Murphy, Trump, Robbo und O’Sullivan im Viertelfinale

Viertelfinalisten
© Monique Limbos

Anthony McGill-Shaun Murphy, Barry Hawkins-Neil Robertson, Ding Junhui-Judd Trump, Stuart Bingham-Ronald O’Sullivan: Das sind die Partien, die uns nach einer durchwachsenen Achtelfinalrunde erwarten.

Die Spielansetzung hatte einiges an Kopfschütteln verursacht. Am Sonntag: vier Spiele – keine Entscheidung. Leider waren alle Partien auch noch etwas einseitig verlaufen. In allen Spielen gab es eine mehr oder weniger deutliche Führung, sodass für den Montag mit vier Entscheidungen im schlimmsten Fall nur insgesamt sieben Frames zu spielen waren. Alle hofften natürlich, dass es wieder zu einem legendären Crucible Comeback (auch Kommzurück genannt) kommen würde.

Murphy führte über Nacht gegen Joe Perry 12-4 und hatte während des zweiten Durchgangs schon gehofft, er könnte sich eine Session sparen. Perry konnte sich morgens mit ein paar Minibreaks zwar den Auftaktframe sichern. Doch den nächsten Frame machte ein rostbraun gekleideter Murphy zum Spielgewinn klar. Er hatte gegen Joe Perry nicht eine Sekunde gewackelt und sah in den bisherigen Spielen so aus, als könne er nach zehn Jahren mal wieder den Titel holen.

Marco Fu machte es nur unwesentlich spannender: Er war mit einem Rückstand von 6-10 in das Spiel gegen Judd Trump gegangen und holte sich mit einem 94er Break den ersten Frame des Tages und und den 20. Frame zum 8-12. Doch eine 133 von Trump machte dessen Einzug ins Viertelfinale klar. Das Ergebnis ist recht seltsam angesichts der Statistik, nach der Fu in allen Bereichen wie Lochspiel, lange Bälle und Safety bessere Zahlen hatte als Trump. So viel zur Aussagekraft dieser Statistik.

Das 5-11 (Carter-Robertson) und 4-12 (Stevens-O’Sullivan) in den beiden Partien am Abend versprach ein kurzes Vergnügen und die Exhibitionspieler im Crucible Theatre wärmten schon mal ihre Queues an. O’Sullivan hatte das mit dem obzönen Reiben seines Spielstabs ja gestern schon getan und ging deshalb mit einer Verwarnung ins Spiel. Zu Anfang qualifizierten sich beide mit einer hohen Fehlerzahl nicht für den Framegewinn. Stevens hatte offensichtlich Schmerzen im Nacken, doch wollte er deswegen O’Sullivan trotzdem nicht einfach davonkommen lassen und machte den ersten Frame. Doch um halb neun hatte O’Sullivan die Sache hinter sich gebracht. Er sagte anschließend, dass es schwer wäre, einem Gegner dabei zuzugucken, wie er sich vor Schmerzen gar nicht richtig zum Schuss herunterbeugen kann – besonders wenn man ihn mag. Aha, sage ich.

Am anderen Tisch kämpften Robertson und Carter ziemlich lange um den ersten Frame des Abends. Carter hatte 57 Punkte an Bord, als Robertson wieder an den Tisch kam und sich auf die letzte Schwarze den Frame sicherte. Mit einem wunderschönen 145er beendete er um 20.45 Uhr in typischer Robbo-Manier den Wettkampfabend und machte Platz für Stephen Hendry und Ken Doherty für eine Exhibition. So kam letzterer nun doch noch zu einem Auftritt in den heiligen Hallen.

Ding Junhui, Barry Hawkins und Stuart Bingham hatten ihre Weiterkommen schon am Samstag besiegelt.

Die Überraschung der Runde war natürlich Ants McGill, der Kolleg_innenberichten zufolge immer noch wie ein kleiner Junge strahlend in Sheffield herumläuft. Nachdem er gegen den amtierenden Weltmeister gewonnen hat, wird ihm von diesem sogar der Titel zugetraut. Wir werden sehen, ob seine Drahtseil-Nerven ihn auch gegen Shaun Murphy zum Sieg bringen.

Die Boulevardnachrichtenabteilung berichtet übrigens, Stephen Hendry sei von den BBC-Fernsehkameras mit den Füßen auf dem Tisch erwischt worden. Amen.

Brendan Moore Markertisch

Ein hochkonzentrierter Brendan Moore am Markertisch. © Monique Limbos


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren depressiven Snookerroman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

Ein Gedanke zu „Murphy, Trump, Robbo und O’Sullivan im Viertelfinale

  1. Harald Hejl

    Ueber die Statistiken wundere ich mich schon lange nicht mehr, wenn der Verlierer mehr „more Balls potted und mehr Punkte erzielt, dann frage ich mich, ob die Stastiker wirklich zählen können. Allerdings freue ich mich aufs Viertelfinale, wenn auch mein Favorit, Ding Junhui in der ersten Session fürchterlich verprügelt worden ist, was die Titelchancen von Shaun Murphy angeht, so sehe ich Neil Robertson oder Ronnie mehr als Favoriten, insofern sie die bisher gezeigte Form beibehalten.

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