Mission Titelverteidigung

Zhao Xintong läuft vor seiner Titelverteidigung am Media Day mit dem WM-Pokal die Treppe im Crucible herunter.
Den Topf möchte Zhao Xintong nach erfolgreicher Titelverteidigung gerne wieder mitnehmen. © Zheng Zhai

Zhao Xintong hat die erste Hürde zur Titelverteidigung erfolgreich genommen. Auch wenn Liam Highfield ihm nicht kampflos das Feld überließ und das 10–7 bestimmt für Zhao knapper war als gewünscht, ließ er keine großen Zweifel an seiner guten Form.

Der Auftakt zur WM war genauso, wie ich ihn mir gewünscht habe. Die Spiele waren allesamt spannend, abwechslungsreich, manchmal etwas schmerzhaft – Snooker eben.

Rehabilitation in progress

Als ich Zhao Xintong 2017 beim Paul Hunter Classic in Fürth „entdeckte“, war er fast noch ein Teenager. Den Whitewash gegen Reanne Evans fand ich noch nicht so beeindruckend, aber schon bei seinem Sieg gegen Kuldesh Johal habe ich ihn ins Herz geschlossen. Schöne Breaks, aber ohne das „Hau-drauf-auf-alles“, das manche der jungen chinesischen Spieler damals spielten. Seitdem hatte ich ein Auge auf ihn und habe seinen Aufstieg begeistert verfolgt.

Dass er in den Wettskandal verwickelt war, hat mich tief getroffen. Egal, was ich über seine Strafe und deren Länge denke, ob damit das Unrecht abgegolten ist: Ich werde wohl nie wieder mit dem Herzen so unbeschwert dabei sein wie damals. Letztes Jahr war es mir zu früh, ihn als ersten chinesischen Weltmeister richtig zu feiern. Und auch dieses Jahr ist die Enttäuschung bei mir immer noch nicht ganz verflogen. Aber ich komme wieder dahin, seine Leistung voll und ganz anzuerkennen, ihm seinen Erfolg zu gönnen und mich an seinem Spiel zu erfreuen.

Titelverteidigung gegen Underdog

Bei meinen Vorlieben bin ich meistens Team Underdog. Ich mag es, wenn Favorit*innen gefordert und unter Druck gesetzt werden, wenn für selbstverständlich Genommenes ins Wanken gerät, wenn das Unglaubliche geschieht. Und so bin ich gestern auch in dieses Match gegangen. Meine Daumen für Liam Highfield waren gedrückt.

Kollegin Målin nannte die Partie „Die Bürde der Titelverteidigung“. Ich war gespannt, ob diese Bürde sichtbar werden würde. Und sie wurde. Nach den tollen Leistungen in dieser Saison war die Nervosität bei Zhao greifbar. Zwar blitzte schon in der ersten Session seine Qualität auf, ein schönes Century-Break, tolle Pots, aber auch relativ überraschende Fehler. Dazu spielte Highfield, wie wir es von ihm erwarten konnten: als hätte er nichts zu verlieren. So war die erste Session dann auch ein Kampf auf Augenhöhe und Zhao ging gerade mit einem Frame Vorsprung in die Abendsession.

Ich war erleichtert, dass Highfield gleich zu Beginn gleichzog und war auf einen ähnlichen Kampf wie am Nachmittag vorbereitet. Aber dann zündete Zhao seinen Turbo. Der erste der nächsten vier Frames war noch umkämpft mit dem besseren Ende für Zhao, aber dann sah Highfield nur noch dessen Rücklichter und Zhao stand einen Frame vor dem Matchgewinn. Und hier kamen Highfields Kampfgeist und der Druck der Titelverteidigung so richtig ins Tragen. Ich postete auf Social Media schon das Kommzurück des Jahres herbei und Highfield gewann die nächsten beiden Frames mit einer 101 und einer 53. Aber da war er wieder, der Zhao, in den mein Snookerherz sich damals verliebt hatte: nervenstark und mit großartigem Breakbuilding. Und so war es nur passend, dass er das Match mit einem Century abschloss.

Selbstbewusst trotz Druck

Im anschließenden Interview ließ er uns daran noch einmal teilhaben, wie sehr die Erwartung der Titelverteidigung ihn belastet. Das Crucible wäre unter diesen Umständen eine völlig andere Erfahrung. Er gab zu, seine Nervosität nicht immer im Griff gehabt und einfache Bälle verschossen zu haben. Und dass es nicht so viel Spaß mache, unter diesem Druck zu spielen. Aber so sehr, wie er als Spieler in den letzten Jahren gewachsen ist, wage ich schon fast zu hoffen, dass er diesen berühmten Fluch bricht.

Noch alles offen in den anderen Partien

Barry Hawkins und Matthew Stevens kämpften mit sich und dem Tisch und trennten sich 7–2. Mark Allen liegt momentan nur noch 4–5 gegen Zhang Anda zurück und Antoni Kowalski hat sich bisher mit 3–6 gegen Mark Williams tapfer geschlagen. Heute morgen spielen auch noch Ding Junhui gegen David Gilbert. Hier steht es 1–1.

Unseren Überblick über die WM findet ihr auf unserer Turnierseite. Und hier die Sendezeiten auf Eurosport.

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderqueer), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Sucht für den Roman „Belinda to break“ einen Verlag. Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. https://bsky.app/profile/lulawitzescher.eurosky.social

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