Mark Allen gewinnt Shoot-Out

Im kürzesten Finale der Snookersaison setzt sich Mark Allen ohne große Gegenwehr mit 65-4 gegen Cao Yupeng durch. Damit gewinnt der Topgesetze das Shoot-Out und zum ersten Mal überhaupt einer der amtierenden Top 16 der Welt.

Allen und Cao auf dem Weg ins Shoot-Out-Finale

Mark Allen hatte auf seinem Weg ins Finale unter anderem Steven Hallworth besiegt, der als Amateur mit tollen Auftritten bis ins Halbfinale vordrang. Im Viertelfinale war dieser siegreich gegen Publikumsliebling Dominic Dale. Knapp wurde es für Mark Allen vor allem im Achtelfinale: In einem engen Match mit niedrigem Score setzte er sich gegen Oli Lines durch, der am Ende nochmal alles in die Waagschale warf, um das Match noch zu drehen.

Cao Yupeng erreichte sein insgesamt drittes Ranglistenfinale. Inmitten vieler kunterbunter Matches im „Zirkus“ des Shoot Out, gewann er seine Matches eher bodenständig und besonnen: Am Finaltag schaltete er zunächst den früheren Sieger und Geschwindigkeitskönig Thepchaiya Un-Nooh aus und ließ Siege über Hammad Miah, Mark Davis und Ali Carter folgen.

Finaldurchmarsch von Topgesetztem Allen

Die Ruhe und Besonnenheit, die Cao Yupeng auf dem Weg ins Finale ausgezeichnet hatte, ging ihm dann beim Duell um den Titel verloren. Er vergab Chancen und schenkte sie Allen, der diese eiskalt zu nutzen wusste und das Finale so von Anfang an dominierte. Je größer der Rückstand wurde, desto zäher lief es für Cao Yupeng. Somit gelang es Mark Allen seinen Trophäenschrank noch ein wenig zu erweitern – und zwar mit dem Titel, der für Topspieler am schwersten zu ergattern ist. Als erster aktiver Top-16 Spieler gewinnt Mark Allen das Shoot Out.


Von allen Teilnehmenden war Mark Allen sogar der am höchsten in der Rangliste Platzierte, auf seinem Trikot war von Beginn an die Nummer 1 aufgedruckt. Sein Titel ist also gleichermaßen besonders langweilig und besonders bemerkenswert. Aber es zeigt auch, dass das Shoot Out weit mehr als nur eine Lotterie ist. Am Ende gewinnen immer tolle Aktive.

Bevor es zu diesem vergleichsweise glanzlosen Finale kam, war der Finaltag des Shoot-Outs noch voller spannender Momente. Wer glaubte, das Maximum Break von Shaun Murphy aus Runde 1 würde das unangefochtene Highlight des Shoot-Out 2023 bleiben, sollte irren.

Die Entertainer: Handschuhe und Singsang

Ein paar der großen Shoot-Out Entertainer fehlten in diesem Jahr: Dechawat Poomjaeng zog sich zum Start der Saison zurück und auch von Mitchell Mann haben wir leider schon eine Weile nichts gehört. Ein paar andere machten sich an, in die Bresche zu springen. Kyren Wilson kam in seinen Matches mit unterschiedlichen Handschuhen zum Tisch: mit Ofenhandschuhen oder Putzhandschuhen. Oder er spielte zum Start des Finaltags ein Century mit Varieté-Handschuhen. Man muss sich ja selbst nicht so ernst nehmen.

Und auch der frühere Shoot-Out-Sieger Dominic Dale tat mal wieder so typische Dominic Dale Dinge. Zu Rachel Caseys Leidwesen sang er stets, angefeuert von Jimmy White, ein kleines Ständchen. Dazwischen fiel er mit seltsamer Körpersprache, wenig beeindruckenden Queue-Kunststücken, teils wirrem Geplapper, aber eben auch einer überzeugenden Performance auf dem grünen Tisch auf. Mit jeweils guten Breaks gelangen ihm Siege gegen Zhou Yuelong und Iulian Boiko, ehe er im Viertelfinale das Match dann gegen Steven Hallworth herschenkte.

Der Snookernachwuchs: The kids are alright

Kein Event ist so eine tolle Gelegenheit für den Snookernachwuchs zu glänzen. Und das taten sie in diesem Jahr wirklich. Es startete mit Shaun Liu, dem jüngsten Sieger eines Ranglistenmatches im Fernsehen. Daneben konnten viele weitere Youngsters, die eine Wildcard bekamen oder als Nachrücker antraten, Matches gewinnen und ihr Potenzial zeigen: Liam Davies, Alfie Davies, Oliver Sykes und Jack Borwick. Liam Davies gewann gleich mehrere enge Matches nach Rückstand und zog nach einem Sieg über Dylan Emery sogar ins Achtelfinale ein, wo er sich Mark Davis geschlagen geben musste.

Ein anderer junger Amateur erreichte ebenfalls das Achtelfinale: Iulian Boiko gelang beim Shoot-Out ein wirklich guter Auftritt: zum Teil mit seiner bekannten Stärke, seinem starken Longpotting, aber auch mit einem starken und merklich gereiften Safetyspiel, das maßgeblich verantwortlich für mehrere seiner Siege war. Am Ende platzte aber der Traum, durch einen Sieg beim Shoot-Out die Rückkehr auf die Tour zu schaffen.

Die englischen „Rookies“ Stan Moody und Liam Pullen wussten in ihrer ersten Saison auf der Tour auch beim Shoot Out zu überzeugen. Und auch der Überraschungshalbfinalist der letzten WM spielte beeindruckend auf, denn er gewann den …

… besten Shoot Out Frame aller Zeiten

Kyren Wilson und Si Jiahui hatten sich am Nachmittag äußerst souverän gegen David Lilley und Ryan Day durchsetzen können, insofern konnte man sich auf ihre Achtelfinalbegnung schon vorfreuen. Kyren Wilson legte vor und sah schon wie der sichere Sieger aus, bis er bei 48–1 Rot verschoss mit noch viereinhalb Minuten auf der Uhr. Si verkürzte, verstellte sich aber auf die letzte Rote. Etwas mehr als zwei Minuten verblieben, 48–38 für Wilson. Dann setzte Si Jiahui sein Comeback auf beeindruckende Art und Weise fort:

Es kam zum Blue-Ball-Shoot-Out. Dem Elfmeterschießen auf dem Snookertisch. Der Unterschied zum Fußball: Das Lochen von Blau vom Spot aus dem D ist ziemlich schwer. Normalerweise. Vier Mal legte Si Jiahui vor, vier Mal legte Kyren Wilson nach. Erst nach der fünften blitzsauber gelochten Blauen von Si Jiahui verschoss Wilson. Was ein Spektakel.

Oder guckt euch das ganze Match einfach vollständig an. Viel besser kann man 15 Minuten Zeit als Snookerfan eigentlich nicht verbringen.

Alle Partien findet ihr auf unserer Turnierseite.

AutorIn: Målin

Målin mag Zahlen und Tabellen. Wenn sie gerade kein Snooker guckt, wirft sie wahrscheinlich einen Blick auf die Provisional Rankings. Ist durch Langeweile zum Snooker gekommen und weil sie schon in jungem Alter einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer hatte. Neben Artikeln kümmert sich Målin bei SnookerPRO um die Spieler*innenprofile. Twitter: @esel_freund

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