Trump-Un-Nooh ist einer der Kracher im WM-Spielplan

WM-Spielplan
Der WM-Spielplan © World Snooker/Tai Chengzhe

Die Auslosung beschert uns einige vielversprechende Partien im WM-Spielplan: Trump-Un-Nooh ist sicher eine davon. Doch auch die Partien wie Stuart Bingham gegen Graeme Dott oder Mark Selby gegen Zhao Xintong könnten es in sich haben.

Judd Trump* geht als einer der drei Favoriten neben Neil Robertson und Ronald O’Sullivan ins Turnier. Zusätzlich hat er noch den Druck, den die seit Jahren gehegte Erwartung ausübt, dass er endlich Weltmeister wird. Doch er hat in der ablaufenden Saison endlich zu einer Professionalität gefunden und wirkt insgesamt wesentlich stabiler. Un-Nooh hat schon im Crucible gestanden, er wird also nicht mehr so viel Ehrfurcht haben, wie im letzten Jahr. Vom Spiel selber erwarten wir natürlich ein Breakfestival in Höchstgeschwindigkeit.

Auf dem Papier hat Graeme Dott gegen Bingham keine Chance. Doch er hat sich in der Qualifikation extrem stark präsentiert, sodass die Partie völlig offen ist. Er selber sieht sich als schlechtes Los für Bingham: „When I was in the top 16 I was the good draw but when I’m a qualifier I’m the bad draw.“

Mark Selby trifft auf Zhao Xintong, der seine Qualifikationsspiele ohne jeden Zweifel gewann. Außerdem ist er extrem locker und hat bei seinem Debüt auch nicht viel zu verlieren. Selby ist momentan nicht in weltmeisterlicher Form und er sollte vom ersten Moment an voll da sein, sonst könnte er hier ernsthaft in Gefahr geraten.

Große Aufmerksamkeit für James Cahill

James Cahill, der erste Amateur im Crucible, muss natürlich gegen Ronald O’Sullivan ran. Das sieht nach einem vermeintlich hammerharten Los aus, aber Cahill hat einfach nichts zu verlieren. Ronald startet zwar meistens nicht mit voller Kraft ins Turnier, hat aber seit Ewigkeiten kein Erstrundenmatch verloren. Und gegen einen Sieg von Cahill spricht, dass O’Sullivan grundsätzlich die WM gewinnt, wenn Mark Williams Titelverteidiger ist. Sind ja auch nur schlappe 71 Frames bis dahin …

Keine leichten Aufgaben für Ding, Higgins und Brecel

Ding Junhui ist in dieser Saison noch nicht groß aufgefallen und ist, was die WM betrifft, ja immer ein Wackelkandidat. Auch Anthony McGill hatte in letzter Zeit eher bescheidene Resultate erzielt. Doch McGill hat sich in der Qualifikation gesteigert und sein großartiges Kommzurück in seiner letzten Partie könnte ihm das nötige Momentum verschafft haben.

Es gibt nicht viele Spieler, die so eine positive Bilanz gegen John Higgins haben wie Mark Davis. Der hat auch in der Qualifikation nichts anbrennen lassen und startet ziemlich motiviert in die Hauptrunde. Er ist der Meinung, dass er mit den drei Qualifikationsspielen das Schlimmste schon hinter sich hat: „It sounds silly to say they are more pressured than the Crucible, but they probably are.“ Higgins darf hier auf keinen Fall Motivationsprobleme zeigen, wenn er in die zweite Runde kommen möchte.

Luca Brecel spielt gegen Gary Wilson, der sich in der Qualifikation offensichtlich richtig warm gespielt hat. Auch wenn Brecel nach Formtief gerade wieder Aufwind bekommen hat, muss er sich hier warm anziehen, um seinen ersten Sieg im Crucible einfahren zu können.

Jung versus erfahren

Shaun Murphy hat gegenüber Luo Honghao, mit 19 Jahren der jüngste Spieler hier, sicherlich einen riesigen Erfahrungsvorsprung. Aber manchmal ist jugendliche Frische und eine gewissen Unbefangenheit vielleicht gar nicht so schlecht. Das weiß Murphy selber. Denn er versucht nach seinem überraschenden Titel als Qualifikant 2005 immer noch, seine Hand wieder an die Trophäe zu legen – bisher vergeblich.

Die alten Hasen

Mark Williams kann erst einmal den Moment, als Weltmeister und Titelverteidiger im Crucible begrüßt zu werden, genießen. Wahrscheinlich wird das aber der Abschluss eines ausgiebig gefeierten Weltmeisterjahres werden. Martin Gould hat sich in der Saison merkwürdig rar gemacht, ist aber mit dem Sieg in der Championship Leage rechtzeitig aus der Versenkung aufgetaucht. Es wäre für mich kein Wunder, wenn er hier den Sieg holt.

David Gilbert gegen Joe Perry ist eine ausgesprochen knappe Sache. Hier könnte ebenso gut Perry der gesetzte und Gilbert der Qualifikant sein, so nah, wie sie in der Weltrangliste zusammenstehen. Gilbert hatte eine tolle Saison, aber Perry kommt warmgespielt ins Turnier, was ein großer Vorteil sein kann.

Barry Hawkins liefert bei der WM meist sehr gute Ergebnisse, ohne dass es besonders auffällt oder sich jemand daran erinnert. Mit Li Hang hat er einen Debütanten erwischt, der vielleicht erstmal damit beschäftigt ist zu realisieren, wo er da gelandet ist.

Die restlichen Partien

Wie sich Scott Donaldson nach seiner zermürbenden Qualifikation gegen Kyren Wilson behaupten kann, wird sich zeigen. Wilson hat eine solide Saison hinter sich und der Gewinn des German Masters im Februar wirkt sicher noch nach. Alles andere als ein Sieg von ihm wäre eine Überraschung.

Neil Robertson hat sein Leben endlich wieder auf Reihe und das wirkt sich auch auf seine Karriere aus. Mit den guten Ergebnissen der letzten Monate geht er vielleicht mit etwas weniger Druck ins Turnier, als die letzten Jahre. Auch wenn Michael Georgiou sich in der Qualifikation stark gegen Peter Ebdon und Yan Bingtao gezeigt hat, wird er Robertson hier nicht viel entgegenzusetzen haben.

Jack Lisowski platzt eigentlich vor Talent, ist aber auch ein gutes Beispiel für eine suboptimale Ausbeute desselben. In dieser Saison ist er endlich ein bisschen aus dem Knick gekommen, ist aber kurz vor Schluss auch wieder eingeknickt. Ali Carter, ein alter Hase an diesem Ort, kommt zudem mit dem Momentum aus der Qualifikation. „There’s no better practice than going through those qualifiers. That’s got to be the best preparation.“ Wenn Lisowski hier zwei seiner guten Tage erwischt, dann könnte das ein schönes Spiel werden.

Mark Allen ist auch einer, bei dem wir schon länger auf den ganz großen Titel warten. Diese Erwartung ist seiner Performance im Crucible nicht unbedingt zuträglich, deshalb haben wir ihn schon zehn Jahre lang nicht mehr beim One-Table-Setup gesehen. Zhou Youelong hat es in der Qualifikation nicht mit den ganz großen Namen zu tun gehabt. Doch bei seinem Potential (erst kürzlich machte er ein Maximum) ist er auf keinen Fall ein ungefährlicher Gegner.

Stephen Maguire hat in den letzten Jahren im Crucible keine großen Sprünge gemacht. Tian Pengfei hat Matthew Stevens und Ryan Day aus der Qualifikation gekegelt und in dieser Saison ein paar Viertelfinals in kleineren Turnieren gewonnen. Es scheint, als sei Maguire zwar leicht favorisiert, aber letztlich ist hier alles offen.

Serviceinformationen zum WM-Spielplan

Die Spiele laufen auf Eurosport. Hier gibt es eine Übersicht über die Sendezeiten, nachdem wir sie bekommen haben.

Alle Spielpaarungen, Spielzeiten und (Zwischen)ergebnisse inklusive Artikelübersicht findet ihr hier. Wen das Scrollen dort nervt, geht direkt auf snooker.org.
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* unser Tipp, wer das Spiel gewinnt, in fett

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderqueer), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Tanzt und performt im Nebenberuf, spielt Poi, schreibt sporadisch Geschichten (hat im letzten Jahr den Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, sucht dafür jetzt einen Verlag). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich häufig am Magic Mountain Berlin anzutreffen. Hasst Ronnie O'Sullivan nicht, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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