Das hier ist ja immer die Zeit, wo ich neben der gemütlich dahinplätschernden Championship League bei den Schlag auf Schlag gespielten Qualifikationen komplett den Überblick verliere und mich jedes Jahr wieder darüber beschwere.
Jak Jones holt sich seinen ersten Titel
Aber erstmal zu den wichtigen Dingen. Die Championship League hatte dieses Jahr mit Jak Jones einen Debüt-Gewinner. Er gewann das Finale gegen David Gilbert im Entscheidungsframe. Für die dritte Phase hatten sich auch Noppon Saengkham, Elliot Slessor, Lei Peifan, Zhang Anda, Hossein Vafaei und Dylan Emery qualifiziert. Letzterer ist durch sein gutes Abschneiden hier und in den Qualifikationen schon aus den 70er Rängen auf Platz 61 gehüpft.
Maximale Zwischenzeit
Nach Michael Holts ersten Maximumbreak haben die Aktiven in Sachen 147er-Rekord schon ordentlich nachgelegt. Si Jiahui gelang ein perfektes Break während der Championship League und Chang Bingyu spielte eins während der Qualifikation zu den Shenzhen Open – insgesamt sein drittes innerhalb eines Jahres. Gestern legte dann Liam Highfield bei der Quali zu den British Open die Nummer vier der Saison hin. Es könnte gut angehen, dass wir den Rekord der letzten Saison mit 25 noch toppen.
Marathon der Qualifikationen
Jetzt aber zu dem lästigen Thema. China Open, Wuhan Open, Shenzhen Open, British Open, English Open – da kannst du schon mal ins Schleudern kommen. Es ist sicher nicht einfach, den Saisonkalender zusammenzustellen. Aber das hier ist sicher auch nicht die beste Lösung. Seit Wochen wird schon Snooker in der neuen Saison gespielt und wir haben noch nicht einen der Top-Leute gesehen. Ok, Zhao Xintong hatte in der Championship League einen Kurzauftritt, aber das war’s auch schon. Ach ja, und Kyren Wilson. Der musste leider nach einem erfolgreichen Match das Turnier verlassen, weil irgendein fieser Mensch seine Wohnung ausgeraubt hat. Allerdings muss er nach einer schwachen letzten Saison noch beweisen, dass er noch zu den Top-Leuten gehört. Denn er droht – nach dem Wegfall der Preisgelder aus der vorigen Saison – auf den 22. Ranglistenplatz abzurutschen.
Im publikumsbefreiten Dunkel- und Wärmeraum von Leicester kämpfen also Krethi und Plethi um Weltranglistenpunkte und um den Einzug in die Runden, die dann endlich dort stattfinden, wo sie sollten. Und wo vielleicht auch der ein oder andere Mensch zugugckt. Es ist schon ein bisschen rätselhaft, warum kein Publikum zugelassen ist. Interesse gibt es genug.
Verwirrung auf allen Seiten
Es haben übrigens nicht nur wir Probleme mit der Orientierung. Auch manche Spieler wissen gar nicht mehr, wofür sie gerade antreten. „Du tauchst einfach auf und spieltst. Wenn du gewinnst ist alles okay, aber das Ganze ist ziemlich heftig. Manchmal wünschst du dir ein bisschen mehr Zeit dazwischen“, sagt Steven Hallworth. Er hat immerhin noch bei einigen Turnieren sein Eisen im Feuer. Das ist auch dringend nötig, wenn er die rettenden Top 64 erreichen will.
Ein anderer Spieler zeigte sich zwar etwas besser orientiert, war aber trotzdem nicht allzu begeistert. „Es sieht so aus, als hätten die Top-Spieler ihren Wunsch nach weniger Leuten beim Turnier vor Ort erfüllt bekommen. Ich würde mir schon etwas mehr Abwechslung wünschen. Aber es ist, wie es ist und da müssen wir durch. Du musst einfach versuchen zu gewinnen, damit nicht deine ganze Saison in Leicester stattfindet. Für manche Unglücklichen unter uns wird das aber leider so sein.“
Dass manche Aktiven nicht genau wussten, was gerade Sache ist, zeigte sich auch an den verschiedenen Outfits. Während eine Person verpasste, dass gerade eine lockere Kleiderordnung galt und trotzdem in Weste und Fliege spielte, stand das Gegenüber einfach im Hemd da. Das zog sich so durch die letzte Woche. Wenn WST durch die verschiedenen Kleiderordnungen den Turnieren einen unterschiedlichen Charakter verleihen wollte, dann ist das in die buchstäbliche Hose gegangen.
English Open vorerst die letzte Qualifikation
Mit den beiden Tagen English Open heute und morgen geht die Reihe der Qualifikationen erstmal zu Ende. Gerade ist es Flo Nüßle gelungen, sich gegen Liu Yang einen Platz in der zweiten Qualifikationsrunde zu sichern. Dort wartet morgen Noppon Saengkham. Leider haben sowohl Ng On Yee wie auch Panchaya Channoi ihre Spiele trotz guter Chancen verloren. On Yee konnte aus ihrer 2–0-Führung gegen Jamie Clarke gar nichts machen. Und Mind Panchaya gab gegen Ross Muir im letzten Frame noch die Führung aus der Hand, geriet durch Fouls wieder ins Hintertreffen und erkämpfte sich doch noch eine neu aufgesetzte Schwarze. Die sie dann aber nicht versenken konnte.
Glücklicherweise wird hier ganz ordentlich Runde eins heute und Runde zwei morgen gespielt. Und alles ohne irgendwelche Heldover-Matches. Bei den Shenzhen Open haben nämlich einige schon ihre Erstrundenpartie gespielt. Während andere noch nicht mal die letzte Qualirunde absolviert haben. Warum gibt es überhaupt drei Qualifikationsrunden und die erste Runde während der Qualifikation? Ist es zu viel verlangt, wenigstens die Hauptrunden vor Ort sehen zu wollen? Da haben wir dann vor Ort ein Kraut und Rüben aus Matches, wo ich zumindest wieder nicht wissen werde, wer jetzt gerade welche Runde erreicht hat. Wie beim German Masters an den ersten Tagen. Ich möchte bitte, dass das in Zukunft wieder aufgeräumt wird.
Am Montag beginnt das Shanghai Masters, ein Einladungsturnier, wo neben den Top 16 viele chinesische Wildcards antreten. Davon gibt es auf alle Fälle TV-Bilder. Danach werden dann die ganzen Endrunden (bis auf die Shengzhen Open, die finden erst Ende September statt) weggespielt, bevor am 13. September mit den Northern Ireland Open dann die nächsten Qualifikationen starten.
Alle Ergebnisse findet ihr wie immer auf unseren Turnierseiten: Qualifikation: China Open 2026, Qualifikation: Wuhan Open 2026, Qualifikation: Shenzhen Open 2026, Qualifikation: British Open 2026, Qualifikation: English Open 2026.









