Wem gelingt die Qualifikation für das German Masters 2021?

Lukas Kleckers, Northern Ireland Open 2017
Lukas Kleckers © World Snooker/Tai Chengzhe

Morgen beginnt die fünftägige Qualifikationsrunde für das German Masters 2021. Wir werfen einen Blick voraus: Welche Chancen haben die deutschsprachigen Spieler auf die Qualifikation? Wann spielen die Topstars? Welche Matches sollte man im Auge behalten?

German Masters mit Publikum?

Erst am Sonntag ist das Champion of Champions zu Ende gegangen. Heute gönnt uns WST einen Tag Verschnaufpause, was uns die Gelegenheit gibt, uns auf die am morgigen Dienstag beginnende Qualifikation fürs German Masters vorzufreuen. Noch ist ungewiss, ob das German Masters 2021 wirklich in Deutschland ausgetragen wird und ob im Tempodrom und mit wie vielen Zuschauern. Allerdings besteht die Chance, dass das Hauptturnier für die Tour eine der ersten Gelegenheiten sein wird, Snookerturniere mal wieder außerhalb von Milton Keynes zu spielen. Wir gehen mal optimistisch davon aus, dass das German Masters Ende Januar im Tempodrom stattfinden kann und auch ein paar Zuschauer*innen für authentischen Applaus sorgen.

Eurosport hat abermals die Übertragungsrechte fürs German Masters, sodass auch bei der Qualifikation in jeder Session je zwei Matches in den Bonuskanälen des Eurosport Players zu sehen sein werden. Wie in den Jahren zuvor werden bei der Qualifikation zwei Runden gespielt. Folglich wird das Feld von 128 Spielern auf 32 Spieler reduziert, die im Januar dann in Deutschland spielen dürfen. Je vier Spieler konkurrieren um einen Qualifikationsplatz. Insgesamt werden an den kommenden fünf Tagen 93 Matches gespielt. Ganz schön unübersichtlich. Wir versuchen, einen bestmöglichen Überblick zu geben.

Der Spielplan der Topspieler

Den kompletten Spielplan gibt es übersichtlich bei Snooker.org. Wer sich dafür interessiert, wann die Topspieler spielen, kann einen Blick auf die folgende Tabelle werfen. Auf der linken Seite stehen die Erstrundenbegegnungen der Top 8-Spieler. Auf der rechten Seite steht ihr möglicher Gegner in der 2. Runde, sollten sie ihrer Favoritenrolle gerecht werden und die 1. Runde überstehen. Alle Uhrzeiten sind in mitteleuropäischer Zeit (MEZ) angegeben.

Zeitplan der Top 8 bei der Quali zum German Masters 2021

Die Chancen der deutschsprachigen Spieler auf eine erfolgreiche Qualifikation für das German Masters

Florian Nüßle: Bis die deutschsprachigen Spieler ins Geschehen eingreifen, dauert es aber noch ein wenig. Den Anfang macht der Österreicher Florian Nüßle. Er spielt sein erstes Quali-Match am Mittwochabend 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Abermals bekommt er in dieser Saison eine Wildcard und darf auf der Main Tour zeigen, was er kann.

Nachdem er im September beim European Masters gegen Mark Allen auf dem TV-Tisch spielen durfte, bekommt er es nun mit vermeintlich leichteren Gegnern zu tun. Sein Gegner in der ersten Runde ist Robbie Williams. Als junger Amateur ist Flo zwar krasser Außenseiter für die Qualifikation, aber er sein Scoring ist gut und er kann Frames aus einer Chance gewinnen. Gegen Mark Allen gelang ihm sogar ein Century. Sollte Robbie Williams nicht die Form zeigen, die ihn ins Viertelfinale der English Open gebracht hat, sondern ein paar Fehler machen und Flo diese erfolgreich bestrafen, könnte es vielleicht sogar zu einer Überraschung kommen. Bei einem Sieg würde er in der zweiten Runde auf den Sieger des Duells zwischen Kurt Maflin und Martin O‘Donnell treffen.

Alex Ursenbacher: Am Donnerstagvormittag um 11 Uhr spielt Alexander Ursenbacher sein erstes Match. Im letzten Jahr konnte er sich erstmals fürs German Masters qualifizieren. Es wird allerdings nicht leicht für ihn, das in diesem Jahr wieder zu schaffen. Sein Gegner in der ersten Runde ist der Rookie Pang Junxu. Der Chinese hat in dieser Saison schon das Achtelfinale des European Masters erreicht und auf dem Weg dorthin unter anderem Barry Hawkins geschlagen. Man sollte ihn nicht unterschätzen, aber Alex ist in diesem Match ohne Zweifel als Favorit anzusehen.

Schwieriger könnte die zweite Quali-Runde werden. Dort würde Mark Allen warten, der sich zuletzt beim Champion of Champions in bärenstarker Form präsentierte. Keine leichte Aufgabe, aber auch keine unmögliche. Zuletzt traf Alex vor nahezu exakt einem Jahr bei den Northern Ireland Open auf Mark Allen. Dort konnte er ihn in einem Match auf hohem Niveau mit 4–3 schlagen.

Keine leichten Aufgaben für Kleckers und Lichtenberg

Lukas Kleckers: Zeitgleich zu Alex, um 11 Uhr am Donnerstagvormittag, spielt Lukas Kleckers. Noch ist nicht klar, welche Matches auf den beiden Streaming-Tischen gespielt werden. Meines Erachtens besteht zumindest eine kleine Chance, dass dieses Match im Bonus-Kanal im Eurosport Player zu sehen sein wird.

Mit Zhou Yuelong als Auftaktgegner hat Lukas das härteste Los der deutschsprachigen Spieler für die erste Runde erwischt. Zhou ist die Nummer 23 der Setzliste und hat zuletzt eine starke Form an den Tag gelegt, indem er sowohl bei den English Open als auch bei der Championship League die Runde der letzten 8 erreichte.

Sollte Lukas dieses Match überstehen, wird es in der zweiten Runde etwas leichter. Dort träfe er auf den Sieger der Partie zwischen Peter Devlin und Iulian Boiko. Beide sind in ihrer ersten Saison auf der Main Tour. Peter Devlin hat in der noch jungen Saison schon u.a. durch einen nervenstarken Sieg über Mark Williams überzeugt. Folglich sollte man beide nicht unterschätzen. Verglichen mit Alex und Simon hat Lukas aber noch eine recht glimpfliche Route zur Qualifikation erwischt.

Simon Lichtenberg: Am Donnerstagnachmittag geht es dann direkt weiter mit deutscher Beteiligung. Als letzter deutschsprachiger Spieler bestreitet Simon Lichtenberg um 15:30 Uhr sein Erstrundenmatch. Bis jetzt hat Simon in jedem der drei Turniere der Saison je einen Sieg eingefahren: gegen Jamie Wilson, Martin Gould und Anthony Hamilton. Die Chancen stehten gut für einen weiteren Erstrundensieg. Denn mit Amine Amiri wartet ein vergleichsweise leichter Erstrundengegner auf ihn.

Dennoch wird es alles andere als leicht für Simon, sich für die Endrunde zu qualifizieren. In der zweiten Runde würde er auf Fergal O‘Brien oder, deutlich wahrscheinlicher, auf Mark Selby treffen. Gegen Mark Selby verliert man bekanntermaßen auch dann oft, wenn dieser nicht seinen besten Tag erwischt. Um die Hoffnung nicht direkt im Keim zu ersticken, sei daran erinnert, dass Mark Selby in der letzten Saison kurz nach seinem Sieg bei den Scottish Open die Qualifikation zum German Masters verpasste.

Drücken wir allen Vieren die Daumen, dass sie in dieser Woche ihre besten Leistungen zeigen können, sodass sie ihre Chancen, sollten sich welche ergeben, dann auch nutzen können.

Weitere empfehlenswerte Matches der ersten Runde

Kacper Filipiak, Graeme Dott und Jimmy White stehen bereits kampflos in der 2. Runde, da ihre Gegner in der ersten Runde (Riley Parsons, Fraser Patrick und Mark King) nicht antreten. Dennoch bleiben immer noch ganze 61 Matches in der ersten Runde. Im Folgenden stelle ich euch ein paar vor, die ich im Auge behalten würde.

Dienstag:

Steven Hallworth – Chang Bingyu (11 Uhr): Zwei unbekanntere Namen, die aber beide schon gute Ergebnisse und vor allem gutes Spiel zu Saisonbeginn zeigten. Underdogs, die man im Auge behalten sollte. Wer mehr über Steven Hallworth erfahren möchte, dem sei Lulas Portrait ans Herz gelegt.

Barry Pinches – Alan McManus (11 Uhr): Bei den Ruhr Open 2015 stellten sie den Rekord für den längsten Profi-Frame auf. Inzwischen besteht er nicht mehr, aber vielleicht versuchen sie, ihn sich von Gilbert und O‘Brien zurückzuholen.

Ding Junhui – Martin Gould (15:30 Uhr): Hochklassigste Paarung der ersten Runde, könnte bereits ein absolutes Topspiel werden, da Gould zu alter Form zurückgekehrt ist.

Barry Hawkins – Hossein Vafaei (20 Uhr): Vafaei war jüngst stark bei den English Open und auch bei Hawkins zeigt die Formkurve steil nach oben. Die beiden werden sich nichts schenken.

Mittwoch:

Liang Wenbo – Ken Doherty (15:30 Uhr): Nur knapp verpasste Doherty den Einzug ins Finale der Championship League und nun will er seine besten Zeiten neu aufleben lassen. Aber ein Liang in Topform ist ähnlich schwer zu schlagen wie ein Higgins.

Michael Holt – Brian Ochoiski (15:30 Uhr): Ochoiski hat als Amateur diese Saison bereits Higgins, Lisowski und O‘Sullivan gute Matches geliefert. Gelingt ihm gegen Holt ein überraschender Sieg? Ein kontinentaleuropäisches Talent, das man im Auge behalten sollte.

Kurt Maflin – Martin O‘Donnell (20 Uhr): Hier prallen zwei Spielstile aufeinander. In Topform zeigt Maflin nahezu unbezwingbares Offensivsnooker, O‘Donnell hingegen ist stark in taktischen Frames. Wer schafft es mit seinem Stil das Match zu prägen?

Donnerstag:

Peter Devlin – Iulian Boiko (11 Uhr): Iulian Boiko ist mit 15 der jüngste Spieler, der jemals Profi wurde, und ein vielversprechendes Talent. Er trifft auf Peter Devlin, der ebenfalls in seiner ersten Profisaison ist und beim European Masters schon das Achtelfinale erreichen könnte. Hier spielt die Zukunft.

Luca Brecel – James Cahill (20 Uhr): Beide nach einer enttäuschenden letzten Saison schon mit guten Leistungen in dieser Saison. Noch fehlt ihnen aber ein wirklich überzeugendes Ergebnis.

Oliver Lines – Noppon Saengkham (20 Uhr): Bei den anderen 9 Matches habe ich keine Ahnung, ob sie wirklich gut sein werden. Lines und Saengkham haben diese Saison schon zweimal gegeneinander gespielt und die Matches waren nicht spannend, aber auf guten Niveau. Folglich die einzige belastbare Empfehlung die ich geben kann.

Freuen wir uns auf fünf Tage unterhaltsames Snooker! Hoffentlich sehen wir die 32 Qualifikanten dann im Januar beim German Masters 2021 im Tempodrom.

AutorIn: Målin

Målin mag Zahlen und Tabellen. Wenn sie gerade kein Snooker guckt, wirft sie wahrscheinlich einen Blick auf die Provisional Rankings. Ist durch Langeweile zum Snooker gekommen und weil sie schon in jungem Alter einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer hatte. Neben Artikeln kümmert sich Målin bei SnookerPRO um die Spieler*innenprofile. Twitter: @esel_freund

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