British Open: In der Kürze liegt die Würze

Das Match zwischen Mark Selby und Ali Carter bei den British Open. Selby ist am Tisch und im Stoß, Ali Carter sitzt in der Ecke auf seinem Stuhl. Der Hauptfokus der Kamera liegt jedoch auf den gefüllten Zuschauerrängen im Hintergrund.
Neues British Open Format bringt viele Überraschungen und überraschend viele 147. © World Snooker/Tai Chengzhe

Die wiederbelebten British Open im Ultrakurzformat versprachen im Vorfeld eines, unvorhersehbar zu sein. Und diese Vorhersage erfüllten sie. Nach vier Runden mit best-of-5 Matches ist Mark Williams der einzige verbliebene Top16-Spieler. Wir fassen die ersten 5 Tage zusammen.

In der Kürze liegt die Würze. Das war wohl der Plan von Worldsnooker und dem Broadcaster ITV als sie das Format der British Open erdachten. Wie viel davon „das wollen wir unbedingt, das wird toll“ und wie viel „das kriegen wir auf die Schnelle nicht anders hin“ ist, werden wir wohl nie definitiv erfahren. In einem Interview mit Phil Haigh deutete Jason Ferguson von der WPBSA zumindest an, dass auch ein paar Kompromisse gemacht wurden.

Tatsächlich ist in den ersten fünf Tagen der British Open viel passiert. Sodass wir hier nur auf einige Highlights eingehen können. Wenig Überraschend: Durch die kurzen Matches und das zufällige Draw kam es zu vielen Decidern und vor allem zu vielen Überraschungen.

Higgins mit maximalem Start, Carter zieht mal wieder nach

Als Titelverteidiger eröffnete John Higgins das Turnier am Montagnachmittag für die Fernsehübertragung. Gleich mit seinem ersten Stoß lochte er eine Rote und spielte daraus ein Maximum Break. Was für ein Start. In der ewigen Bestenliste ist John Higgins mit 12 Maximums nun alleiniger Zweiter hinter Ronnie O’Sullivan. Higgins hatte 2003 auch schon das letzte Maximum Break bei den British Open gespielt.

Kurioserweise blieb es nicht das einzige Maximumbreak des Turniers. Einige der Topspieler, wie Mark Williams und Judd Trump beklagten sich über die Bedingungen der Tische. Tatsächlich gab es bisher auch relativ wenig Centuries im Turnier. Dennoch gab es eine zweite 147. Und zwar von Ali Carter, dessen Spezialität es ist, Maximumbreaks nur in guter Gesellschaft zu spielen:

Nach starkem Auftreten zum Saisonstart, unter anderem bei seinem Sieg über Selby in Runde 2, war Ali Carter schon als großer Mitfavorit gehandelt worden. Doch in seinem Match gegen Elliot Slessor blieb das Maximum sein einziger gewonnener Frame und so schied er wie viele der anderen Favoriten noch vor dem Viertelfinale aus. Auch Titelverteidiger John Higgins musste sich in Runde 3 Ricky Walden geschlagen geben.

Nur Sportliches im Rampenlicht?

Am Montagabend fand ein Match statt, auf das die Medienwelt ein Auge geworfen hatte. Mark Allen und Reanne Evans sind Ex-Partner und haben eine gemeinsame Tochter. Das Verhältnis der beiden ist, wie bei Ex-Partnern keine Seltenheit, nicht das Beste. Sportlich machte das Match aber durchaus was her. Nach etwas nervösem Beginn fanden erst Evans und dann Allen besser ins Spiel und duellierten sich auf Augenhöhe mit dem besseren Ende für den Favoriten Allen. Und wer beim Schauen des Matches nicht zu sehr mit der Suche nach Dramen beschäftigt war oder damit, herauszufinden, wer in diesem Rosenkrieg die/der Böse ist, wird festgestellt haben, dass Reanne Evans verdammt gut Snooker auf hohem Niveau spielen kann. Wir hoffen auf mehr davon im Laufe der Saison.

Lukas Kleckers gelingt deutscher Meilenstein

Erstmalig ist es einem deutschen Snookerprofi gelungen das Achtelfinale eines Weltranglistenturniers zu erreichen. Glückwunsch, Lukas! Den Grundstein für diesen Erfolg legte er mit seinem Überraschungssieg gegen den Masters-Sieger Yan Bingtao. Nach 1–0-Führung und 1–2-Rückstand erkämpfte Lukas Kleckers sich einen Decider in diesem Match. Dort gelang ihm zwar kein frameentscheidendes Break, aber er kontrollierte den Tisch und entschied ihn letztendlich deutlich mit 72–5.

Bei diesem einen Sieg blieb es jedoch nicht. In der zweiten Runde besiegte er Louis Heathcote, abermals im Decider, und in der dritten Runde folgte dann ein recht souveräner 3–0-Sieg gegen Lee Walker. Am Freitagabend musste er sich dann allerdings im Achtelfinale Lu Ning geschlagen geben und verlor 0–3. Insgesamt war das aber ein absolut gelungener Saisonauftakt.

Mark Selby löst Judd Trump als Nummer 1 der Welt ab

Weder Mark Selby noch Judd Trump gelang es bei den British Open in die späteren Runden vorzudringen. Nach einem Auftaktsieg gegen Shaun Murphy musste sich Selby in Runde 2 Ali Carter geschlagen geben. Trump blieb zwar eine Runde länger im Rennen, verlor aber dann gegen Elliot Slessor.

Unspektakulärer hätte die zwischenzeitige Wachablösung an der Spitze der Weltrangliste kaum verlaufen können. Judd Trump gehen die Ranglistenpunkte für den Gewinn der International Championship im August 2019 verloren, daher fällt er nun hinter Mark Selby zurück. Doch im Oktober wird abermals mehr das Geschehen von 2019 als von 2021 über die Weltranglistenpositionen entscheiden. Egal was passiert, Judd Trump wird dann vorerst wieder Weltranglistenerster werden. Warten wir also ab, wer sich im Verlauf der Saison an der Spitze durchsetzt, anstatt diesen Zwischenständen zu viel Bedeutung beizumessen.

Viertelfinale und Halbfinale am Samstag bei den British Open

Heute werden Viertel- und Halbfinale ausgespielt. Morgen folgt das Finale. Das sind die Viertelfinal-Begegnungen, die am Nachmittag ausgespielt werden:

David Gilbert gegen Gary Wilson (TV-Match, 14 Uhr)
Zhou Yuelong gegen Elliot Slessor (14 Uhr)
Mark Williams gegen Ricky Walden (TV-Match, im Anschluss)
Lu Ning gegen Jimmy Robertson (im Anschluss)

Die Sieger der ersten beiden Matches und die Sieger der zweiten beiden Matches treffen dann am Abend im Halbfinale aufeinander. Die Distanz verlängert sich heute zumindest auf best-of-7.

Nach seinem ersten Ranglistentitel von letzter Woche hat David Gilbert nun die gute Chance einen zweiten direkt folgen zu lassen. Er ist in guter Form, ist voller Selbstvertrauen und viele der Topfavoriten sind bereits ausgeschieden. Mark Williams nutzte diese Woche zwar jede Gelegenheit, um sich mit seinem Spiel unzufrieden zu zeigen, aber letzte Saison hat er mit dem Sieg der WST Pro Series gezeigt, dass ihm Kurzformate liegen.

Tatsächlich möchte ich bei den verbliebenen Acht keine Prognose wagen. Auch wenn die ganz kurzen Matches bei den British Open jetzt vorbei sind, sie bleiben ziemlich unvorhersehbar.

Best-of-5 und zufälliges Draw nach jeder Runde

Die im Vorfeld nicht so heiß ersehnten Best-of-5s sind vorbei und auch das Draw ist inzwischen bis zum Finale erstellt. Zeit für ein kurzes Fazit zum Format.

Betrachtet man die letzten Acht, kann man sicher sagen, dass kurze Matches Überraschungen fördern. Mit Lukas Kleckers, Hammad Miah, Zhang Jiankang und Ross Muir standen sogar noch größere Überraschungen in der Runde der letzten 16. Über die ersten fünf Tage boten die kurzen Matches viele enge Entscheidungen, aber auch überraschend viel Abwechslung.

Ein Best-of-5 kann ziemlich schnell vorbei sein. Das bewies Mark Williams am Freitagmorgen als er in der ersten Session Liam Highfield in unter 40 Minuten abfrühstückte. Daraufhin kehrte er in sein Bett auf seinem Hotelzimmer zurück. Aber ein Spiel über maximal fünf Frames muss auch kein Sprint sein. David Grace und Mark Lloyd waren in der ersten Runde rund 3 Stunden und 50 Minuten mit dem grünen Tuch, den bunten Bällen und vor allem sich selbst beschäftigt, ehe nach einem äußerst zerfahrenen Match David Grace endlich als Sieger feststand.

Ja, auch ein Decider in einem kurzen Match kann spannend sein. Das haben wir Zuschauer*innen diese Woche ein paar Mal festgestellt und auch den Spieler*innen merkte man an, dass es um Vieles ging. Aber ist es wirklich das gleiche Drama? Längere Matches können eben auch viel mehr unterschiedliche Geschichten erzählen. Ich für meinen Teil freue mich wieder auf die (etwas) längeren Matches.

AutorIn: Målin

Målin mag Zahlen und Tabellen. Wenn sie gerade kein Snooker guckt, wirft sie wahrscheinlich einen Blick auf die Provisional Rankings. Ist durch Langeweile zum Snooker gekommen und weil sie schon in jungem Alter einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer hatte. Neben Artikeln kümmert sich Målin bei SnookerPRO um die Spieler*innenprofile. Twitter: @esel_freund

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Ein Gedanke zu „British Open: In der Kürze liegt die Würze

  1. Marina Haake

    Danke für die spannenden Snookerübertragungen und Nachrichten. Ich bin Fan von Judd Trump und David Gilbert und leide mit Ihnen, wenn Ihnen Pech an den Fersen beim Spielen haftet. Ich freue mich auf die nächsten Turniere und vor allem auf das German Master, da mit dem Ticket so ein Match live vor Ort zu erleben. Ich wünsche mir, das sich die Coronnas verdrücken.
    Herzlich Grüße
    Marina


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