Wir haben ein Auge auf… Lukas Kleckers

Kleckers, Lukas, Lisbon Open 2014
Lukas Kleckers, Lisbon Open 2014 © Monique Limbos

Lukas Kleckers gilt momentan als der deutsche Spieler, dem der Sprung auf die Main-Tour zuzutrauen ist. Der 1996 in Essen Geborene wurde 2013 jüngster Deutscher Meister aller Zeiten. Er verzeichnet ein höchstes Break von 135 im Training und 128 im Turnier. 2014 machte er sein Abitur und arbeitet seitdem mit voller Kraft an seinem Lebenstraum als Snookerprofi.

Bei den diesjährigen German Masters treffe ich einen äußerst offenen Menschen, den ich erst von seiner ehrenamtlichen Tätigkeit des Flyerverteilens für den Sport loseisen muss, um mit ihm zu sprechen.

Lula Witzescher: Was war dein bisher bester Auftritt als Snookerspieler?
Luka Kleckers: Da gibt es mehrere Sachen. Eins der besten Erlebnisse war gegen Ronnie im letzten Jahr in Koblenz. Ich war ziemlich nervös, immerhin haben wir vor knapp 1000 Leuten gespielt. Und dann gegen jemanden wie Ronnie, der in meinem Augen einfach am besten spielt. Aber es hat super Spaß gemacht. Das war bisher das absolutes Highlight. Von den Turnieren her war die U21-WM in Dubai das Beste, da bin ich 5. geworden. Ich habe teilweise richtig gut gespielt und das Feld war echt nicht schlecht.
Und noch gar nicht so lange her: Das PTC in Lissabon im Dezember 2014, da habe ich gegen John Higgins gespielt, nachdem ich in der ersten Runde Adam Duffy geschlagen hatte. Es war ungewohnt vor so vielen Leuten, am Anfang war ich auch hier sehr nervös, aber es hat Spaß gemacht.

LW: Was sind deine Stärken und Schwächen?
LK: Meine Stärke ist mein Lochspiel. Wenn ich gut drauf bin, ist es weit besser als mein Positionsspiel. Und ich kann mich gut ins Match beißen. Schwächen? Auf alle Fälle Konstanz. Ich weiß zwar, wie ich spielen kann, aber es ist schwierig, das häufig abzurufen. Und an meiner Kondition muss ich noch arbeiten. Die Turniere, die ich spiele, gehen schon mal von morgens um 10 bis nachts um 12. Es fällt mir dann immer schwerer, mich zu konzentrieren, weil der Energiehaushalt irgendwann runter geht und ich bin nicht mehr so frisch.

Kleckers-Lukas-Lisbon-Open-2014

© Monique Limbos

LW: Wessen Fähigkeiten hättest du gerne? Wer ist dein Vorbild?
LK: Mark Selby, der hat es immer drauf, wenn er’s benötigt, sich voll zu konzentrieren, voll da zu sein. Da möchte ich auch hinkommen. Ich hätte gerne Ronnies Ballgefühl, das hat halt kaum ein anderer, dazu die Nervenstärke von Selby und Higgins oder wie früher Hendry. Und bei der Safety: auch Selby und Higgins.

LW: Wie wird es deiner Meinung nach mit der Entwicklung von Snooker in Deutschland weitergehen?
LK: Snooker entwickelt sich in Deutschland langsam und stetig, es gucken nicht plötzlich eine Million mehr Leute Snooker. Ich weiß nicht, ob es mal so einen Boom wie im Tennis geben wird. Und es ist schwierig einzuschätzen, ob es dafür einen deutschen Profi geben muss, das muss sich zeigen.

LW: Warum gibt es deiner Meinung nach auf der Main Tour so wenige Frauen?
LK: Ich würde nicht grundsätzlich sagen, dass Frauen schlechter spielen, ich denke, sie haben dieselben Fähigkeiten. Warum es noch keine Frau auf die Tour geschafft hat, kann ich nicht sagen. Es ist wahrscheinlich wie im Fußball oder im Tennis, dass die Männer einfach dominieren. Ich kenne Frauen, die gut spielen, die deutsche Meisterin zum Beispiel, aber das sind halt sehr wenige. Vielleicht liegt es an der Masse, es gibt ja schon wenige Snookerspieler, aber Spielerinnen gibt es noch so viel weniger, dass da eine gute hervorsticht, ist natürlich noch unwahrscheinlicher. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Frauen sich ungern anmelden, weil es kaum Frauen im Verein gibt. Da machen wenige den Anfang. Wenn mehr Frauen spielen würden, würden auch automatisch welche dazu kommen.

LW: Ist deine Situation nicht ein bisschen ähnlich? Fehlende Rollenvorbilder hierzulande, dadurch fehlende Unterstützung, Strukturen, Konkurenz?
LK: Mit Sicherheit ist die Situation ähnlich. Das sind genau die Dinge, die mir hier fehlen.

LW: Hast du das Maximum von Trump hier im Tempodrom gesehen?
LK: Ja, zum Glück! Ich war zwar schon mehrmals bei Turnieren dabei, bei denen ein Maximum gespielt wurde, aber da habe ich es nie live gesehen. Hier hab ich es endlich miterlebt: Bei 96 Punkten dachte ich, warum hat er schon so viele Punkte, wenn noch so viel möglich ist? Da musste ich aber erstmal nachrechnen.

LW: Weißt du, ob es etwas gibt, das deine Fans sich von dir wünschen?
LK: Das ist jetzt vielleicht ein bisschen hoch gegriffen, aber ich glaube, sie wünschen sich einen deutschen Weltmeister. Das wird aber ganz, ganz schwer. Sofort erfüllbare Wünsche? Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, aber ich wäre bereit, für meine Fans da zu sein, wenn jemand mal einen Frame mit mir spielen oder einen Kaffee mit mir trinken möchte. Ich habe ja keinen Terminplan wie Ronnie. Lacht

Crowdfunding für die Karriere

Lukas ist in Berlin auch in eigener Sache unterwegs: Im letzten Jahr hat er durch eine private Kampagne Aufenthalte in England für die Vorbereitung auf die Amateur-WM in Indien, die EM Junioren auf Malta und die diesjährige Q-School finanziert.

Jetzt geht er den nächsten Schritt. Mit der Unterstützung von Eurosport startet er eine Crowdfundingkampagne mit dem konkreten Ziel, sich 2016 für die Main Tour zu qualifizieren. Insgesamt 21.000 € benötigt er für Trainingsaufenthalte an der Star Snooker Acadamy in Sheffield und in verschiedenen Clubs in England sowie für Turniergebühren und weitere Kosten. Er möchte sich damit seinen Wunsch erfüllen, die Option einer Karriere als Snookerprofi ernsthaft zu prüfen.

Neben dem Sportsender sind seine Eltern dabei die größte Unterstützung. Sie lassen ihm die Zeit, die er braucht und setzten ihn nicht unter Druck. Auch Lukas selber ist der Meinung, dass er sich diese Zeit gönnen sollte. Ihm ist klar, dass er richtig gut von dem Job nur leben kann, wenn er mindestens unter den Top 32 ist und er weiß, dass der Weg dahin sehr lang ist. Und er weiß auch, dass es vielleicht nicht gelingt. Wenn er sich innerhalb der nächsten Jahre auf der Tour nicht etablieren sollte, dann plant er ein Ingenieurstudium.

„Ich will mir nicht zu viel Druck machen, dass ich Profi werden muss und alles andere nichts für mich ist. Ich weiß genau, mit 50 kann man nur sehr, sehr schwer in den Top 32 sein, da muss man schon schauen, dass man auch mal was anderes gemacht hat. Ein Stephen Hendry als siebenfacher Weltmeister muss sich diese Gedanken vielleicht nicht machen, aber nur die allerwenigsten können sich nur auf Snooker verlassen. Aber auch wenn ich ein Studium beginne, würde ich den Plan Snookerprofi nicht komplett aufgeben. Ich hätte dann vielleicht nicht mehr die Zeit so viel zu trainieren, aber im Studentenleben gibt es sicher auch Phasen, wo man sich auf ein Turnier vorbereiten könnte.“

Meine letzte Frage an Lukas lautet:

LW: Möchtest du mal etwas sagen, was du nie gefragt wird?
Lukas: Vielleicht eins: Es gibt extrem viele Snookerfans in Deutschland, das merkt man ja an den Einschaltquoten, aber es ist schwer, die Leute zu den Tischen zu bewegen. Nach wie vor gibt es nur 4.000 Aktive in Deutschland. Ich gebe zu: Das Schwierigste ist, den Anfang zu überwinden, bis die ersten Erfolgserlebnisse kommen. Das ist harte Arbeit, man muss sich an den Tisch stellen und viel trainieren. Bei Ronnie sieht es immer so einfach aus… Aber wenn man einmal richtig gespielt hat, wenn man richtig dabei ist, dann hören die Wenigsten wieder auf.

Diese Antwort nehmen wir jetzt mal als Ermutigung an alle Fans.

Bei den laufenden Gdynia Open 2015 hat Lukas in den ersten zwei Qualifizierungsrunden ein walkover und stieg erst in Quali-Runde drei ins Turnier ein. Sein erstes Spiel gegen Andres Petrov hat er mit 4:3 gewonnen. Freitag um 11 Uhr spielt er in der ersten Hauptrunde gegen…Mark Davis! Die Dark-Mavis-Lady ist dabei ausnahmsweise mal ganz neutrale Beobachterin.


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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