Der vorgezogene dritte Tagebuch-Teil. Es ist viel passiert und eigentlich doch nichts.
Dienstag, 21. April
Zur Morgensession gönne ich mir Wakelin gegen Pullen. Beide Spieler habe ich noch nicht all zu oft gesehen. Und dass sich Chris Wakelin auf Platz 13 der Weltrangliste gespielt hat, ging schleichend an mir vorbei. Das ist für mich einer aus der Kategorie „Den Namen hört man öfters, der gehört unbedingt dazu, aber als Favorit sehe ich den nicht.“. Heute ist er Favorit und ich bin neutral sportlich gespannt, was ich zu sehen bekomme.
Und dann fällt mir kurz vor Matchbeginn siedend heiß ein, dass ich ja im Mai zur Exhibition in Rüsselsheim bin. Sch**, die Karte existiert ja nur als Geldeingangsbestätigung per Mail. Hektisch danach gesucht. Phew… gefunden… Was man so alles macht, statt runter ins Wohnzimmer zu gehen….
Bevor der Spaß aber losgehen kann, kämpfe ich aber mit der Technik. Selten, aber leider doch immer mal wieder, passiert es, dass der Stream nicht starten will. In diesem Fall will so gar nichts funktionieren. Ich drücke wie wild Knöpfe. Ich bin am vor mich hin Fluchen. Bis mir auffällt, dass ich den Hauptschalter für den Strom noch nicht eingeschaltet hatte… ***keine weiteren Kommentare nötig***
Zum eigentlichen Match: Nachdem der Youngster den ersten Frame gewonnen hatte, zogen die Kommentatoren immer mal wieder einen Vergleich zum gestrigen Moody-Match. Als der Name Fergal O Brian genamedropt wird, werde ich etwas hellhörig. Ich habe nicht ganz verstanden warum sein Name fiel, aber der Ire war 1994 der erste und bislang einzige Spieler, der in seinem Crucible-Debütanten-Frame ein Century schaffte. Mit einem 57er-Break war Pullen davon aber weit entfernt.
Der Moody-Match-Vergleich hatte sich dann endgültig erledigt, nachdem Wakelin zum 1–1 ausglich.
Das Match lief einigermaßen ausgeglichen, mit Vorteilen dann doch eher auf Wakelins Seite. Ich hatte aber das Gefühl, die Kommentatoren wollen mit aller Macht ein Centrury des Debütanten herbeireden. Spoiler: Es würde erst in der 2. Session kommen.
Den rein technischen Verlauf hat Lula hinreichend und wie ich finde, gut beschrieben Für mich bleibt an diesem Vormittag erstmal das Fazit: Hat Spaß gemacht.
Und sonst so…
Und der Nachmittag? Nunja, uninteressant. Auf dem einen Tisch wegen des Zwischenstandes (7–2) und am anderen Tisch spielt halt Ronnie. Ich hab den TV eingeschaltet, mir mein Buch geschnappt (Rebekka Endler – Witches, Bitches, IT-Girls) und bis fast zum Sessionende gelesen, nur gelegentlich hingeschaut. Weil halt Ronnie. Interessant wird dann erst die zu erwartende Partie gegen John Higgins. Das könnte spannender werden.
Am Abend bin ich eigentlich für einen Videovortrag reserviert. Da bin ich dann aber wohl eher nicht die Zielgrupe und langweile mich (kann ich Ronnie noch mal sehen?). Also rüber zum Snooker. Ich entscheide mich nach einigem Überlegen für Shaun Murphy gegen Fan Zhengyi. Ersteren sehe ich, wie oben erwähnt, im Mai live. Das und der etwas fortgeschrittenere Spielstand (6–5) sind meine Argumente. Aber trotz des vom reinen Spielstand her spannenden Matches, schalte ich bei 8–8 aus, um noch etwas Zeit mit meiner Partnerin zu verbringen.
Mittwoch, 22. April
Ich bin fix und alle. Gestern Abend dann zuerst gemeinsam mit meiner Frau die Shaun-Murphy-Lichtspiele geschaut (als am verwaisten Nachbartisch plötzlich das Licht anging) und ob des britischen Kommentars über den Akzent generdet. Sie ging dann ins Bett, ich blieb.
Was da abging. Meine Nerven. Als ich kilometerweit nach Mitternacht ins Bett gehe, schläft sie schon. Klüger war es.
An was erinnere ich mich? Meine Notizen, die ich gemacht hatte, um eventuell zu einem Artikel etwas beizutragen, sind wertlos: Ich kann meine Handschrift nicht mehr entziffern.
Kollegin aus dem SnookerPro-Team hatte sich den Abend frei genommen und als sie in unseren TeamChat schaut, kommt diese Nachricht:

es gab viel zu besprechen
Wir hatten Themen zu besprechen. Unter anderem über den Kommentar bzw. Kommentatoren (nur Männer, wann kommt die erste Frau zum regelmäßigen Snooker-Kommentieren dazu?)
Das Fass mache ich hier jetzt nicht auf, nur so viel. Der angenehmste Kommentar in einer Sprache, die ich nicht spreche, war vor Jahren, als ich beruflich in Rumänien war und dort Tennis auf Eurosport schaute.
Der heutige Morgen beginnt nach dem Frühstück erstmal mit Schlafen. Dann mit Stolpern durch den Supermarkt, um das Nötigste einzukaufen.
Es gibt zwei Arten von Snooker-Müdigkeit bei mir. Die eine, weil einfach zu viel angeboten ist und es mir zu viel wird (gleichwohl ich die durchaus wichtige Frauen-Snooker-WM aus einer Vielzahl von Gründen nicht schauen werde können, was ärgerlich ist). Und die Müdigkeit nach einem anstrengenden Abend. Letztere hat mich heute befallen. Zwischen Waschmaschine, Einkaufen, Ehrenamt (ja das habe ich auch noch und da gab es heute positive Nachrichten) schaue ich also zuerst Dingens gegen Liam Pullen (ernsthaft, ich musste gerade nachschauen! Es war natürlich Chris Wakelin, aber es wollte mit nicht einfallen, obwohl ich trotz des nicht so schönen Ausgangs für meinen Favoriten durchaus Spaß am Gucken hatte).
Für die Statistikfans: Vor diesem Match hatte Pullen eine Quote von ca 63% an gewonnenen Matches diese Saison, bei etwas mehr als 40 gespielten Partien. Ordentliche Leistung. Und persönliche Meinung: Von den Debütanten im Crucible hat mich Pullen am meisten überzeugt. Und das, obwohl er heute nicht mehr wirklich mithalten konnte. Ich hoffe wirklich, mehr von ihm zu sehen.
Sir Jiahui
Am Mittag verfolge ich mit gebremster Aufmerksamkeit Si Jiahui gegen Hossein Vafei. Wie schon erwähnt, Si habe ich einst in Berlin spielen sehen. Unter anderem das macht ihn für mich neben Ding den ersten zweiten Chinesen dem ich den WM-Titel wünsche. Und ich lerne, dass ich ihn all die Jahre falsch ausgesprochen habe (nicht SI wie Italienisch sondern so wie es die englischen Sprecher machen, eher wie „Sir“).
Das und die Tatsache, dass der Chinese nach einem guten Start am Ende aus meiner Sicht viel zu weit hinten liegt (3–6), sind die Erkenntnisse, die ich, immer noch müde, aus diesem Nachmittag nehme.
Zur Abendsession entscheide ich mich eher halbherzig, weil müde (hab ich das schon erwähnt?) für Neil Robertson und Pang Junxu. Dass der Australier das Zählen kurzzeitig verlernt hatte (er lag 10–57 hinten bei noch drei Roten auf dem Tisch und gab den Frame auf, weil er 57 für seinen Rückstand hielt), nehme ich noch mit. Hat ihn nicht nachhaltig aus dem Konzept gebracht, den nächsten Frame gewinnt er.
Das Highlight kommt an diesem Abend ohnehin auf BlueSky. Ich lass das mal unkommentiert :)

Bitteschön, gern geschehen
Unseren Überblick über die WM findet ihr auf unserer Turnierseite. Und hier die Sendezeiten auf Eurosport.
















