Tour Survival: Mark Davis schafft 1. Etappe, O’Sullivan raus

Tour Survival: Mann mittleren Alters (Mark Davis) am Snookertisch beim Stoß. Er hat kurze, mittelblonde Haare, trägt ein weißes Hemd, darüber eine Weste mit rosa-glänzendem Rückenteil.
Mark Davis kann sich wieder Hoffnungen machen. Und ich auch. © World Snooker/Tai Chengzhe

Die zweite Runde der Qualifikation für die WM steht unter dem Motto ‚Tour Survival‘. Hier treffen die Spieler aufeinander, die auf den Abstiegs-Plätzen stehen oder gefährdet sind, dort hinzurutschen. Unter anderem schaffte Mark Davis seinen ersten Schritt zur Rettung der Tourkarte.

Für mich war gestern der emotional anstrengendste Tag der zweiten Quali-Runde. Und ich sag’s gleich vorweg: Ich habe sicher nicht die unterhaltsamsten Matches gesehen. In dem einem spielte Mark Davis gegen Michael Georgiou um das Überleben auf der Tour. In dem anderen spielten zwei andere Lieblings-Spieler gegeneinander: David Grace, der so seine On-Off-Phasen auf der Tour hat, gegen Sean O’Sullivan, der sich im ersten Jahr seiner Zwei-Jahres-Karte befindet. Und dann spielte auch noch Lukas Kleckers seine erste Session. Er liegt gegen Ashley Hugill mit 3–5 zurück. Die Entscheidung in diesem Match fällt heute ab 15:30 Uhr.

Mark Davis einen Schritt näher dran am Tour Survival

Shoot-Out-Gewinner Michael Georgiou legte in der Partie mit einer 91 los und bis zum 4–4 ging es munter hin und her, ohne dass einer von beiden die Oberhand gewinnen konnte. Davis sicherte sich die 5–4-Führung zum Ende der Session und knüpfte am Abend daran an. Beim 8–4 dachte ich schon langsam daran, mich beruhigt zurücklehnen zu können. Doch irgendwie schafften die beiden es, das Spiel noch bis zum 9–8 hinauszudödeln, bevor Mark Davis in einem nervenaufreibenden 19. Frame über die Ziellinie robbte.

Sie haben sich beide nicht mit Ruhm bekleckert, auch wenn sie einige höhere Breaks gespielt haben. Es blieben Bälle draußen, die sogar ich gelocht hätte (natürlich nicht wirklich, aber ihr wisst, was ich meine). Ich muss gestehen, dass ich mich währenddessen doch manchmal gefragt habe, warum ich ausgerechnet Mark-Davis-Fan bin. Aber jetzt freue ich mich natürlich doch und gucke erwartungsvoll dem nächsten Match (gegen Lü Haotian) entgegen. Davis ist jetzt mit dem 67. Platz in Reichweite der rettenden Ränge und ist auch in der Ein-Jahres-Liste vom 22. auf den 7. Platz geklettert. Ich würde es ihm wirklich wünschen, dass er den Tour-Erhalt schafft, wenn er es sich selber denn auch wünscht.

Tour Survival light bei Grace-O’Sullivan

Wer meine Beiträge im Blog schon länger verfolgt, weiß, dass mein Interview mit Sean O’Sullivan damals die Serie „Wir haben ein Auge auf …“ eingeläutet hat. Ich habe ihn in seiner ersten Profi-Saison beobachtet, wie er frohen Mutes Großes bewerkstelligte. Dann verlor er seine Tourkarte, qualifizierte sich erneut, verlor die Karte wieder. Es war nicht einfach, mit anzusehen, wie er immer mehr Selbstbewusstsein verlor. Für mich ist er einer der jungen Spieler, die drohen, an dem Tour-System kaputt zu gehen. Nicht nur wegen des Drucks, sondern auch wegen der Isolation, in die sie dort rutschen können, wenn sie kein tragendes Umfeld haben.

O’Sullivan hatte sich in der ersten Runde im Decider gegen Liam Graham durchgesetzt. Das war das sechste Match, das er in dieser Saison gewonnen hat – und da ist die 6-Reds-WM schon mitgezählt. Ein Sieg gegen den besser platzierten Grace wäre eine gute Stärkung seines Selbstbewusstsein. Grace hatte vor der Partie seine Tourkarte über eine gute Platzierung in der Ein-Jahres-Rangliste „sicher“ – wenn wir davon absehen, dass sich das während der Quali alles noch verschiebt.

O’Sullivan mit absolut seltenem Break

Auch in diesem Match lagen Genie & Grauen dicht beieinander. Sean stürmte in eine 3–0-Führung. Dabei hatte er im dritten Frame einen erfolgversprechenden Maximumversuch. Unglücklicherweise fielen aber nach der zehnten Schwarzen zwei Rote. Er räumte den Tisch anschließend souverän ab und hat damit etwas ganz Besonderes geschafft: Eine 15-Red-14-Black-140er-Total Clearance.

So ein Break ist extrem selten. Aber es gab’s schon mal von einem Spieler, der nicht mehr auf der Tour ist. O’Sullivan teilt sich damit mit Barry Pinches das bisher höchste Break des Turniers.

Nach diesem schönen Break gelang ihm dann erstmal nicht mehr so viel Zählbares. Grace gewann die nächsten sechs Frames zum 6–3. Danach murkelten sie sich so durch bis zum 9–8. Im letzten Frame ging Grace in Führung, O’Sullivan brauchte schon mehrere Snooker. Auch wenn er Grace noch zu einem Foul zwingen konnte, reichte es am Ende nicht. Grace trifft in Runde drei auf Sam Craigie.

Grace springt damit auf Platz 57 der Rangliste und hat damit seine Tourkarte gesichert. Sein Platz in der Ein-Jahres-Rangliste ist jetzt für Xu Si freigeworden, der damit vorerst gerettet ist. Allerdings sind da noch Oliver Lines, Hammad Miah und einige andere, die ihm das gerne verhageln würden, um sich selbst zu retten. Das Tour Survival könnt ihr in diesem Blog live verfolgen.

An den anderen Tischen

Fan-Liebling Matthew Stevens gewann 10–8 gegen Fan-Liebling Dechawat Poomjaeng. Eine etwas langatmige Angelegenheit war Fraser Patrick gegen Barry Pinches. Hier führt Pinches mit 9–6 und wenn Patrick sein kleines Kommzurück fortsetzt, wird das erst in den Morgenstunden zu Ende sein.

Alle Spielansetzungen und Ergebnisse findet ihr wie immer auf unserer Turnierseite.

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderqueer), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Sucht für den Roman „Belinda to break“ einen Verlag. Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. www.twitter.com/lulawitzescher

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