Ronnie spielt nicht in Berlin – German Masters 2018 absagen?

Diese Spieler treten eventuell beim German Masters 2018 an.
Gegen den Poster-Fluch: Dies ist nicht der offizielle German Masters 2018 Header! © World Snooker

Stopp, stopp! Bevor jetzt Wiederbelebungsmaßnahmen nötig werden: Die Überschrift ist eine ganz gemeine Irreführung. Auch wenn nach der Nachricht, dass O’Sullivan die Qualifikation zum German Masters 2018 in dieser Woche nicht spielen wird, die Reiseticketstornierungsquote steil nach oben ging, gibt es ja immer noch eine Snookerwelt, die ohne ihn funktioniert. Es gibt immer noch 127 Spieler, die gerne am Turnier teilnehmen würden und es gibt sogar Menschen, die diese Spieler (oder zumindest einige davon) sehen wollen.

Die Qualifikation ist also in vollem Gange und wir beobachten seit heute Vormittag, wer sich denn da wohl durch die zwei Runden bis zu einem der 32 Turnierplätze durcharbeiten könnte. Und wer leider vorher die Segel streichen muss.

Runde eins wird zum Stolperstein für den Youngster Yan

Viele haben sich gewünscht, dass Yan Bingtao in Berlin die letzte Gelegenheit nutzt, zum jüngsten Weltranglistentitelträger der Snooker-Geschichte zu werden. Doch leider überstand der Noch-17jährige nicht einmal sein erstes Match und wird deshalb nicht im Tempodrom dabei sein.

Titelverteidiger Anthony Hamilton hat sich in einem Langstreckenmatch mit 5–3 gegen Chen Zhe in die zweite Runde gekämpft. Doch Stephen Maguire und Michael White, der in Fürth gewann, scheiterten in Runde eins.

Hat das German Masters unter diesen Bedingungen eine Zukunft?

2014 spielten im Tempodrom noch 64 Spieler, demzufolge gab es nur eine Qualifikationsrunde. Das war natürlich schön, weil die Chance, die Lieblingsspieler zu sehen, dadurch sehr groß war. Seit es zwei Qualifikationsrunden in England gibt, sind immer wieder „große Namen“ darin hängengeblieben und das Publikum in Berlin hatte das Nachsehen. Doch der Preis für ein so großes Teilnehmerfeld war ein extrem eng gestrickter Terminplan und die Verlegung des jeweils achten Spiels einer Session in den Nebenraum, wo jetzt Eurosport mit seinem Studio Quartier bezogen hat. Keine idealen Bedingungen. Spieler wie zum Beispiel Alan McManus begrüßten die Kürzung auf 32 Teilnehmer, auch weil es für die Spieler mit geringen Chancen auf eine Endrundenteilnahme natürlich weniger Kosten für Reise und Unterkunft bedeutet. Auf der anderen Seite könnte man einwenden, dass es gerade für diese Spieler attraktiv sein könnte, an so einem beeindruckenden Ort zu spielen.

Ich könnte jetzt noch ewig die Fürs und Widers von 32 und 64 Spielern diskutieren und am Ende würde trotzdem kein geeigneter Vorschlag übrig bleiben. Es besteht also weiterhin die Gefahr, dass die den Ticketverkauf ankurbelnden Namen gar nicht im Feld auftauchen. Diese Tatsache schlägt sich natürlich auch in der finanziellen Situation des Turniers nieder. Die Tage Mittwoch bis Freitag sind immer noch völlig unausgelastet, schätzungsweise ist dann die Halle zu einem Drittel gefüllt. Doch auch die angeblichen Knallertage Samstag und Sonntag mit dem Ein-Tisch-Aufbau für Halbfinale und Finale sind keine Bank für Snookerstars, die das German Masters ausrichten. Für eine große Menge an Zuschauenden waren die weniger hochkarätig besetzten Finals in den Jahren 2016 und 2017 Grund genug, gar nicht erst ins Tempodrom zu kommen. Beide Male gab es sichtbar viele leere Plätze auf den Rängen – im Gegensatz zu 2015, wo ich bei Selby-Murphy kaum einen Platz auf der Tribüne fand.

Lukas Kleckers beim German Masters 2018?

Im Tempodrom gibt es keine „Held-over“-Matches, die garantieren, dass die Publikumsmagneten tatsächlich am Tisch zu sehen sind. Natürlich wäre es schön, wenn Lukas Kleckers, als einziger deutscher Spieler auf der Tour, dabei wäre und vielleicht würde auch das ein oder andere Ticket mehr verkauft werden. Doch wie wir es drehen und wenden: Wenn er seine Spiele gegen Tom Ford und gegebenenfalls gegen Neil Robertson oder Chris Wakelin nicht gewinnt, dann werden wir ihn nicht spielen sehen.

Es wird ja immer wieder behauptet, Snooker bräuchte eine*n deutsche*n Spieler*in in der Weltspitze und dann würde der Sport hierzulande boomen. Ehrlich gesagt glaube ich nicht daran. Als Steffi Graf sich auf dem Platz zeigte und gemeinsam mit diesem anderen Spieler einen Tennisboom auslöste, musste man niemandem erst einmal erklären, was Tennis ist. Snooker ist und bleibt eine Mininischenrandsportart, egal, wie die Eurosport-Einschaltzahlen interpretiert werden. Ich treffe immer wieder Menschen, die mir erzählen, sie würden „das“ auch immer gucken. Und die kennen noch nicht einmal Ronald O’Sullivan.

Der Wunsch, dem Snooker jenseits des polarisierenden Engländers Ehre zu erweisen, hat mich 2013 zu diesem Blog geführt. Und auch wenn in der letzten Zeit meine Motivation immer mal auf die Probe gestellt wurde, komme ich gerade wieder sehr gerne meiner selbstgestellten Aufgabe nach: Für die Leute hier zu berichten, die über einen Tweet wie diesen nur den Kopf schütteln können.

 

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderfluent), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Tanzt und performt im Nebenberuf, spielt Poi, schreibt sporadisch Geschichten (hat im letzten Jahr den Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, sucht dafür jetzt einen Verlag). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich häufig am Magic Mountain Berlin anzutreffen. Hasst Ronnie O'Sullivan nicht, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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8 Gedanken zu „Ronnie spielt nicht in Berlin – German Masters 2018 absagen?

  1. Rainer Schönlau

    Bitte trotzdem kommen, die anderen Jungs haben das in jedem Fall verdient und es sind doch reichlich aus den Top 16 dabei. Bin seit 6 Jahren jedes Jahr dabei, für 4 Tage aus München kommend – hat sich immer gelohnt!!

  2. Ralph diekmann

    Hallo,
    Ich finde es traurig,nur weil ein „Ronnie O‘Sullivan nicht dabei ist,das Fan‘s dadurch sich die German Master‘s nicht life ansehen möchten. Es sind so viele gute Spieler dabei, und ich schaue auch sehr gerne in den ersten Tagen zu,weil ich so dann auch mal alle in life sehen kann.
    Jeder sollte darüber mal nachdenken. Ein solches Tunier muss in Deutschland bleiben, und ich glaube,das auch sogar zur Zeit ausreichend Zuschauer da sind. Wenn ich mir im TV andere Tuniere anschaue,dann sind in Berlin an jedem Tag viel mehr
    Zuschauer !!

    Ralph Diekmann

  3. Uwe Welzel

    Hey, auch wenn ROS nicht dabei ist, na und ! es gibt so Viele gute Snookerspieler ! schade das es Jimmy White nicht geschafft hat. Also bitte, was soll`s. ROS ist durch sein Können zwar ein Großer, aber im Benehmen ein kleiner Junge ! Genie und Wahnsinn wieder beieinander. Die jungen Chinesen werden Ihn, so wie so einholen ! Viel lieber wäre mir Lucas Klecker gewesen, damit Snooker in Deutschland populärer wird !

  4. Dagmar Weigl

    Ich schließe mich den Vorschreibern an. Und ich möchte hinzufügen, dass es weder dem Snooker-Sport noch seinen Fans helfen wird, wenn man bei wirklich jeder Gelegenheit immer nur diesen einen Spieler herausstellt und sich so von ihm quasi abhängig macht.

    Um Snooker bekannter zu machen, benötigt man Sponsoren, über die mehr Preisgeld reinkommt, und mehr Turniere entstehen, die einer größeren Anzahl von Spielern die Möglichkeit geben, diesen Sport halbwegs kostendeckend auszuüben. Dies kann nur über Fernsehgelder und in zweiter Linie natürlich auch über Eintrittsgelder entstehen. Aber Snooker ist nun einmal ein Sport, der in kleineren Hallen gespielt werden muss, falls der Zuschauer etwas mitbekommen soll. Allerdings ist es vielleicht einen Versuch wert, Großbildschirme so aufzubauen, dass sie die Spieler nicht beeinträchtigen. Ich bin sicher, dass dies technisch möglich ist.

    Die Spieler selbst beklagen ja auch regelmäßig, dass die Möglichkeiten, sich in diesem Sport auch nur über Wasser zu halten, begrenzt sind, und verweisen gern auf andere Sportarten wie Tennis oder Golf. So berechtigt dies ist, wenn man sich die nackten Zahlen ansieht, sei es erlaubt, darauf hinzuweisen, wo das dafür benötigte Geld eigentlich herkommen soll. Das benötigte Zubehör wird sich nicht in dem Maße verkaufen lassen, wie es nötig ist, um deren Produzenten dazu zu zwingen, im Zuge eines Wettbewerbs ihre Produkte öffentlichkeitswirksam anpreisen zu müssen. Die typischen Probleme eines Oligopols eben. Wo hat man schon die Möglichkeit, mal eben solche Tische aufzustellen, um Trainings- oder Ausbildungszentren flächendeckend aufzubauen? Von einem Aufbau zu Hause gar nicht zu reden; da ist Darts (der andere Pub-Sport) deutlich im Vorteil.

    Der Snooker-Sport hat aber weitaus mehr zu bieten, als attraktives Lochspiel, wie es Ronnie O’Sullivan (aber eben nicht nur er) zelebriert.

    – Strategisches, methodisches Denken
    – Mut und psychische Stärke, in kritischen Situationen durchzuziehen
    – Hartnäckigkeit, sein Spiel in all seinen Varianten zu vervollkommnen
    – die Möglichkeit, diesen Sport über einen relativ langen Zeitraum auszuführen
    – und nicht zuletzt Respekt gegenüber dem Spiel, dem Gegner und den Zuschauern.

    Dies gilt es, potenziellen Sponsoren nahezubringen und ihnen einen – zumindest in Kontinentaleuropa – weitgehend unberührten Wirtschaftszweig schmackhaft zu machen, wie es in China nach den ersten größeren Erfolgen von Ding Junhui entstand. Von den leeren Zuschauertribünen in den ersten Runden darf man sich nicht blenden lassen. Im Gegenteil: Jedes besser besuchte Turnier in Europa würde die Spieler, und zwar auch die Spitzenspieler anlocken können. Dann würden sich auf Breitensportbasis private und Geschäftsfreunde vielleicht nicht nur zur Entspannung auf dem Tenniscourt oder dem Golfplatz treffen, sondern auch in einem Billardsaloon.

    Ich habe für mich persönlich ein „vierblättriges Kleeblatt an Lieblingsspielern“ ausgemacht, das aus Neil Robertson, Marco Fu, Mark Selby und Shaun Murphy besteht. Daneben gibt es einige junge Spieler aus dem asiatischen Bereich, die sehr interessant sind. Besonders erwähnens- und sehenswert gerade im Hinblick auf die Entwicklung des Sports hier auf dem Kontinent ist natürlich Luca Brecel, der nicht nur ein schönes Spiel hat, sondern auch über eine fantastische Etikette am Tisch verfügt. Gerade diese Spieler (natürlich neben anderen) sind es meiner Meinung nach auch, die ihrem Sport auf verschiedene Weise das Eine oder Andere (zurück)geben können und wollen.

  5. Mario und Sabrina

    Meine Frau und ich sind nun seit 2012 jedes Jahr mit dabei und es hat sich immer gelohnt. Man sieht einfach viel mehr als auf der Couch möglich ist.
    Wir haben uns langsam gesteigert von einer Session, über einen Tag, bis hin zu 3 Tagen in den letzten Jahren. Dieses Jahr haben wir den kompletten Spielplan vor uns. Jedes Jahr ärgerten wir uns, wenn wir nicht beim Finale dort waren. Die ersten Tage trifft man viele Spieler und man kann alle Begegnungen sehen. Im TV wird nur ein Tisch übertragen.
    Großes Manko im Tempodrom sind und bleiben die Sitze. Für solch eine Veranstaltung sind sie eigentlich überhaupt nicht geeignet. Einfach nur hart und unbequem.
    Zu Ronnie kann ich nur sagen, dass er ggf auch als Kommentator dort ist, auch wenn er nicht spielt.
    Und mal ehrlich: wer freut sich nicht über Mark Allen, Judd Trump, Mark Selby, Shaun Murphy und all die anderen tollen Spieler. Und Moderator Rolf Kalb muß doch unbedingt erwähnt werden.
    Zudem macht die Stimmung der Zuschauer solch eine Veranstaltung aus und die Preise sind nicht übertrieben.
    Meine Frau war vor 7 Jahren noch der Meinung was für einen langweiligen Sport ich mir da anschauen. Inzwischen gibt es bei uns nur einen Sender wenn Snooker läuft ;-)

    Ich wünschen allen die auch dieses Jahr kommen viel Freude beim Zuschauen.

  6. Lula Witzescher Artikelautor

    Ja, die Sitze sind in der Tat eine Herausforderung. Sogar mich hat man schon mit Sitzkissen dort gesehen … ;o) Wenn ihr mich (SEHR große Frau) mit SnookerPRO-Shirt seht, sprecht mich doch einfach an!

  7. Hans peter Muller

    Ich finde es schade,das ronnie nicht spielt.Es gibt nur einen auch wenn er nicht bei hundert Prozent ist,der die Zuschauer durch sein offensives Spiel in seinen Bann zieht.Dadurch entstand seine grosse Beliebtheit und Anerkennung.Wenn ich da zb das Spiel von Mark selby sehe,da muss ich aufpassen das ich nicht einschlafe. Also schade werde mir nicht viel anschauen.

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