Saschas WM-Tagebuch, Teil 4

Peggy Li im Jahr 2023, im Profil nach links schauend. Sie trägt eine schwarze Bluse und ein ebensolches Sakko darüber
Eine von vier Schiedsrichterinnen bei der WM: Peggy LI © Monique Limbos

Darf man Kommentatoren kommentieren? Und wie sich Shaun Murphy in diesen Text reinschleicht, ohne dass ich einen Ball von ihm gesehen habe.

Donnerstag, 23. April

Der freie Snookervormittag ist gefüllt mit vielerlei, zum Teil weniger schönen Dingen. Und pünktlich zum Sessionbeginn… ist ein Handwerker da. Ja, auch in unserem Haus stehen Modernisierungsarbeiten an, die aber hoffentlich schneller erledigt sind und weniger kostenintensiv als das, was dem Crucible bevorsteht. Spoiler: Bei uns wird nach der Renovierung aber nicht mehr Platz für Zuschauer*innen sein, und das ist auch gut so.

So ist es kurz vor halb vier als ich den TV einschalte. Was ich sehe, missfällt mir. Si Jiahui hat seit gestern komplett abreißen lassen und Hossein Vafei steht nur noch einen Frame vor dem (dann auch erfolgten) Matchgewinn. Ist Si so schlecht gewesen oder Vafaei so gut? Oder beides? Immerhin, sessionübergreifend neun Frames in Folge gewinnen, muss man erstmal schaffen. Respekt dafür!

Dankenswerter Weise wird vom Sender direkt umgeschaltet auf Murphy/Xiao, so muss ich keine Knöpfchen drücken. Spannender ist es aber auch dort nicht, bis ich recht beieinander bin, steht es 5–0 für den Engländer, und am Ende 6–2.

Hat Shaun jetzt ein Abo auf one and a half – Table Set und wird wieder das Licht am Nebentisch angehen? Fragen über Fragen.

Die Abendsession wird ein Reinfall: Der Stream will nicht so recht funktionieren und ich bekomme ein nur sehr unscharfes Bild rein. Da wenigstens der Ton funkioniert, lasse ich den als Radio mitlaufen und bekomme so den am Ende deutlichen Sieg von Neil Robertson mit.

Quiet as possible please, Teil 1

Aufhorchen muss ich, als eine Zuschauerin, die ganz vorne sitzt, sich im Blickfeld von Neil Robertson befindet, sich stark bewegt und so den Australier stört. Terry Camilleri schreitet ein und nimmt die Besucherin sehr deutlich und im Zwiegespräch ins Gebet.

Kurz danach hätte ich gerne die beiden Herren Kommentatoren ins Gebet genommen. Den Vorfall nehmen sie nämlich zum Anlass ein wenig zu plaudern und dabei zählen sie die in Sheffield agierenden Schiedsrichterinnen namentlich auf… Naja fast. Peggy Li wird glatt mal unterschlagen. Mir ist dabei eigentlich egal, ob unabsichtlich (was ich vermute) oder nicht. SO funktioniert unsichtbar machen. Das ist fahrlässig und problematisch.

Also für alle zum mitklatschen: Es sind dieses Jahr VIER weibliche Refs:

Tatjana Woolaston

Maike Kessler

Desislava Bozhilova

Peggy Li

Das war das Wort zum Donnerstag. Da ich immer noch kein Bild habe, mach ich die Kiste jetzt aus.

Freitag, 24. April

Der gestrige Sieger, Neil Robertson, hat unter anderem vorgeschlagen, die späteren Runden einer WM auf Best of 25 zu verkürzen. (Ganze Meldung siehe hier.) Meine Meinung kurz und Bündig: Nö!

Über die anderen Vorschläge, die er gemacht hat, könnte man meiner Meinung nach außerhalb des Formats einer WM eventuell nachdenken. Nicht alles, was er sagt, lehne ich pauschal ab, aber eine WM ist halt noch mal was Besonderes, genauso wie eine UK-Championship. Mal schauen.

Neil Robertson steht bei der Weltmeisterschaft im Crucible am Tisch. Er grimassiert und hat die rechte Hand zu einer Klaue geformt. Anscheinend versucht er mit übernatürlichen Kräften den Lauf der Bälle zu beeinflussen.

An der ein oder anderen Stellschraube etwas drehen möchte Neil Robertson bei künftigen Weltmeisterschaften

Am Vormittag muss ich mich nach einem neuen Wäschetrockner umsehen (hey, der alte wurde im selben Jahr produziert, in dem Shaun Murphy das erste mal Weltmeister wurde, also beklage ich mich nicht) . Na jedenfalls hoffe ich, dass heute niemand einen Session-Whitewash erleiden muss…

Ende des zweiten Frames in der Partie zwischen Mark Williams und Barry Hawkins schalte ich ein. Ich sehe beide nicht als diesjährigen Titelträger, weswegen ich die Gelegenheit nutze, mir diese Partie anzuschauen und mich gegen den, wie ich vernehme, weiter voranschreitenden Murphy entscheide. Und so werde ich zeuge des meiner Meinung nach bislang besten Balles der laufenden WM: Willo spielt Rot auf Schwarz, die auf eine andere Rot trifft, welche schließlich fällt. Chapeau. Und nebenher ist das sein 694. Century sowie der Ausgleich zum 2–2

Am Ende ein sehr sehenswertes 4–4, auf dessen Fortsetzung ich mich sehr freue.

Am Nachmittag entscheide ich mich für Mark Allen. Wenn ich mir Lulas Bericht anschaue, eventuell eine Fehlentscheidung. Aber eigentlich bin ich ganz angetan von dem, was ich sehe. Mark Allen vielleicht weniger, denn der muss erst einmal hinnehmen, dass sein Gegner, Kyren Wilson, drei Frames am Stück und sessionübergreifend damit sechs in Folge gewinnt. Den sechsten sogar mit einer 112.

Quiet as possible please, Teil 2

Mehr noch als das fällt mir aber auf, dass das Publikum speziell heute Mittag ein Problem damit zu haben scheint, still zu sein. Öfters müssen an beiden Tischen die Refs energisch eingreifen.

Begleitet wird die Session Off-Table von einer kleinen Debatte über journalistische Standards.

Im MSI nutze ich übrigens die Wunderwelt der alten Vinylschallplatte. Um die Wiederaufnahme des Matches nicht zu verpassen und trotzdem die Augen kurz zuzumachen, wähle ich eine LP, deren Seiten jeweils nicht länger als 13 Minuten dauert (Ja, in den 1960er Jahren gabs sowas ;)). Perfektes Powernapping. Danach werde ich Zeuge, wie Mark Allen wieder in die Spur kommt, am Ende mit 9–7 vorne liegt. Im 15. Frame gelingt ihm dabei eine 140, aktuell das höchste Break des Turniers (auch von Shaun Murphy gespielt). Spannend auch, dass er, nachdem er gefoult wurde, nicht die durchaus sinnvoll scheinende Miss-Option wählt, sondern eine herausfordernde lange Rote locht. Da er anschließend aber Pink auf eine Mitteltasche verschießt, zieht sich der Frame weiter hin.

Snooker-WM-Alltag

Nach einem kurzen Spaziergang (Oh, hallo Sonne), gehts auch schon in den Abend. Wobei mich wieder technische Probleme (diesmal echte und nicht verschusselte) aufhalten und ich den ersten Frame des Abends verpasse. Nett: ich muss nicht entscheiden, welche Partie ich schaue, weil wegen Shaun Murphy (ich habe ihn heute keine Minute spielen sehen und doch fällt sein Name immer wieder) .

Zu meiner Überraschung trabt (galoppieren wäre übertrieben) Barry Hawkins auf und davon. Einige Teile der Partie bekomme ich nur halb mit, aber was ich sehe, zeigt mir einen Hawk, der meiner Einschätzung nach mindestens halbfinalwürdig ist. Dabei ist Mark Williams nicht zwansgläufig schlecht. Nur einfach nicht gut genug, Chancen nicht nutzend. Im 14. Frame entscheidet es sich letztlich im Spiel auf die Farben mit Snooker und Gegensnooker, einer verschossenen langen Gelben des Walisers. Einem Kampf um Grün, auf Blau und am Ende auch auf Pink, den Hawkins gewinnt. Am Ende des Abends steht es 6–10 für den Engländer.

Unseren Überblick über die WM findet ihr auf unserer Turnierseite. Und hier die Sendezeiten auf Eurosport.

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