Ein neuer Champion und eine neue Nummer 1

Zhao Xintong und Chang Bingyu posieren nach dem Finale der Wuhan Open 2026 für ein Foto. Vor Chang steht der Siegerpokal, ein verzierter Teller mit einer großen roten Kugel in der Mitte, umgeben von zwei Vögeln, vermutlich Pfauen.
Nach dem Finale der Wuhan Open haben beide was zu lachen. © World Snooker/Tai Chengzhe

Chang Bingyu gewinnt seinen ersten Ranglistentitel bei den Wuhan Open 2026. Im Finale besiegte er Zhao Xintong mit 10-7, dem der Finaleinzug reicht, um sich in der Weltrangliste an die Spitze zu setzen. Damit geht die „China Tour“ vorerst zu Ende. Zuvor holten sich Judd Trump beim Shanghai Masters und Mark Selby bei den China Open den Titel.

Nach dem langen Grillenzirpen hier im Blog konnten weder Lula noch ich Changs Debüttitel unerwähnt lassen, weswegen wir beide unabhängig voneinander einen Artikel über die vergangenen Snookerwochen in China geschrieben haben. Deswegen gibt es heute eine unfreiwillige Teamarbeit zwischen uns.

Nervenaufreibendes Finale in Wuhan (Målin)

Chang Bingyu hatte auf dem Weg ins Finale in Wuhan Judd Trump und Ronnie O’Sullivan geschlagen, Zhao Xintong hatte sich unter anderem gegen Neil Robertson und Wuhan-Dauersieger Xiao Guodong durchgesetzt. Manche erwarteten zwischen Chang und Zhao vermutlich ein Finale mit Century Festival. Aber es kam anders.

Die erste Session war ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Zwar legte Zhao direkt mit zwei Frames vor, doch Chang glich direkt aus, sodass im Folgenden nie mehr als ein Frame die beiden trennten. Auch wenn es keine Centuries gab, zu Matchbeginn nutzen beide ihre Chancen recht konsequent. Wer dem Anderen die erste passable Chance hinlegte, verlor dann auch den Frame. Am der Session holte sich Chang einen umkämpfteren Frame und ging somit mit einem Frame Vorsprung in die zweite Session.

Changs Clearance ohne Nerven zum Titelgewinn (Målin)

Was dem Finale an Centuries mangelte (am Ende erzielte Zhao mit einer 83 das höchste Break), machte es mit Drama wieder gut. Nach der Pause war Zhaos Spiel voller Fehler, was ein bestenfalls solide spielender Chang Bingyu nutzte, um seine Führung auf 7-4 auszubauen. Als er auf dem Weg zum 8-4 war, wirkte es wie eine Vorentscheidung. Doch Zhao konnte diesen Frame noch stehlen und läutete damit eine Aufholjagd ein. Zhao gewann einen kuriosen 14. Frame, in dem beide zwischen ein paar starke Bälle einige haarsträubende Fehler einbauten. Damit stand es 7-7.

Für Zhao Xintong war es das siebte Profifinale und er versuchte mit einem siebten Sieg mit Steve Davis gleichzuziehen. Doch trotz seines Erfahrungsvorsprungs konnte er das Momentum nicht nutzen. Nach dem Pleiten-Pech-und-Pannen-Frame war es Chang Bingyu, der besser in sein Spiel fand und erneut auf 9-7 davon zog. Im 17. Frame lag er schon hinten, bekam dann aber eine Chance auf die letzte Rote. Die verbleibenden Bälle lagen jedoch wenig einladend. Was er damit machte? Seht es euch unbedingt selbst an:

Emotionaler Chang Bingyu dankt seinen Eltern (Målin)

Kein Wunder, dass er nach dieser Bravour-Clearance und einem kurzen Jubel direkt in Tränen ausbrach. Ein erster Titel ist eben doch etwas ganz Besonderes. Für Chang Bingyu kam er nach schweren Zeiten, musste er sich nach seiner Sperre wegen Spielmanipulation erst wieder zurück kämpfen. Leider endete der Stream des Finals auf Discovery+ nach dem Händeschütteln. Das ist schade, ich finde die Zeremonie mit dem Überreichen der Trophäe gehört zur Finalberichterstattung dazu und es zeugt auch von Respekt dem Sieger gegenüber. Für alle, die es verpasst haben, gibt es einen Ausschnitt der Zeremonie jedoch auf Youtube.

Wuhan Open Champion Chang Bingyu dankte seinen Eltern, die viel für seine Snookerkarriere geopfert haben. Sein Vater habe das Haus verkauft und seinen Job aufgegeben, um mit ihm zum Training nach Guangdong zu fahren. Und während der letzten zwei Jahre habe seine Mutter ihn ständig begleitet und bei alltäglichen Aufgaben unterstützt.

Bei manchen bleibt ein mulmiges Gefühl (Lula)

Bei der Finalpaarung Zhao Xintong gegen Chang Bingyu in Wuhan kam trotz der Erwartung eines schönen Finales nicht bei allen beste Snookerstimmung auf. Ich möchte mich der Einschätzung der Kolleginnen von Total Clearance anschließen. Die sind wie ich der Meinung, dass die beiden das mulmige Gefühl, was bei einigen aufgekommen sein mag, selbst zuzuschreiben haben.

Doch versuche ich ja trotzdem, mich mit den Rückkehrern nach Sperren irgendwie wieder anzufreunden. Ich habe trotz einiger haarsträubender Fehler ein unterhaltsames Match gesehen und bin der Meinung, dass Chang Bingyu den Titel absolut verdient hat.

Judd Trump gewinnt Shanghai Masters, aber verliert die Nummer 1 (Målin)

Zuletzt war es ruhig hier im Blog bei SnookerPro. Die Wuhan Open waren das dritte und damit letzte Tournier eines kurzen China-Fensters zu Saisonbeginn. Dieses startete Ende Juli mit dem Shanghai Masters, einem Einladungsturnier. Für Judd Trumps Verhältnisse war die vergangene Saison wahrscheinlich nicht zufrieden stellend. Durch den Wegfall der 500.000 Punkte für den Gewinn des Sportswashing Masters 2024 drohte ihm nun der Verlust der Position als Weltranglistenerster.

Judd Trump Fans konnten aber zunächst beruhigt sein, er zeigte sich zu Saisonbeginn in absoluter Topform. Mit Siegen über Barry Hawkins, John Higgins, Weltmeister Wu Yize und im Finale gegen Lieblingsrivalen Kyren Wilson sicherte er sich den ersten großen Titel der Saison (sorry an Jak Jones). Leider gab es dafür keine Weltranglistenpunkte und bei den China Open und Wuhan Open konnte er aus seiner guten Frühform wenig Kapital schlagen. Damit rutscht er vorerst auf Platz 5 der Rangliste ab. Hier seht ihr die neue Top 5. Die vollständige Weltrangliste könnt ihr hier finden.

1 +2 Zhao Xintong 1.253.550
2 Neil Robertson 1.198.200
3 +1 Wu Yize 1.109.900
4 +1 Mark Selby 1.107.350
5 -4 Judd Trump 1.101.550

Kein Debüt-Titel für unsere Favoriten (Lula)

Danach ging es mit den China Open weiter. Das war soweit ein ganz schönes Turnier, besonders weil Kollegin Målin und ich je einen Lieblingsspieler im Halbfinale hatten. Leider gegeneinander, womit das tränenreiche Drama seinen Anfang nahm. Beide stehen auf der Liste der besten Spieler*innen, die noch nie ein Turnier gewonnen haben, ziemlich weit oben: Zhou Yuelong und Noppon Saengkham. Målin war die Erste, deren Daumendrücken vergeblich war. Zhou und Saengkham lieferten sich ein munteres Hin und Her und wechselbadeten uns in Hoffnung und Befürchtung, bevor Noppon den Entscheidungsframe mit einer 134 gewann. Nur um dann die Chance auf seinen langersehnten ersten Titel gegen Mark Selby zu vergeigen. Mit 4–2 führte er, dann legte Mark los und es stand 4–8. Noppon kämpfte weiter, holte noch zwei Frames, doch am Ende hatte Selby seine 26. Trophäe statt Saengkham seine erste. Damit hatten weder Målin noch ich das Finalwochenende, das wir uns so gewünscht hatten.

China Open: Neues Queue, alter Mark Selby (Målin)

Mit leichter Unruhe vernahm ich als Mark Selby Fan vor einigen Wochen die Neuigkeit, dass Mark Selby die Saison mit einem neuen Queue spielen würde. Warum denn? Von seinem alten Queue hörte man doch stets nur gutes und im Gegensatz zu anderen Spieler*innen war er ihm ja auch seit Urzeiten treu geblieben. Dahinter steckte aber wohl kein Frust oder verzweifelter Versuch mal etwas auszuprobieren. Sein altes Queue war über die Jahre einfach ein bisschen ausgespielt gewesen und hätte bald den Punkt erreicht, wo es nicht mehr zu reparieren gewesen wäre. Warum dann nicht zu Saisonwechsel mal ins kalte Wasser springen?

Die Sorgen sollten jedoch unbegründet bleiben. Mit dem Titel bei den China Open und einem straken Turnier meldete sich Mark Selby eindrucksvoll zurück, auch wenn Lula und ich etwas andere Hoffnungen hegten. Für mich war es jedoch gut zum Tränchen trocknen.

Erster Tag der British Open (Lula)

Aus China sind wir nun nach Großbritannien zurückgekehrt. Bei den British Open gab es heute die Heldover-Spiele der ersten Qualifikationsrunde. Dabei gab es nur Favoritensiege, auch wenn sich Weltmeister Wu Yize erst im Entscheidungsframe durchsetzten konnte. Auch die erste Hauptrundenpartie ist schon gespielt: Iulian Boiko konnte sich gegen Xu Yichen behaupten.

Alle Paarungen in der Übersicht mit Spielzeiten sowie die Ergebnisse findet ihr auf unserer Turnierseite. Zu sehen sind die Spiele kostenpflichtig auf HBO Max und einige Sessions laufen auf Eurosport 1 und 2.

AutorIn: Målin

Målin mag Zahlen und Tabellen. Wenn sie gerade kein Snooker guckt, wirft sie wahrscheinlich einen Blick auf die Provisional Rankings. Ist durch Langeweile zum Snooker gekommen und weil sie schon in jungem Alter einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer hatte. Neben Artikeln kümmert sich Målin bei SnookerPRO um die Spieler*innenprofile. Twitter: @esel_freund

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