Zhao Xintong und Barry Hawkins souverän ins Viertelfinale

Mit einem breiten Lächeln und einem Daumen nach oben blickt Barry Hawkins ins Publikum, während er die Arena des Crucible Theatres verlässt.
Wer hat Barry Hawkins nicht auf dem Schirm? Wir schon! © Zheng Zhai

Zhao Xintong bleibt unbeirrt auf Kurs Titelverteidigung. Er besiegt Ding Junhui mit 13–9 und zieht ins Viertelfinale der Weltmeisterschaft ein. Ebenso Barry Hawkins, der einen starken Sieg über Mark Williams erzielt. Mark Selby und Wu Yize unterhalten in erster Session.

Während Nostalgie-Fans von der Insel und auch anderswo ihr Augenmerk auf das Match zwischen Ronnie O’Sullivan und John Higgins legen, ist das eigentliche Blockbuster-Match des Achtelfinals ein anderes. Ganz China und der Rest der Welt blickt auf die Begegnung zwischen Zhao Xintong und Ding Junhui: Setzt der Weltmeister seinen Dominanzritt fort und erhält sich die Chance auf die Titelverteidungung? Oder kann Ding Junhui seine Erfahrung ausspielen und der jungen Generation chinesischer Spieler*innen zeigen, dass er seine Ambitionen auf einen Weltmeistertitel noch nicht begraben hat?

Snooker heißt das Spiel

Zhao Xintong und Ding Junhui hatten sich über die ersten beiden Sessions einen hochklassigen Schlagabtausch geliefert. Zhao schien immer die Nase voraus zu haben, während Ding bemüht war, Schritt zu halten. So stand es zu Beginn der entscheidenden Session 9–7 für den amtierenden Weltmeister. Der erste Frame konnte an das Niveau des Matches zuvor jedoch nicht anknüpfen. Es war eher eine Stolperei. Beide machten viele (leichte) Fehler. Allerdings konnte Ding zwischen seinen Fehlern mehr Punkte erzielen, weswegen er schließlich den Frameball lochte. Aber damit sollte es das natürlich noch nicht gewesen sein. Denn passend zum gesamten Frame, verschoss Ding die Gelbe direkt danach.

Während parallel am anderen Tisch Mark Selby eine Partie Ich-loche-alle-Bälle spielte und mit zwei Century Breaks gegen Wu Yize in Führung ging, wurde auf Tisch 1 nun eine richtige Partie Snooker gespielt. Nach ein paar Snookern konnte Zhao seinem Kontrahenten die benötigten Foulpunkte zwar entlocken, die verbleibenden Farben versprachen aber nicht die Aussicht auf eine schnelle Clearance. Also wurde fröhlich weiter gesnookert. Der sehr sehenswerte Schlagabtausch mit den teilweise brillanten Snookern und Escapes ließ ein wenig die Fehler des Frames zuvor vergessen. Kurios war dann das Lochen des erneuten Frameballs. Ding Junhui wollte eigentlich einen fiesen Snooker hinter Schwarz legen, lochte dabei aber versehentlich Gelb ganz gerade in die Ecktasche, anstatt sie über den Tascheneinlauf zurück in den Tisch laufen zu lassen. Zwar brauchte Zhao jetzt wieder Snooker, aber den ersten hatte Ding sich schon selbst gelegt. Er entkam ihm. Ebenso allen der zahlreichen guten, die Zhao ihm noch präsentierte, so dass Ding am Ende dann doch der erfolgreiche Start in die Session gelang.

Der Frame fühlte sich an wie ein kleines Match in sich. Dabei war es doch nur der erste Frame der Session!

Zhao stark und Ding zu schwach

Der erste Frame machte richtig Lust auf die Entscheidung dieses Matches. Als neutrale Zuschauerin wurde ich aber eher enttäuscht. Zwar hatte Ding das Momentum auf seiner Seite und den Rückstand auf einen Frame reduziert, aber danach wollte ihm einfach nicht so richtig etwas gelingen. Solide, aber ohne großes Feuerwerk konnte Zhao Xintong die nächsten beiden Frames gewinnen, bevor Ding Junhui dann vor der Pause dank des ersten frameentscheidenden Breaks nochmal auf 9–11 verkürzen konnte.

Match Statistik vom 13 zu 9 Sieg von Zhao Xintong über Ding Junhui. Zhao mit 287 gelochten Bällen, 93% Locherfolg (Ding hingegen bei 89%) und 69% Locherfolg bei langen Bällen. Sein höchstes Break war eine 116.

© BBC

Nach der Pause fand der Weltmeister dann wieder in sein souveränes Spiel, das ihn seit der letzten Weltmeisterschaft stets begleitet. Er gewann zwei ungefährdete Frames, eins davon mit Century, zum 13–9 Endstand. Ich bin kein Fan davon, aus einzelnen Ergebnissen die ganz großen Trends abzulesen. Aber ich muss zugeben, dass der Sieg Zhao Xintongs über Ding Junhui hier schon wie eine Zementierung der Wachablösung wirkt. Entgegen aller Erwartungen wurde Ding Junhui nicht der erste chinesische Weltmeister und aktuell sieht es auch nicht danach aus, als würde er es jemals. Ich hoffe ein bisschen, er straft mich Lügen.

Die Rückkehr des Crucible-Spezialisten Barry Hawkins

Von 2013 bis 2018 war Barry Hawkins aus den letzten Runden der WM nicht wegzudenken. Seither ist er jedoch ein bisschen abgetaucht. Meine Prognosen für die WM aus meiner Vorschau haben sich als bestenfalls durchwachsen herausgestellt. Aber bei einer Sache behielt ich recht: Es könnte mal wieder ein gutes Jahr für Profi-Tiefflieger Barry Hawkins sein.

Die Wahl des Matches am Freitagabend fiel denkbar leicht, denn die Entscheidungssession zwischen Murphy und Xiao war vorverlegt worden. Im Schnellverfahren spulte ich mich durch die erste Session zwischen Mark Williams und Barry Hawkins vom Vormittag, um dann live in ihre zweite Session einzusteigen. Zu meiner Freude als Fan von Barry Hawkins konnte dieser seine Performance im Vergleich zu Runde 1 deutlich steigern. In Session 2 übernahm er von Anfang an die Kontrolle. Es war im Prinzip die perfekte Session Snooker. Denn sie bot einen sehr abwechslungsreichen Mix aus guten Breaks, guten Safeties und unterhaltsamen taktischen Spielpassagen. In allen Bereichen dominierte Barry Hawkins. Dank einer Portion Glück und später etwas Übermut von Hawkins, konnte Williams am Ende noch froh sein, wenigstens zwei Frames in der Session geholt zu haben.

Am Samstagabend sollten dann Ronnie O’Sullivan, John Higgins und Mark Williams alle in derselben Session spielen. Während das alle Aufmerksamkeit auf sich zog, brachte Barry Hawkins ohne großes Drama seinen Sieg gegen Mark Williams mit 13–9 nach Hause. Ganz typisch für ihn: mal wieder absolut unter dem Radar. Solide sagen die Journalist*innen gerne, wenn sie über Barry Hawkins sprechen. Hier präsentiert er sich aber etwas besser als nur solide. Im Viertelfinale trifft er auf Mark Allen.

Und sonst?

Wie schon erwähnt, ging Mark Selby heute Morgen nach bravourösem Start inklusive zweier Centuries mit 2–0 in Führung. Wu Yize ließ sich davon aber nicht beeindrucken. Bis zum Midsession Interval kämpfte er sich zurück. Nicht zuletzt auch deswegen, weil er durch typische Selby-Tugenden brillierte: Er dominierte die meisten der taktischen Duelle und bestrafte Selby dort, wo dieser seine Chancen nicht nutzen konnte. Nach der Pause gab Wu Yize sogar das Tempo vor. Im letzten Frame konnte Selby froh sein, dass Wu Yize eine missglückte Safety von ihm nicht bestrafen konnte. Das zwischenzeitliche 4–4 macht Lust auf mehr.

Achja und dann war da noch die Begegnung zwischen Ronnie O’Sullivan und John Higgins. Für viele sicherlich das herausstechende Match der Runde, für mich war die erste Session aber keinesfalls interessanter als die Entscheidung zwischen Hawkins-Williams. Daher kann ich nur mitteilen, dass O’Sullivan 6-2 führt. Dabei soll er wohl ganz gut gespielt haben.

So geht es weiter

Heute Nachmittag geht es erstmal ohne Entscheidung mit den beiden Partien Neil Robertson gegen Chris Wakelin (Kollege Sascha beobachtete die erste Session) und Judd Trump gegen Hossein Vafaei weiter. Beide Matches versprechen viel Spannung, denn bisher steht es ausgeglichen. Ich persönlich werde mit den beiden Underdogs mitfiebern, bevor ich am Abend wieder Mark Selby die Daumen drücke. Dafür werde ich aber Kollegin_ Lula aus dem Weg gehen müssen, die angekündigt hat, jede gute Aktion von Wu Yize lautstark zu feiern.

Inzwischen haben alle Matches des Achtelfinals begonnen. Vier Partien sind schon entschieden, in den übrigen Partien ist bisher nur eine Session gespielt worden, zwei stehen also jeweils noch an. Auf unserer Turnierseite bekommt ihr nochmal einen Überblick.

AutorIn: Målin

Målin mag Zahlen und Tabellen. Wenn sie gerade kein Snooker guckt, wirft sie wahrscheinlich einen Blick auf die Provisional Rankings. Ist durch Langeweile zum Snooker gekommen und weil sie schon in jungem Alter einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer hatte. Neben Artikeln kümmert sich Målin bei SnookerPRO um die Spieler*innenprofile. Twitter: @esel_freund

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