Ali Carter gewinnnt erstmals die English Open, holt damit seinen siebten Ranglistentitel und ist zurück in der Liste der Top 16.
Der Finalnachmittag startete aus Sicht von Mark Williams sehr vielversprechend. Er war der stärkere Spieler und ging mit einem soliden Vorsprung von 3–1 ins MSI. Nach der Pause konnte Ali Carter zwar noch zwei Frames holen. Williams blieb aber mit 5–3 zum Ende der Session in Führung.
Abends sollte sich das Bild dann aber recht schnell ändern. Ich hatte schon beim Einlaufen Bedenken, ob Mark Williams den Abend so gut überstehen wird. Und ich sollte recht behalten. Carter holte sich die ersten drei Frames und übernahm erstmals die Führung. Zum MSI konnte Williams dann zumindest nochmal ausgleichen. Nach der Pause war der Drops dann gelutscht. Carter war an diesem Abend einfach der bessere Spieler und holte sich auch noch die letzten drei Frames zum Sieg.
Spannenderes Halbfinale
Tatsächlich hatte ich von dem Finale der English Open nicht wirklich viel erwartet. Denn was bitte könnte das Halbfinale zwischen Mark Williams und Shaun Murphy toppen?
Was war das doch für ein intensives Match! Bis zum MSI sah es so aus, als würde Shaun Murphy einfach durchmarschieren, lag er doch mit 4–0 in Führung. Nach der Pause gelang es Mark Williams dann aber, immerhin einen Frame zu holen. Murphy ließ sich davon allerdings nicht abhalten, und legte gleich wieder nach. 5–1.
Einige hatten Williams zu diesem Zeitpunkt längst abgeschrieben. Doch dann geschah das Unerwartete. Stück für Stück und Frame für Frame reduzierte Mark Williams den komfortablen Vorsprung seines Gegners. Ich habe selten ein spannenderes Halbfinale gesehen. Dieses Bangen und Hoffen, ob Mark Williams das Kommzurück gelingen würde. Und dann war da plötzlich der Decider. Und was für einer…
Übersättigt trotz guter Gründe
Ich bin sehr froh, dass ich Samstagabend meine Unlust zum Snookerschauen überwunden hatte. Denn dieses Halbfinale hätte ich ungern verpasst. Vielleicht fragt ihr euch jetzt „Unlust“? Ja, tatsächlich.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bin irgendwie übersättigt. Denn faktisch reiht sich ein Turnier an das nächste. Ich persönlich komme kaum noch hinterher, wer jetzt gerade welches Turnier gewonnen hat. Wollte man tatsächlich alles verfolgen, bliebe das Leben komplett auf der Strecke. Hinzu kommt, dass Lohnarbeit und persönliche Unpässlichlichkeiten da ohnehin häufig einen Strich durch die Rechnung machen würden. Vielleicht ist Snooker aber auch wirklich eher etwas für die ungemütlichen Jahrenszeiten. Denn im Sommer möchten die Meisten ihre freie Zeit lieber im Freien verbringen.
Dabei gäbe es genügend Gründe, sich vor die Endgeräte zu setzen und Snooker zu schauen. Allein diese Saison gab es schon einiges zu erleben. Zwei Debütantensieger, ein Debütanten-Maximum und einige Spieler, die auf eimal eine unerwartete Leistung aufs Tablett brachten. Wie zum Beispiel David Gilbert oder Noppon Saengkham. Die Kolleg_innen haben dazu ja schon etwas geschrieben bzw. gesprochen. Vielleicht entwickelt sich auf der Main Tour gerade sowas wie ein Trend, der letzte Saison mit den bislang meisten unterschiedlichen Turniersiegern anfing. Inklusive dreier Debütanten. Mir soll es recht sein. Denn ich erinnere mich noch an einige Saisons, wo es mir überhaupt keinen Spaß mehr machte. Denn gefühlt standen immer dieselben Personen im Finale und darüber schreiben zu müssen, war echt müßig.
Wir wollen neue Gesichter, die frischen Wind in das ganze Geschehen bringen! Zwar haben wir fast alle unsere Favoriten, denen wir gerne beim Spielen zusehen und ihnen Erfolg wünschen. Aber machen wir uns nichts vor: Spieler kommen und gehen. Nur wenige halten es so lange durch, wie die sogenannte Class of 92. Und selbst da zeichnet sich so langsam auch ein Ende ab.
Ganz ehrlich: Der Nachwuchs ist da und hat bereits mehrfach in beeindruckender Weise gezeigt, wieviel Talent vorhanden ist. Jüngstes Beispiel ist Liam Davies. Der schaffte es bei den hiesigen English Open zum ersten Mal in seiner Karriere überhaupt in ein Viertelfinale. Indem er sehr stark den amtierenden Weltmeister besiegte. Auch sonst hat er diese Saison schon einige namenhafte Spieler in ihre Schranken gewiesen. Dass er im besagten Viertelfinale ausgerechnet auf seinen Landsmann Mark Williams treffen musste, ist bedauerlich. Sieht auch dieser so, wie er in dem Interview (unten auf der Seite) deutlich macht.
Was sonst noch geschah
Unser letzter Artikel ist ja nun auch schon wieder zwei Wochen her. Was in der Zwischenzeit so alles geschah, blieb aus den unterschiedlichsten Gründen von uns leider unkommentiert.
Jak Jones hat mit einem Sieg von 10–6 über Mark Selby die British Open gewonnen und damit seinen zweiten Ranglistentitel in dieser Saison und überhaupt eingefahren.
Bai Yulu hat zum dritten Mal in Folge die UK Snooker Women’s Championship gewonnen. Es ist ihr neunter Ranglistentitel, mit dem sie jetzt mit Mink Nutcharut gleichgezogen hat. Außerdem ist sie durch diesen Sieg wieder auf den ersten Platz der Rangliste geklettert.
Mark Williams wurde zum Präsidenten der Welsh Billards and Snooker Association (WBSA) gewählt.
Die nächsten Turniere
Bis zum 23. September finden nacheinander die sogenannten Qualifikationen für die Northern Ireland Open, International Championship und die Scottish Open statt.
Die nächsten „richtigen“ Turniere der Main Tour sind dann die Shenzhen Open (28.09.–04.10.) und die Northern Ireland Open (18.–25.10.). Bei den Frauen finden wie üblich fast parallel die Australian Women’s Open (17.–20.10.) und die Women’s Snooker Open (24.–27.10.) statt.
Wir halten euch auf dem Laufenden!












