Saschas WM-Tagebuch, Teil 5

Hossein Vafaei, einen Queue in der Hand haltend und lächelnd
Hat gut Lachen: Hossein Vafaei steht im Viertelfinale. © Zheng Zhai.

Warum ich 2 mal mit offenem Mund vor dem Endgerät sitze und ein Däumchen-wechsel-Dich im Match Trump-Vafaei.

Samstag, 25. April

So wirklich findet Snooker für mich nur in der Morning-Session statt, in der ich zu meiner Freude Mark Allen gewinnen sehe. Mehr und mehr verfestigt sich der Gedanke, der ist jetzt einfach auch mal dran. Nicht dass ich ein Problem mit Kyren Wilson hätte, aber heute ist mir der Nordire einfach näher.

Als die beiden ihr Match beendet haben, gehe ich nicht rüber zum anderen Tisch. Es gibt viel zu tun zwischen den Sessions. Da Eurosport aber reinschaltet, sehe ich noch, wie Peggy Li namentlich genannt wird und diesmal ALLE VIER Schiedsrichterinnen namentlich genannt werden. Ich bin versöhnt und hake meinen gestrigen Rant als erledigt ab.

Im Fachmarkt erwerben meine Frau und ich einen neuen Wäschetrockner. Und irgendwann während wir zwei Geräte in der engeren Auswahl haben, kommt mir der Gedanke, dass es doch nett wäre, wenn irgendein Waschmaschinenhersteller zum Snooker-Sponsor würde, mit dem Slogen „We know how to whitewash“.

Von der Mittagssession bekomme ich gerade noch den letzten Frame der Partie Judd Trump gegen Hossein Vafaei mit, ich bin bas erstaunt, was ich sehe. Und neugierig, wie es in der zweiten Session weitergeht.

Auch die Abendession beginnt für mich erst, als beide Partien im MSI stehen. Den Sieg von Bärri Horkins nehme ich erfreut zur Kenntnis, auch er wäre mal dran mit einem Titel. Viel zum Spiel kann ich aber nicht sagen, das läuft – genauso wie danach der Rest der Partie der beiden verbliebenen 92er – nur so am Rande mit. Gerade weil John Higgins immer weiter nach hinten rutscht, bin ich mit der Aufmerksamkeit anderswo.

Sonntag, 26. April

Wer hat es eigentlich erlaubt, dass es erlaubt ist, dass man morgens um 4 Uhr aufstehen muss, um sein Kind auf 5 Uhr zur Schule zu bringen, damit der Bus um 6 Uhr losfahren kann?

Der Sohn ist auf dem Weg (bzw. inzwischen gut angekommen) nach London. Und damit deutlich näher an Sheffield als ich. Wobei sein Interesse an Snooker eher nicht vorhanden ist.

Nach erneutem ins Bett gehen schaffe ich es, kurz nach Beginn der Session bei Ding gegen Zhao reinzuschauen. NOCH gefällt mir, was ich sehe, da immer noch die Chance besteht, dass Ding gewinnt. Vom Spielerischen her bin ich bei beiden und freue mich einfach über das Match. Außer dass Ding es mehrfach schafft, sich selbst zu snookern.

Da aber gegen 13 Uhr lange angekündigter Besuch kommt, verfolge ich die Entscheidung nicht länger. Einen kurzen Blick kann ich später noch auf das werfen, was sich als der finale Frame herausstellen würde.

Am Mittag kann ich kurz bei Judd Trump gegen Hossein Vafaei reinschauen, aber nicht lange genug, um mir einen Eindruck über das Match zu verschaffen.

Der Abend ist dann der Partie Selby gegen Wu gewidmet. Jetzt fällt mir auf, dass der Chinese auffallend einer erwachsenen Version des besten Freundes meines Sohnes ähnelt. Der jetzt auch in London ist.

Da hier aber keine Entscheidung ansteht und Selby gerade auf dem Weg zum 7–7 Ausgleich ist, lasse ich Snooker für heute sein und verbringe den Abend mit meiner Frau.

Montag, 27. April

Ich habe mich entschieden, den letzten Satz vom Sonntag, den ich im laufenden Frame geschrieben hatte, nicht zu korrigieren. Aufmerksame Leser*innen haben sicher bemerkt, dass es dieses 7–7 nicht gegeben hat. Errarum Saschum est. Zumindest manchmal.

Zurück in die Gegenwart:

Snookerfreier Vormittag. Zum Glück. Einiges ist WM-bedingt liegengeblieben und muss jetzt dringend erledigt werden.

Einigermaßen damit erfolgreich versammle ich mich also kurz nach 14 Uhr vor dem großem Endgerät im Wohnzimmer. Ich widme meine volle Aufmerksamkeit Mark Selby gegen Wu Yize

Ich schaue ohne Kommentar, weder Deutsch noch Englisch. Hach! Ruhe. Fordert erhöhte Aufmerksamkeit. Ist wie Stummfilmschauen (was ich gelegentlich gerne mache), nur dass die Zwischentitel fehlen. Das wäre mal was. Ein Snooker-Match, Fritz-Lang-Edition.

Ich drücke Selby die Daumen. Und doch erfreue ich mich rein spielerisch oft mehr an dem, was ich vom Chinesen sehe. Wie er eine wackelige Hilfsquekonstruktion aufstellt und eine Rote wundervoll locht, um nur ein Beispiel zu nennen.

Den genauen Spielbericht findet ihr hier, von mir nur ein paar persönliche Gedanken: Im Midsession Intervall wird die Match-Statistik eingeblendet. Die Zahlen bei höchstem Break, gesamten gespielten Punkten, gelochten Bällen und Locherfolg zeigen deutlichen Vorsprung bei Mark Selby. Vorne liegt aber Wu mit 9–11. Ein hoch auf Statistiken, die das Gegenteil von dem sagen, was am Ende bei rauskommt.

Mit offenem Mund sehe ich dann Selbys Wutausbruch in Frame 21 nach einer verschossenen Roten: Wie er das Queue mit Wucht gegen den Tisch knallt.

Seht selbst

Hoffentlich ist da nichts kaputt gegangen. (Spoiler, ist es nicht, er wird zumindest den nächsten Frame gewinnen)

Nerven, die; gehen auf…

Die Geräuschkulisse vom Tisch der beiden 92er geht mir allerdings gewaltig auf die Nerven. Dass Higgins bei 10-9 erstmals im Match in Führung geht, bekomme ich noch ausschließlich über den immer griffbereiten Ticker am Handy mit. Je länger das Match dauert, desto öfter – weil lauter – wird deutlich, wenn bei Ronnie irgendwas nicht so läuft, wie er und/oder das geneigte Publikum es gerne hätte. Das nervt nur noch und unabhängig vom Matchausgang bin ich froh, als es endlich vorüber ist und Ruhe einkehrt.

Die letzten beiden Fames nehme ich wahr, als wären sie Decider. Zerfahren, aber auf eine spannende Weise zerfahren. Gefällt mir, und Applaus für Wu Yize.

Am Abend erlebe ich mich selbst, wie meine gedrückten Daumen von Judd Trump zu Hossein Vafaei rüberwandern. Ohne jetzt auf die Details des Matches einzugehen, mir gefällt, wie er nicht nur mithält, sondern dem klaren Favoriten die hohe Stirn bietet. Hier spielt kein Underdog.

Zwar gibt auch er mir einen Mit-Offenem-Mund-Hinschauen-Moment, als er den Spielball über Braun drüberlupft und zu Boden schickt. Davon unbeeindruckt schafft er aber auch Rückschläge einzustecken und erzwingt den Decider, den er am Ende auch gewinnt, das Century knapp verpassend. Ich drück ihm die Daumen fürs Viertelfinale.

Dienstag, 28. April

Während ich an diesem Text die letzten Korrekturen vornehme, lausche ich meinem Lieblings-Snookerpodcast und lächle.

Mit ihrem Artikel hat Lula gestern die 1000 voll gemacht (Whoop Whoop) und wir werden erwähnt. Liebe Grüße und herzlichen Dank an die Kolleg*innen vom Ton.

Und sie verraten uns, dass morgen die 1.200 voll gemacht wird. Also liebe Snookerfreunde, geht in die Startlöcher und gratuliert morgen fleißig.

(Fun Fact: Mir wurde bei meinem Berlin-Besuch Kathis Hand in die meinige gedrückt, zwei Worte gewechselt und weg war sie. Kathi, ich glaube nicht, dass Du Dich daran erinnerst, ich schon :))

Ich werde heute vor allem das Match Mark Allen gegen Barry Hawkins verfolgen. Und heute Mittag schauen wir mal, ob Lula noch mit mir spricht, nachdem Hossein Vafaei die erste Session gewonnen werden haben wird…

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