Martin Gould: Gänsehaut-Momente im Tempodrom

Martin Gould, German Masters
Martin Gould von der Autorin kunstvoll im Bild eingefangen. © Lula Witzescher

Der aus London stammende Martin Gould spielt seit zehn Jahren auf der Main Tour. 2011 konnte er zum ersten Mal im Kreis der Top 16 vorstoßen und ist momentan die Nr. 20 der Weltrangliste. Er qualifizierte sich in diesem Jahr zum fünften Mal für die Endrunde in Berlin. 2016 gewann er hier gegen Luca Brecel den ersten Weltranglistentitel seiner Karriere, im Jahr darauf erreichte er das Halbfinale. Im Vorfeld des diesjährigen Turniers beantwortete Martin uns einige Fragen.

Lula Witzescher: Gibt es einen bestimmten Grund, warum du hier im Tempodrom zu so guter Form aufläufst?
Martin Gould: Ich denke, die Arena inspiriert mich dazu, gut zu spielen. Besonders vor diesen Fans hier in Deutschland ist es eine wahre Freude. Sie sind sehr respektvoll und sehr fachkundig, was das Spiel betrifft. Es war eine große Ehre, meinen ersten Major-Titel hier zu holen und beinahe noch zu schaffen, was noch niemandem gelungen ist – nämlich den Titel zu verteidigen.

War der Sieg hier der größte Augenblick deiner Karriere? Wie war das für dich?
Vor so einem großen Publikum den Titel zu holen war großartig! Ich kann mich noch erinnern, dass mir vor dem Finale die Nackenhaare hoch standen. Das Publikum war so laut, dass ich dachte, das Dach des Gebäudes hebt ab. Und sie haben während des Spiels nicht aufgehört, Luca und mich anzufeuern. Es war eine große Freude, mit dem Pokal die Runde durch die Arena zu machen.

Martin Gould am Trainingstisch, German Masters 2016

Martin Gould während des German Masters 2016 am Trainingstisch. © Lula Witzescher

Lula Witzescher: Mit Gary Wilson als Gegner in der ersten Runde und eventuell Titelverteidiger Anthony Hamilton in der zweiten: Welche Chancen rechnest du dir im diesjährigen Turnier aus?
Martin Gould: Bei dem Standard, den die Spieler heutzutage an den Tisch bringen, gibt es keine einfachen Spiele. Deshalb gucke ich immer nur auf das nächste Spiel und konzentriere mich darauf, gegen Gary zu spielen. Ich hoffe, dass ich es genießen und tolles Snooker zeigen werde.

Was für ein Spieler bist du?
Ich bin ein Spieler, der gerne Risiken eingeht und spiele sehr aggressiv. So war ich schon immer. Und ich bin jemand, der gerne Zeit mit den Fans verbringt.

Was magst du an deinem Leben als Snookerspieler? Was gefällt dir nicht so gut?
Es gibt eigentlich nichts, was ich nicht mag. Ich liebe meinen Job und habe großen Spaß daran. Manchmal ist es schwer, Kontakt zur Familie und zu Freunden zu halten. Aber ich bin mir sicher, dass die Menschen Verständnis dafür haben, dass ich viel unterwegs sein muss, um das zu tun, was am liebsten tue. Die langen Flüge können anstrengend sein, aber das Problem haben alle Spieler.

Bist du der Meinung, Snookerprofis stehe neben den erfolgsabhängigen Preisgeldern ein garantiertes Einkommen zu?
Ja, das denke ich, aber momentan ist es einfach, wie es ist. Man muss Barry Hearns [Chairman World Snooker] Ideen würdigen, aber hoffentlich nimmt er bald noch ein paar Verbesserungen vor.

Wer unterstützt dich am meisten (als Spieler und/oder als Person)?
Meine Familie, mein Vater, meine Schwester, mein Opa. Und auch wenn meine Mutter nicht mehr unter uns weilt, unterstützt und inspiriert sie mich immer noch auf andere Weise. Und natürlich geben mir meine Fans, die über die ganze Welt verteilt sind, viel Rückhalt.

Was ist dein größter Wunsch für die nächste Zeit?
Ich möchte weiterhin Spaß am Spiel haben, Turniere gewinnen und dem Publikum großartiges Snooker bieten.

Du bist dafür bekannt, viel für deine Fans zu tun. Du stehst immer für Fotos und Autogramme zur Verfügung und bist zum Beispiel über Facebook erreichbar. Was motiviert dich dazu?
Ich tue mein Bestes, um mit meinen Fans zu kommunizieren – ob persönlich oder über die sozialen Medien. Immerhin geben sie hart erarbeitetes Geld dafür aus, um uns zu sehen. Das weiß ich zu schätzen und deshalb möchte ich wenigstens ein paar Minuten meiner Zeit investieren, um Autogramme zu geben oder Fotos mit ihnen zu machen.

Was machst du gerne abseits des Snooker-Tisches?
In meiner Freizeit spiele ich gerne Golf. Und ich bin ein großer Darts-Fan, wenn sich die Gelegenheit bietet, spiele ich selber. Ansonsten bin ich gerne zu Hause, schaue Filme oder spiele Videospiele.

Hast du während deiner bisherigen Berlin-Besuche ein bisschen von der Stadt gesehen?
Ein paar Orte habe ich schon besucht. Aber bei dem engen Turnierplan hatte ich bisher noch keine Gelegenheit für eine ordentliche Berlin-Tour.

In welchem der Restaurants gegen über vom Tempodrom kann man dich während des German Masters am ehesten antreffen?
Mit hoher Wahrscheinlichkeit bin ich in dem Café oder Steak-Restaurant anzutreffen. Da gehe ich meistens hin, wenn ich gerade nicht spiele.

Wenn du irgendeine historische Person zum Abendessen einladen könntest, wer wäre das und warum?
Ich würde den Erfinder des Snookerspiels einladen. Ich bin mir sicher, ich hätte eine Menge Fragen an ihn … [lacht]

Herzlichen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten. Wir wünschen dir für das Turnier viel Erfolg und Spaß.

Den abschließenden Gruß von Martin Gould reichen wir im Original weiter: “Happy new year to all the readers and I look forward to seeing you all in Berlin.”

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderqueer), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Tanzt und performt im Nebenberuf, spielt Poi, schreibt sporadisch Geschichten (hat im letzten Jahr den Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, sucht dafür jetzt einen Verlag). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich häufig am Magic Mountain Berlin anzutreffen. Hasst Ronnie O'Sullivan nicht, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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