Die Enttäuschung überwiegt – Lukas Kleckers blickt zurück

Lukas Kleckers, Lisbon Open 2014
Lukas Kleckers © Monique Limbos

Das Spiel gegen Noppon Saengkham (71. der Weltrangliste) war das erste WM-Qualifikationsspiel seines Lebens. Nicht nur die Augen der deutschen Fangemeinde waren auf seinen Tisch gerichtet, auch Matt von Pro Snooker Blog verfolgte das Spiel und versorgte uns in so gut es ging mit Informationen. Wir sahen in der ersten Session ein tolles Spiel inklusive 73er Break von Lukas und ein 5:4 zur Pause. Doch am Ende verlor er 6:10 und ist darüber sehr enttäuscht.

Lula: Wir haben das Spiel ja nägelkauend vor dem Punkteticker verfolgt. Wir wissen also um Vorsprünge und Rückstände, Höhe der Breaks, um knapp verlorene Frames, also um alles, was man aus den bloßen Zahlen ablesen kann. Was uns jetzt noch dringend fehlt, sind Blut, Schweiß und Tränen…sind deine ganz persönlichen Gedanken, wie du das Spiel erlebt hast. Was feierst du nach diesem Spiel? Was bedauerst du?

Lukas: An sich gibt es für mich nichts großartig zu feiern. Ich bin natürlich sehr glücklich und froh darüber, dass ich hier mitspielen durfte. Hätte ich keine Chancen gehabt und mein Gegner wäre viel besser gewesen hätte ich auch kein Problem damit gehabt, zu verlieren. Angesichts der 6:4 Führung ist diese Niederlage jedoch nicht soooo leicht hinzunehmen. Sehr gut habe ich am Ende der ersten Session gespielt. Hier hatte ich kaum einen Ball verschossen.

Nach dem zwölften Frame kamen im Netz hauptsächlich besorgte Kommentare, dieser hier ist beispielhaft: „…haste Lukas grad gelesen? Um 1 Punkt auf schwarz den Frame verloren. Hoffentlich zerschlägt ihn das nicht!!!“ Andere riefen „Wendepunkt!“ Ich habe noch versucht, positiv dagegenzuhalten, habe alle aufgefordert, das Unken sein zu lassen, doch Lukas bestätigt die Wendepunkttheorie.

Lukas: Wendepunkt war leider – wie du sicherlich auch mitbekommen hast – der Frame zum 6:6. Ich verschoss bei 42 Punkten Führung die vorletzte Rote, er räumte ab und ab dann lief es nicht mehr sonderlich gut bei mir. Ich konnte leider nicht mehr an die erste Session anknüpfen und so gewinnt er 6 Frames in Folge.

Lula: Ist der Frameball etwas, wo du besondere Aufmerksamkeit drauf hast? (Oft endeten deine Breaks kurz davor oder danach. Mich würde interessieren, ob das an den jeweiligen Stellungen lag oder daran, dass es der Frameball war.)

Lukas: Normalerweise habe ich keine besonders großen Probleme mit dem Frameball oder kurz davor bzw. danach, aber ich gebe dir absolut recht. Hier sind mir häufiger Fehler unterlaufen als sonst.

Lula: Wie geht es jetzt weiter? Was sind deine konkreten Pläne/Möglichkeiten, um wie geplant auf die Tour zu kommen?

Lukas: Nächstes Turnier wird die QSchool sein. Die intensive Vorbereitung wird schon bald beginnen. Wenn es dort nicht klappt, gibt es noch die EM der Amateure in Prag Anfang Juni und die U21 WM in Bukarest im Juli.

Lula: Was hast du noch erlebt in Sheffield?

Lukas: In der Academy (und in der WG mit den Thailändern und anderen Profis) war sehr viel los. Besonders gut war der Iraner Hossein Vafei Ayouri. Er hatte so viele Centuries wie kein anderer gespielt. An einem Tag waren es fünf hintereinander. In der Zukunft wird man ihn sicherlich häufiger sehen. Morgen heißt es nochmal Daumen drücken für Igor, den ich schon seit ein paar Jahren kenne. Er hat schließlich für kurze Zeit in Deutschland gelebt.


Nun geht für Lukas also der lange, steinige Weg auf die Tour weiter. Es wäre absolut wünschenswert, wenn er in der QSchool gut abschneidet. Am Besten wäre natürlich das Erreichen des Halbfinales in einem der beiden Events, dann hätte er seine Tourkarte sofort sicher. Aber auch eine gute Platzierung ist wichtig: Je höher er in der Top-Up-Liste der QSchool steht, desto größer sind seine Chancen, an Turnieren teilzunehmen und weiter an seiner Spielhärte zu arbeiten. Parallel dazu wird er das Training an der Snooker Academy in Sheffield fortsetzen. Doch das alles kostet. Und deshalb läuft immer noch seine Crowdfundingkampagne, die das dafür nötige Geld einbringen könnte. Hier geht es nicht um „Gefällt mir“-Klicks, hier geht es darum, Geld zur Verfügung zu stellen – und dafür eine der Belohnungen zu bekommen. Vielleicht erkauft sich ja jemand eine Snookerpartie mit Lukas?


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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