Verschnaufpause bei der WM-Qualifikation

Oliver Sykes bei der Qualifikation. Großaufnahme seines Gesichtes im Profil während eines Stoßes
Oliver Sykes, ein Amateur mit bisher höchstem Break. © World Snooker/Tai Chengzhe

Die zweite und dritte Runde der WM-Qualifikation fühlen sich ein bisschen wie ein Niemandsland an zwischen dem aufregenden Auftakt und dem nervenzerrüttenden Abschluss, den Judgement Days. Das bedeutet für uns ein bisschen Verschnaufen, aber nicht wirklich. Und für die Spieler (leider keine Spielerinnen) natürlich auch nicht. Målin und Lula schauen zurück.

Amateure setzen in dieser Qualifikation Ausrufezeichen

Der zwanzigjährige Amateur Oliver Sykes hat sich schon bei der diesjährigen EM seine Tourkarte verdient und zeigt hier bei der WM schon vor seinem Profi-Start, was in ihm steckt. Die Partie gegen den erfahrenen Lyu Haotian gewann er nicht nur mit 10–8, sondern machte dabei mit einer 146 auch das bisher höchste Break des Turniers. Er spielt momentan gegen Zack Surety. Im Falles eines Sieges wäre er nur noch einen weiteren vom Einzug ins Crucible entfernt.

Mit Patrick Whelan macht ein weiterer Amateur hier von sich reden. Er hat bisher schon Ken Doherty und Robert Milkins aus dem Turnier gekegelt. Und momentan steht er mit einem 4–5 gegen Jackson Page ziemlich gut da. Er versucht schon seit einigen Jahren den Sprung auf die Tour, ist aber meistens knapp gescheitert. Die Qualifikation für die WM-Endrunde würde für ihn endlich die ersehnte Tourkarte bedeuten.

Auch Umut Dikme steht in Runde drei. Im Entscheidungsframe setzte er sich gegen Sam Craigie durch. Den wird es wohl besonders schmerzen, denn in der ersten Session kam er zu spät aus der Pause und verlor zur Strafe einen Frame. Dikme hat nun wie Wheelan noch die Chance, mit zwei Siegen die Tourkarte zu gewinnen. Sein nächster Stolperstein ist Jack Lisowski, gegen den bekanntlich alles oder nichts möglich ist.

Der Abend der erfolglosen Kommzurücks

Am Donnerstag gab es eine Reihe von Begegnungen, die schon früh sehr einseitig aussahen. Chang Bingyu gewann sein erstes Match eindrucksvoll mit 10–2 über Amateur Prin Ratmukda. Daneben gelang Jordan Brown eine zwischenzeitige Führung von 6–0 über Ian Burns. Marco Fu drehte in Windeseile, wie für ihn typisch, einen 2–4 Rückstand gegen Liam Davies in einen 9–5 Vorsprung. Bulcsú Révész ging früh mit 5–1 in Führung gegen Louis Heathcote und hielt ihn bis zum 9–5 auf Abstand. Und der schon angesprochene Oliver Sykes ging ebenfalls mit 9–5 über Lyu Haotian in Führung.

Es drohte ein langweiliger Abend zu werden, aber irgendwie lag es in der Luft. Das konnte nicht alles so glatt durchgehen, ein unglaubliches Comeback würden wir zu sehen bekommen. Und die Zurückliegenden gaben ihr Bestes. Ian Burns konnte zwischenzeitig zum 7–7 ausgeglichen, bevor er erneut mit 7–9 in Rückstand geriet. Lyu Haotian gewann drei Frames in Folge, bevor Oliver Sykes den letzten Frame zum 10–8 Erfolg holte. Liam Davies warf nochmal alles in die Waagschale und erreichte einen Decider gegen Marco Fu. Im Decider ging er auch direkt in Führung. Doch mit aller Erfahrung und seinen Augenproblemen zum Trotz gelang es Marco Fu diesen Decider noch auf die letzte Schwarze zu holen.

Einen besonders starken Eindruck während seines Comeback-Versuchs machte Louis Heathcote mit Breaks von 121, 51 und 65. Sehr zum Leidwesen des SnookerPro-Teams, denn wir sind gerade kollektiv im Bulcsú Révész Fieber. Insofern waren wir sehr erleichtert, dass auch dieses Comeback scheiterte und Bulcsú sich am Ende mit 10–8 durchsetzte. Alle Comebacks bisher waren gescheitert, wir drückten daher Steven Hallworth die Daumen, der zwischenzeitig 4–9 gegen Allan Taylor zurück lag. Das Match verlief etwas langsamer als die anderen, doch das Kommzurück endete schon nach dem sechsten Gewinnframe von Steven.

Alle Comebacks gescheitert? Nein. Ein einsames Match lief noch. Ian Burns gelang noch der erneute Ausgleich gegen Jordan Brown und die beiden gingen in einen späten Decider. Dieser dauerte 81 Minuten an und wurde somit zum längsten Frame der laufenden Saison. Nachdem Burns die Blaue genau im Tascheneinlauf liegen ließ, konnte Brown lochen und Burns brauchte Snooker. Er legte einen Snooker, Brown foulte und Burns erhielt direkt die Chance, den Frame zu stehlen. Doch nach dem Lochen von Pink verschoss er Schwarz als Double auf die Mitte und ließ Brown eine Möglichkeit liegen. Nach einem Match voller Wendungen gewann am Ende doch der, der nach sechs Frames schon uneinholbar vorne schien: Jordan Brown.

Erste Favoritensiege in Runde drei, nur Ford scheitert

Gao Yang setzt seine beeindruckende Serie fort. Nach Jimmy White und Mark Davis gewann er in Runde drei gegen Tom Ford und trifft am Judgement Day auf Hossein Vafaei. (Gao Yang hat in dieser Saison mehrfach Steven Hallworth geschlagen und nun hat er die Karriere von Mark Davis beendet. Er wird von mir bestimmt keine Weihnachtskarte erhalten, aber ich drücke ihm trotzdem die Daumen.)

Für die letzte Runde haben sich außerdem schon Matthew Stevens, Michael Holt, Zhou Yuelong, David Gilbert, Aaron Hill und Stuart Bingham qualifiziert.

Enge Partien am Vormittag

Noppon Saengkham und Ricky Walden gingen zwar ausgeglichen in die Pause, aber Saengkham zog anschließend auf 7–2 davon. Dabei machte er mehrere Maximumversuche und brachte uns damit zum Haareraufen. Wenn er sich heute Abend auf das Gewinnen der Frames konzentriert, wäre das sehr beruhigend. Das sollte während der Qualifikation zum wichtigsten Turnier des Jahres eigentlich selbstverständlich sein. Walden leidet augenscheinlich immer noch unter orthopädischen Problemen.

Besonders beeindruckend ist die 5–4-Führung am TV-Tisch: Liam Pullen war hier gegen Thepchaiya Un-Nooh der bessere Spieler.

Der Nachmittag fing mit einer Führung von Chang Binyu gegen Luca Brecel auch gut an. Wir gucken aber mit Argusaugen, wie Bulcsú Révész sich gegen Zhang Anda schlägt.

Die Qualifikation im Überblick

Die laufenden Spiele findet ihr hier, die komplette Übersicht steht auf unserer Turnierseite.

Liam Pullen bei der Qualifikation direkt beim Stoß.

Kann Liam Pullen die Führung über die Ziellinie bringen? © World Snooker/Tai Chengzhe

AutorIn: Målin

Målin mag Zahlen und Tabellen. Wenn sie gerade kein Snooker guckt, wirft sie wahrscheinlich einen Blick auf die Provisional Rankings. Ist durch Langeweile zum Snooker gekommen und weil sie schon in jungem Alter einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer hatte. Neben Artikeln kümmert sich Målin bei SnookerPRO um die Spieler*innenprofile. Twitter: @esel_freund

SnookerPRO folgen


Einwilligungserklärung Kontaktformular

Ja, ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und bin damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten elektronisch erhoben und gespeichert werden. Meine Daten werden von der Blogbetreiberin nur streng zweckgebunden zur Bearbeitung und Beantwortung meiner Anfrage benutzt und. Mit dem Abschicken des Kontaktformulars erkläre ich mich mit der Verarbeitung einverstanden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert