Saudi-Geld löst sich in Luft auf

Ding Junhui steht mit seinem Queue im Crucible am Tisch vor der Trennwand und guckt auf den Tisch. Saudi
Der große Ding wirkt hier gar nicht so klein wie auf dem Bild. © Zheng Zhai

Bei der WM stecken wir mitten in den ersten, zweiten und dritten Sessions der wichtigsten Spiele. Allen, Wilson, Trump, Vafaei, Zhao, Ding, Robertson, Wakelin, Hawkins, Williams, Higgins, O’Sullivan … ich weiß gar nicht, wo ich hingucken soll.

Ach, da gucke ich stattdessen doch mal, was WST so schreibt. Und siehe da, da steht: „Following constructive discussions (😂) between The Saudi Billiard and Snooker Federation and Matchroom following the conclusion of the 2025 editions, it has been mutually agreed (🤣) not to proceed with future editions of the World Pool Championship and the Saudi Arabia Snooker Masters.“ Dann folgt ein Absatz, der besingt, wie absolut umwerfend erfolgreich die ganze Sache war, inklusive „Thousands of spectators attended from nearly 40 countries, many experiencing elite live snooker and pool for the first time.“ Kein Wort dazu, warum diese großartige, erfolgreiche Eventserie trotz eines Zehn-Jahres-Vertrags nicht weitergeführt wird. Einfach eingesackt.

Money makes the World go wrong

Ich habe nicht immer gerne recht. Wenn ich zum Beispiel sage, ich kann mir in zehn Jahren meine Miete nicht mehr leisten, dann hätte ich gerne unrecht. Aber als ich gesagt habe, dass diese Snooker-Expansion in den mittleren Osten, genauer: Saudi Arabien, Mist ist, da war ich mir sicher, dass ich recht habe. Und jetzt sitze ich hier und sage voller Genugtuung: Hab ich euch doch gleich gesagt. Es hätte ja mal jemand in den Atlas gucken können, bevor man sich von einer Regierung einlullen lässt, die Journalisten entführt und zerhackt.

„Das Geld wächst auf Bäumen und wird in Kübeln verteilt, ohne dass wir viel dafür machen müssen, außer zu schreien, dass das in anderen Sportarten auch so läuft. Wir müssen nur auch dort hingehen und die Hände aufhalten.“ Das ist das Mantra des rotgesichtigen, pornoliebenden Mannes, mit dem er uns seit Jahren bewirft, obwohl er längst im Ruhestand sein sollte. Schon vor zwei Jahren hatte Kollegin Målin dazu eine absolut stichhaltige Theorie: Ich sehe hier bisher nur eine Strategie: Man folgt dem süßlichen Geruch des schnellen Geldes. Die Zukunft der Marke Snooker ist nicht wichtig, es scheint doch sehr, als ginge es den Hearns nur darum, noch alles mögliche Geld aus Snooker für sich rauszuholen, solange sie darin noch involviert sind.

Erdrutsche in der Weltrangliste

Nun sind die Kübel voller Geld also Geschichte. Und wenn die Tage kommen, an denen die Riesensummen der Saudi Arabischen Preisgelder bei der Berechnung der Weltranglistenposition wegfallen, dann … ups … gibt es gar keinen Nachschub. Dann wird ein Elliot Slessor zum Beispiel gleich mal zehn Plätze nach unten fallen und das ist eigentlich gar nicht so schlecht. Und mal gucken, wo Ronnie O’Sullivan dann hinrutscht. Es wäre ja sowieso mal Zeit, die Rangliste wieder auf Punkte umzustellen, um diesen Verzerrungen durch finanziell überausgestattete Turniere etwas entgegenzusetzen.

Aber genug mit den unangenehmen Randerscheinungen. Schließlich wird gerade richtig viel und gutes Snooker gespielt.

Der Tag der großen Namen

Chris Wakelin und Neil Robertson trennten sich heute nach der ersten Session mit 4–4. Normalerweise bin ich ja froh, über jede Runde, die Robertson übersteht. Und in den letzten Jahren hatte ich nicht viel Grund, froh zu sein. Dieses Jahr bin ich immer für die Gegner von Robertson. Nachdem er schon Pang Junxu rausgekegelt hat, bange ich jetzt um Chris Wakelin. Mit dem verbindet mich ja eine ulkige Geschichte von vor zehn Jahren, als ich seinetwegen auf Wikipedia gesperrt wurde. Hoffnung macht mir, dass Wakelin einen 1–4-Rückstand ausgeglichen hat. Am Kampfgeist mangelt es also offensichtlich nicht. Über die Qualität kann ich leider nicht viel sagen, da ich nicht gucken konnte.

Mark Allen schickte Kyren Wilson nach Hause. Erst gewann Allen fünf Frames, dann Wilson sechs. Danach ging es immer Allen 2, Wilson 1 weiter. In Summe sah das natürlich nicht gut aus für Wilson. 13–9 hieß es am Ende.

Heute Nachmittag gaben sich Ding Junhui und Zhao Xintong ihre zweite Session. Das Niveau war ähnlich hoch wie gestern. Ein paar knappe Frames, ein paar schöne Breaks. Trotz der 9–7-Führung von Zhao hat Ding hier noch gute Chancen. Er hat nämlich jeden Fehler von Zhao konsequent genutzt. Seine ausgiebige Vorbereitung auf die WM zahlt sich offenbar aus.

Der ultimative Snookerabend?

Auch Judd Trump und Hossein Vafaei boten eine spannende Partie. Der vielleicht etwas überraschende Zwischenstand lautet hier 4–4. Trump ging 3–1 in Führung, aber danach biss Vafaei sich richtig fest und krallte sich die nächsten drei Frames, auf Schwarz, auf Pink und den dritten etwas weniger knapp.

Heute Abend spielen gleich alle drei aus der Klasse der 92er. Und Barry Hawkins. Ich gucke natürlich nicht die erste Session von Ronnie O’Sullivan gegen John Higgins, sondern die entscheidende Session bei Willo gegen Hawk. Dort steht es 12–9 für den Youngster Barry. Aber ich bleibe bestimmt nicht wach, bis die fertig sind. Guckt einfach hier nach dem Ergebnis.

Alle Partien werden heute, morgen oder Montag entschieden. Unseren Überblick über die WM findet ihr auf unserer Turnierseite. Dort stehen alle Partien samt Zwischenständen und Endergebnissen. Und hier stehen die Sendezeiten auf Eurosport.

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderqueer), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Sucht für den Roman „Belinda to break“ einen Verlag. Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. https://bsky.app/profile/lulawitzescher.eurosky.social

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