawitzescher.eurosky.social

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