John Higgins hat es mal wieder gemacht. Mit einem Endspurt aus Granit schlägt er Neil Robertson mit 13–10 und steht zum gefühlt zwanzigsten Mal im Halbfinale einer WM.
In Wirklichkeit ist es erst das zwölfte Mal, aber das macht jetzt wirklich keinen Unterschied. Dieser Mann ist einfach ein Phänomen. Vor vier Jahren stand er das letzte Mal hier. Dazwischen lag eine grausame Zeit aus verlorenen Endspielen, Selbstzweifeln und Gedanken, sich zur Ruhe zu setzen. Im letzten Jahr scheiterte er denkbar knapp im Viertelfinale an Mark Williams. Doch kurz zuvor hatte er endlich mal wieder Titel gewonnen: nicht nur einen, sondern sogar zwei. Und jetzt steht er unter den letzten Vier im größten Turnier. Dort bekommt er es mit Shaun Murphy zu tun.
Der Fluch in Form von Shaun Murphy
Murphy spielte sich mit einem 13–10 gegen den amtierenden Weltmeister Zhao Xintong an den Einzeltischaufbau. Er will ja schon seit 21 Jahren beweisen, dass sein WM-Titel kein Ausrutscher war. Ein paar Mal ist er auch wieder dran gewesen, konnte aber so Stolpersteine wie Mark Selby, Stuart Bingham oder eben auch einen gewissen John Higgins nicht überwinden. Nun nimmt er den nächsten Anlauf, zumindet wieder in einem Finale zu stehen.
Erstweltmeistertitelträger Zhao Xintong wurde also doch noch Opfer des Crucible Fluchs. Schön hatte er angefangen, toll weitergemacht und war dann doch vom Druck des Weltmeistertitels/einem gnadenlosen Shaun Murphy geplättet worden. Ich habe seine erfrischenden Auftritte hier bei der WM genossen und ich finde, er hat eine richtig gute Weltmeistersaison hingelegt. Dafür gebührt ihm jede Anerkennung.
Shaun Murphy – John Higgins
Donnerstag 14 Uhr, Freitag 11 und 20 Uhr, Samstag 15:30 Uhr
Wu Yize und Mark Allen im zweiten Halbfinale der WM
Nicht nur zur Enttäuschung unserer Teamkollegin Målin scheiterte Barry Hawkins auf den letzten Zentimetern an Mark Allen. Der kam nach dem zwischenzeitlichen 10–10 mit den besseren Breaks und bescherte uns mit 13–11 das engste Viertelfinale. Mark Allen steht auf der Liste der Leute, die längst Weltmeister geworden hätten sollen ja ziemlich weit oben. Seine Ausbeute bei der WM ist dafür aber ein bisschen mager: in zwanzig Jahren viermal Viertelfinale und jetzt zum dritten Mal im Halbfinale.
Hier trifft er auf Wu Yize, den Jungspund mit der unvernünftigen Schussauswahl. Beide treten hier für ihre allererste Finalteilnahme an und natürlich für ihren ersten Titel. Es besteht also eine gute Chance, dieses Jahr einen Debüt-Weltmeister zu feiern.
“Some of the balls he took on against me, I’m not sure they were the right shot, but they were going in. He’s still young and loving the game.”
Wenn sie drin waren, waren sie vielleicht nicht so verkehrt 😄.
#Snooker #WorldChampionship— Lula Witzescher (@lulawitzescher.eurosky.social) 29. April 2026 um 08:05
Wu Yize wäre in meinen Augen (und meinem Herzen) ein guter Kandidat dafür. Er spielt unkonventionell und mutig und ist mental offensichtlich ausgesprochen stabil. Um dem viermaligen Weltmeister Mark Selby den Schneid abzukaufen, musst du das auch sein. Und im Viertelfinale gegen Hossein Vafaei war sein Auftritt ebenso überzeugend.
Mark Allen – Wu Yize
Donnerstag 20 Uhr, Freitag 15:30 Uhr, Samstag 11 und 20 Uhr (Ja, Mark, das ist wieder ganz unfair mit dem Zeitplan, das wissen wir.)
Unseren Überblick über die WM findet ihr auf unserer Turnierseite. Dort stehen alle Partien samt Zwischenständen und Endergebnissen.

Wu Yize hat Grund zum Feiern. Hier bei seinem Einzug ins WM-Halbfinale. © Zheng Zhai













