Darf ich vorstellen? Diana Schuler

Schuler, Diana PHC 2014
Diana Schuler bei den Paul Hunter Classics 2014 © Monique Limbos

Ursprünglich spielte Diana Schuler Poolbillard. Sie träumte davon, Profispielerin zu werden, doch irgendwann sah sie ein, dass sie niemals davon würde leben können. Nach einer mehrjährigen Spielpause nahm sie 2010 ihr Queue wieder in die Hand und ist seitdem beim Snooker aktiv.

Am Ladies Day im Crucible Theater war Diana vor Ort und versorgte uns freundlicherweise mit Informationen und Fotos von dieser Veranstaltung und von der Frauen-WM. Als sie bemerkte, dass sich dieses Jahr während der WM aus Personalmangel niemand um die Vermarktung kümmert, sprang sie ein.

Die Präsentation des Sports durch den Verband (unter anderem durch den Internetauftritt) ließ in der Vergangenheit Einiges zu wünschen übrig und hat weder ausreichend interessierte Spielerinnen noch Sponsor_innen angezogen. Vor kurzem ist Diana Marketing Officer der WLSBA geworden und hat sich die bessere Vermarktung des Frauensnooker zur Aufgabe gemacht. Als erstes wird sie eine neue Website erstellen und das Marketing professionalisieren. Sie möchte dabei mit einigen ungewöhnlichen Ideen neue Akzente setzen. Genaueres verrät sie aber (noch) nicht.

Sie ist der Ansicht, dass unbedingt mehr Frauen den Weg zu den Tischen finden müssen, denn Masse erzeugt Klasse. „Um deren Interesse zu wecken, wären Frauen auf der Maintour ein gutes Mittel. Aber auch das Marketing muss stimmen und wir benötigen mehr Turniere, die nicht nur die Topspielerinnen anlocken, sondern die breite Masse. Denn wer einmal dem Turnierbann erliegt, kommt erfahrungsgemäß nicht mehr davon los.“

Wir haben die Gelegenheit genutzt, Diana auch ein paar persönliche Fragen zu stellen.

Lula Witzescher: Was sind deine Stärken, was deine Schwächen?

Diana Schuler: Ich würde auf jeden Fall meinen Kampfgeist als Stärke bezeichnen, denn ich gebe nicht auf, bevor es wirklich vorbei ist.

Meine Schwächen sind meine Cue-Action und Cueball-Kontrolle

LW: Wie viel Zeit investierst du pro Woche ins Spiel?

DS: Bevor ich letzten Dezember nach England gezogen bin konnte ich leider nur ca. 1-2mal pro Monat trainieren. Seit ich hier lebe stehe ich ca. 15 Stunden pro Woche am Tisch und arbeite hart an meiner Cueaction. Leider musste ich erstmal einen Schritt zurück gehen, um hoffentlich bald zwei Schritte vorwärts zu kommen hinsichtlich Potting und Cueball-Kontrolle.

LW: Wie hast du die WM erlebt?

DS: Die WM war mal wieder ein großartiges Erlebnis. Es gab eine Menge Wettbewerbe, so dass sich auch eine weite Anreise lohnt.

Ein besonderes Highlight ist immer das Mixed Doubles Turnier, bei dem Mann und Frau ein Doppel bilden. Wie jedes Jahr waren auch diesmal wieder einige Pros am Start: Michael Holt, Oliver und Peter Lines, David Grace, Nigel Bond, Hammad Miah… Spielerisch konnte ich leider nicht meine Bestleistung abrufen, da ich erstmalig organisatorisch in das Event involviert war und zeitweise gedanklich beim Spielen doch etwas abgelenkt war. Letztendlich habe ich noch das Halbfinale der Plate erreicht, wo ich mich mit 2:1 Jasmin Bolsover geschlagen geben musste. Die 15-jährige hat nicht nur die Plate gewonnen sondern auch die U21’s WM sowie die Pairs WM zusammen mit Reanne Evans.

Abgesehen vom eigentlichen Wettbewerb ist es immer wunderbar, Frauen aus aller Herren Länder zu treffen, die dasselbe Hobby teilen.

© Monique Limbos

© Monique Limbos

LW: Wie (un)zufrieden bist du als Snookerspielerin?

DS: Hahaha – diese Frage bringt mich zum giggeln. Vor kurzem habe ich mich auf Facebook mit anderen darüber ausgetauscht, wie das Verhältnis von Frust/Spaß am Snookertisch aussieht. Mir ist aufgefallen, dass es deutlich mehr Frust- als Freudenmomente gibt. Allerdings sind die Momente der Freude so wunderbar, dass man dafür die Schattenseiten in Kauf nimmt.

Jede_r Spieler_in kennt die Tage, an denen man sich am Tisch wie Super(wo)man und unbesiegbar fühlt. Und am nächsten Tag wird aus Super(wo)man ein Donald Duck und es will einfach nichts klappen. Aber im Großen und Ganzen bin ich wohl eher zufrieden, denn sonst würde ich mir den Stress und die Frustmomente wohl nicht freiwillig antun.

Das eigentliche Ziel ist aber, den Flow-Zustand zu erreichen. Dieser natürliche Rauschzustand ist das allerschönste Gefühl der Welt. Man fühlt sich eins mit den Kugeln und dem Queue und es ist alles so leicht und selbstverständlich.

LW: Wofür schlägt dein Herz, was ist dir (im Leben) wirklich wichtig?

DS: Abgesehen davon, dass mein Herz für Snooker schlägt und mir die üblichen Dinge (Familie, Gesundheit) wichtig sind, ist mir Gleichberechtigung und Fairness sehr wichtig. Kein Mensch kann sich aussuchen, wie/wo/wann/als was er geboren wurde. Deshalb engagiere ich mich, soweit es mir möglich ist, gegen Rassismus und Homophobie und für Gender Equality.

Schuler Ladies Day2015

Beim diesjährigen Ladies Day im Crucible Theatre. Foto: © Diana Schuler/WLBSA


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher