Zeitlich fast parallel zum peinlichsten, chaotischsten Randsportartevent ever, von dem ich am liebsten gar nichts mehr mitbekommen würde, findet der Saisonbeginn im Snooker statt – und zwar mit der Qualifikation zu den China und den Wuhan Open. Natürlich nicht im Fernen Osten, sondern in Leicester.
Wir haben beschlossen, den Beginn der Saison nicht wieder zu verpassen und dann im September eine Zusammenfassung zu bringen, sondern sofort einzusteigen. Also schmeiße ich heute Mittag den Rechner an. Das erste Spiel, das ich im Stream erwische, ist Sean O’Sullivan gegen Jimmy White. Zu dem Zeitpunkt hatte Florian Nüßle schon einen schönen Sieg über Allan Taylor eingefahren und dabei zwei Centuries gespielt. Wenn das ein Vorgeschmack auf Florians Saison ist, dann erwarte ich ihn nächstes Jahr auf alle Fälle im Tempodrom. Tourrückkehrer Ashley Carty machte Stuart Carrington ziemlich nass bei seinem Whitewash und Anton Kazakov verspielte gegen Jamie Clarke einen 4–0-Vorsprung.
Eine Karriere mit Hindernissen
Sean O’Sullivan war der erste Spieler, auf den ich zu Beginn meiner Karriere bei SnookerPRO ein Auge hatte. Und der erste, den ich in diesem Rahmen interviewt und portraitiert habe. Vor zwölf Jahren. Kurz darauf fiel er von der Tour, was ich ebenso beobachtete wie seine Versuche der Rückkehr auf die Main Tour. Danach ging es noch mehrmals auf und ab, sodass seine Spielzeiten auf der Tour schon zwei Zeilen in seinem Profil in Anspruch nehmen. Doch der Mann kann Snooker spielen, wirklich. Ihr braucht euch nur sein schönes Maximum Break anzuschauen. Aber es wollte auf der Tour einfach kein Lauf zustandekommen.
Kurz vor der Saison habe ich ihn gefragt, was denn eigentlich während der ganzen Jahre mit ihm los war. Seine Antwort ist nur bedingt vielversprechend: „Ich habe während meiner Karriere eigentlich ständig mit irgendwelchen Verletzungen gekämpft. Aber in den letzten paar Jahren ist es richtig schlimm gewesen. Deshalb bin ich stolz, dass ich es zurück auf die Tour geschafft habe, obwohl ich Schwierigkeiten mit meinem Ellenbogen hatte. Ich hoffe, dass ich in den nächsten zwei Monaten weiter behandelt und das Problem lösen kann.“
Doch es gibt auch Fortschritte. „Seit Anfang des Jahres arbeite ich mit Anthony Hamilton zusammen, was mir sehr geholfen hat. Wir haben technisch ein paar Dinge verändert. Und er hat mir geholfen, dass ich schwerer zu schlagen bin, selbst wenn ich nicht in Bestform bin. Es gibt nicht viele Leute, die mehr Ahnung vom Spiel haben als er, daher ist es toll, ihn an meiner Seite zu haben.“
Das Positive
Neben den körperlichen Problemen hat die ganze Unsicherheit auf der Tour auch an seinem Selbstbewusstsein genagt. Zwischenzeitlich hat sich das so negativ auf sein Spiel ausgewirkt, dass es schwer war, ihm zuzuschauen. Manch eine hat sogar vorgeschlagen, es wäre besser für ihn, das Queue an den Nagel zu hängen. Aber Aufgeben kommt für Sean offensichtlich nicht in Frage. „Ich habe vor kurzem angefangen, mit einem Sportpsychologen zu arbeiten. Das war besonders vor der Q School eine große Hilfe, um mit den Höhen und Tiefen umzugehen, die auf mich zukommen würden. Ich war während des Turniers häufig im Rückstand. Daher denke ich, dass sich die Arbeit, die wir da reingesteckt hatten, als sehr wichtig erwiesen hat, um unabhängig von der Situation weiterhin an mich zu glauben.
Ich würde sagen, dass ist ein Teil davon, an der mentalen Seite des Spiels zu arbeiten. Zu versuchen, deine Gedanken im Griff zu haben, unabhängig von den jeweiligen Umständen. Zusätzlich die taktische Seite des Spiels, was die Auswahl der Stöße beinhaltet: Daran habe ich mit Anthony hart gearbeitet, um mich zu verbessern. Selbst wenn es nur um winzige Prozentsätze geht – sie machen den Unterschied!“
Und es gibt noch eine andere Veränderung in Seans Leben. „Ich denke, mit Hannah [Jones] zusammen zu sein, ist eine große Hilfe. Da sie selbst eine gute Queuesportspielerin ist, versteht sie das Spiel und die Opfer, die du bringen musst. Außerdem macht sie mich sehr glücklich. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Ich werde demnächst nach Derbyshire ziehen und dort mit Hannah zusammenleben. Das wird ein ziemlicher Kulturschock für mich werden, nicht mehr im Moloch Londons zu leben.
Aber ich freue mich sehr darauf! Tapetenwechsel und ein neuer Club zum trainieren.“
Gegenwind vom Whirlwind für The Storm zum Saisonauftakt
Aber zurück zur Partie der Schmerzen. Es ging ganz gut los, mit einer 61 ging Sean in Führung. Doch Jimmy holte sich die nächsten drei Frames, bevor Sean mit einer 51 auf 2–3 verkürzen konnte. Das waren übrigens bis dahin die einzigen 50+ Breaks in diesem Spiel. Viel klein-klein, Safetyspiel mit mäßigem Erfolg, dieser Ballwechsel war symptomatisch. Und dann gab Jimmy Gas und zog bis zum Ende durch, ohne dass Sean die Sonne sah. Am Ende sprang sogar noch ein Century raus.
Im Grunde genommen ging es so weiter, wie es vor zwei Jahren geendet hatte. Ich hoffe wirklich sehr, dass es sich nur um Anlaufschwierigkeiten handelt und Sean am Dienstag bei der Quali zu den Wuhan Open mehr an den Tisch bringen kann.
Auch Liam Davies verpatzt den Saisonstart
Währenddessen spielte Liam Davies gegen Chatchapong Nasa. Liam ist einer meiner anderen Kandidat*innen für die „Wir haben ein Auge auf“-Reihe. Nachdem er letzte Saison seine Tourkarte verloren hatte, konnte er sich über die Q School sofort wieder qualifizieren. Da Liam mit einem Century und weiteren hohen Breaks 4–0 in Führung gegangen war, konzentrierte ich mich ganz auf die andere Partie und erwartete einen souveränen Sieg. Doch Chatchapong kämpfte sich nicht nur zurück, sondern ging in Führung. Dass Liam noch den Entscheidungsframe erzwingen konnte, nützte ihm nichts, denn diesen musste er samt Match an Chatchapong abgeben.
Zwei Lichtblicke
Abends war ich dann wirklich reif für einen Lichtblick. Gleich zwei meiner Kandidatinnen spielten: Ng Onyee gegen Ryan Thomerson und „Mind“ Panchaya Channoi gegen Chen Ruifu. Als ich endlich diesen Artikel fertig habe und ein bisschen gucken kann, führt Onyee mit 3–2 und Mind mit 3–1. Allerdings ist es auch schon 23:15 Uhr, also werde ich die Ergebnisse hier nicht mehr veröffentlichen können. Aber dafür gibt es ja unsere Turnierseite. Da könnt ihr euch natürlich auch über die zahlreichen anderen Partien informieren.












