Mark Williams macht kurzen Prozess

Mark Williams, German Masters 2018
Mark Williams, mit 42 Jahren noch einmal German Masters Champion. © World Snooker/Tai Chengzhe

Nach 45 Minuten schon war am Abend sie Sache klar: Mark Williams nimmt die gläserne Schale des German Masters Champion 2018 mit nach Hause und Graeme Dott kann passend zur Finalklatsche sein normales Gesicht aufbehalten. Für Williams ist es nach 2011 der zweite Titel hier im Tempodrom.

Wie nach dem 7–1 zum Ende der Nachmittagssession schon zu befürchten stand, kam Dott auch am Abend gegen einen hervorragend spielenden Williams nicht ins Match. Dieser holte sich souverän die restlichen Frames zum 9–1 Endstand. Dabei hatte Dott nicht einmal allzuviel falsch gemacht. Die ein oder andere Chance nicht genutzt, ein bisschen Pech kam auch noch dazu … aber gegen den „Mann in Form“ reichte das für eine historische Niederlage: So hoch hat im Tempodrom noch niemand verloren.

Altes Eisen im Flow

Mark Williams hat mir bei diesem Turnier große Unterhaltung geboten. Seine Saisonform hatte ja schon versprochen, dass er hier etwas reißen könnte und es gab nicht viele Anzeichen von Rost im Getriebe des Walisers. Ob gegen Fergal O’Brien, Matt Selt, Jimmy Robertson oder Judd Trump: Immer wieder packte er schöne Breaks aus und zeigte besonders im Halbfinale ein großes Repertoire an ungewöhnlichen Stößen. Auch wenn ich nichts dagegen gehabt hätte, Robertson im Halbfinale zu sehen, musste ich am Ende doch einsehen, dass dessen Gegenwehr nicht ausreichte, um Williams richtig unter Druck zu setzen. Irgendwie wirkte dieser Mann während des ganzen Turniers so tiefenentspannt, als wäre er auf Wellness-Urlaub. So habe ich mich nach seinen Spielen dann auch gefühlt.

Mark Williams, German Masters 2018

Auch dieses Bild im Spiel gegen Robertson brachte Willo nicht ins Schwitzen. © Lula Witzescher

Eine runde Sache

Dieses Jahr war für mich etwas Besonderes. Aufgrund einiger persönlicher Einschränkungen habe ich mein Programm begrenzt. Ich habe keine Interviews geplant und mich vollkommen aufs Zuschauen konzentriert. So viele Spiele vom ersten bis zum letzten Ball habe ich noch nie gesehen. Für mich war es schön, mal wieder das reine Erleben im Fokus zu haben, anstatt mit den Gedanken schon wieder im Medienraum oder bei der nächsten Verabredung zu sein. Nichtsdestotrotz habe ich natürlich auch ein wenig gearbeitet und etwas Beute mit nach Hause gebracht. Aber das muss bis zur Veröffentlichung noch etwas reifen. Alles in allem habe ich das Turnier als so rund empfunden, wie die Manege, in der es stattfand.

Das Schönste an den Live-Turnieren ist natürlich, mit meiner seltsamen Leidenschaft endlich einmal tagelang nicht alleine zu sein. Wie jemand vor einigen Jahren so schön sagte: „Es ist so toll, mal fünf Tage lang nicht erklären zu müssen, was Snooker ist.“

Danke

In diesem Sinne gilt mein Dank an dieser Stelle wieder meinen unermüdlichen Mitstreiter*innen Uwe, Imke und Kathi, meinen guten Gesellschafter*innen auf der Tribüne (besonders die mit Hut oder ganz in schwarz) sowie der ganzen Twitter-#147sf-Gemeinschaft, die zum Teil ja auch vor Ort war. Herzlicher Dank geht auch an die freundlichen Menschen von World Snooker und natürlich TC von Snookerstars, der für das Gelingen im Tempodrom verantwortlich ist. Und an alle Leser*innen hier für ihr Interesse. (Hier geht ein Extra-Gruß nach Ostfriesland. Ihr wisst schon …)

Da ich mit dem absoluten Highlight des Turniers noch nicht rausrücken darf, verrate ich euch wenigstens die Nummer zwei: In diesem Jahr konnte ich endlich Dave Hendon die Hand schütteln und mich bei ihm für seine immer wieder tollen Podcasts bedanken. Das war mir eine Ehre.

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderqueer), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Sucht für den Roman „Belinda to break“ einen Verlag. Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. www.twitter.com/lulawitzescher

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