Zhang Anda setzt seine Null-Matchgewinn-im-Crucible-Serie fort, Mark Allen erhält seine Hoffnung auf den ersten WM-Titel.
Zhang Anda mit starkem Auftakt gegen Mark Allen
Meine Eltern waren total unterschiedlich beim Auto fahren. Mein Vater schlich und wechselte dann hektisch die Spur, würgte die Gänge rein und stieg häufig unvermittelt in den Anker, bis wir auf der Rückbank von dem Geruckel Schmerzen in der Halswirbelsäule bekamen. Meine Mutter dagegen fuhr äußerst zügig und gleichmäßig. Sie fuhr vorausschauend, bremste mit dem Motor und ein Gangwechsel brachte nicht einmal mein Getränk in der Hand in die entfernteste Gefahr, verschüttet zu werden.
Ungefähr so hat Mark Allen dieses Spiel bestritten. In der ersten Session war er mein Vater, in der zweiten meine Mutter. Leider war es bei Zhang Anda genau umgekehrt. Er verschoss sein ganzes Pulver schon in der ersten Spielhälfte, machte dabei ein Century und sah super entspannt aus.
Zhang Anda friert ein, Mark Allen mit dem besseren Ende
Mit 5–3-war er in die zweite Session gegangen. Die ersten beiden Frames teilten sie noch untereinander auf, aber dann marschierte Allen durch und machte unterwegs drei Century Breaks.
Bei Zhang Anda klappte gar nichts. Die langen Einsteiger verfehlte er knapp, seine Spielbälle liefen sonstwohin, blieben im Tascheneinlauf hängen, dengelten an andere Bälle. Während bei Mark Allen die langen Einsteiger wie an der Schnur geführt mitten in die Tasche knallten, die Rote am Lochrand herumtanzte und dann doch fiel und die ungeplanten Kollisionen mit anderen Bällen zu glücklichen Resultaten führten.
Mark Allen sagte anschließend: „Ich hab auch ein bisschen Glück gehabt, versteht mich nicht falsch. Aber ich habe mir nicht mehr selbst im Weg gestanden wie gestern.“ Der gute Mann steht ja auf meiner Liste „Wird nie einen WM-Titel gewinnen“ ganz oben, zusammen mit Ding Junhui, knapp gefolgt von David Gilbert und Ali Carter. Nun ist er eine Runde weiter und dem langersehnten Titel einen Schritt näher. In der nächsten Runde warten Kyren Wilson oder Stan Moody. Ich bin gespannt, als welches Elternteil Allen sich da hinters Steuer setzt.
Von der Tragik und der Schönheit
Meine eindrücklichste Erinnerung an Matthew Stevens ist das Finale der WM 2005. Aus irgendeinem Grunde denke ich in letzter Zeit häufig daran. Das war die WM, bei der O’Sullivan allen möglichen Blödsinn gemacht hat und einer seiner Gegner dann gewonnen hat. Ich war als Paul-Hunter-Fan ein bisschen schockgelähmt und bin im Windschatten der Begeisterung meiner Freundin gesegelt. Die begeisterte sich für den Underdog, Murphy, den Amateur. Damals war mir Matthew Stevens eher als Paul Hunters Freund bekannt und noch nicht so als Spieler, der grandios Führungen verspielen kann. Doch ich erinnere mich, dass ich mich während des Finales immer mehr für Matthew begeisterte und dass das Spiel einfach nicht enden wollte. Am Ende blieb meiner Freundin die Freude und mir das Gefühl, etwas Tragisches erlebt zu haben.
Und dieses Gefühl der Tragik begleitet mich seitdem. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals einfach Freude empfunden hätte, wenn ich Matthew spielen sah. Im Fall des Matches gegen Barry Hawkins hatte ich nun Sympathien für beide und fand Målins Prognose nicht unwahrscheinlich. Es kam aber etwas anders.
Beide kämpften mit sich und dem Tisch, stocherten und stoppelten sich zum 2–2. Dann kam zumindest Barry etwas in Fluss, machte ein Mark-Davis-Century von 99 und am Ende trennten sie sich 7–2. Die zweite Session begann wieder ausgeglichen. Es war etwas mehr Zug in der Sache, lange Einsteiger fielen etwas öfter und auch das Kopfschütteln über die Reaktion des Spielballs war etwas seltener. Allerdings stand es da auch schon 9–4 für Barry. Die Lochquote lag bei beiden zur Pause aber in einem einer WM unwürdigen Bereich.
Der letzte Frame brachte dann nichts Neues. Fehler von beiden, die Stirnfalten von Matthew erreichten an Tiefe die Furchen, die ich zur Aussaat meiner Sonnenblumen ausgehoben habe, zwei Breaks von Barry, ein verschossener Frameball, ein toller Einsteiger von Matthew und anschließend dann doch wieder nix von ihm, außer der Aufgabe des Frames und Matches. Hawkins wird sich weiter warmspielen und mich gegen Mark Williams oder Antoni Kowalski hoffentlich mit seiner dann wieder schönen Spielweise begeistern. Er steht bei mir nämlich nicht auf der Liste mit Allen und Ding.
Und die anderen?
Antoni Kowalski 3–6 Mark Williams, zweite Session 20 Uhr
Xiao Guodong 5–4 Zhou Yuelong, zweite Session 20 Uhr
Ding Junhui 7–2 David Gilbert, zweite Session Montag 11 Uhr
John Higgins 4–1 Ali Carter (erste Session läuft noch), zweite Session Montag 15:30 Uhr
Unseren Überblick über die WM findet ihr auf unserer Turnierseite. Und hier die Sendezeiten auf Eurosport.













