Es geht voran: Frauensnooker 2017

Venue Singapur
Beeindruckende Kulisse in Singapur. © Marina Bay Sands

Am 13. Februar um 23:59 Uhr endet die Meldefrist für die EDEN World Women’s Championship, die vom 13.–19. März 2017 im Billiard Lagoon in Toa Payoh, Singapur stattfindet. Alle Frauen, die Mitglied im nationalen Billardverband sind, können teilnehmen.

Vor mehr als einem Jahr wurde der Frauenverband, die WLBS (World Ladies Billiards & Snooker), unter die Fittiche der WPBSA (World Professional Billiards & Snooker Association) genommen und deren Chairman Jason Ferguson kündigte Schritte an, um Frauensnooker vorwärts zu bringen. Anlässlich der bevorstehenden Turniere – am Samstag, den 18. Februar findet die Connie Gough Memorial Trophy statt und im März die WM – wollte ich mal sehen, wie ernst dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt wird.

Mehr Aufmerksamkeit für Turniere der World Ranking Series

Eine besonders erfreuliche Neuerung ist das Paul Hunter Ladies Classic, dass 2016 erstmalig im Ballroom in Nürnberg ausgetragen wurde. Erfreulich ist das aus zwei Gründen: Erstens war es seit langer Zeit das erste Turnier, das nicht in den UK stattfand. Und zweitens wurde das Finale parallel zum Herrenturnier in der Fürther Stadhalle gespielt, was den Frauen zusätzliche Aufmerksamkeit einbrachte. Die Siegerin Ng On Yee konnte ein für Frauenturniere bisher unübliches Preisgeld von £2.400 mit nach Hause nehmen. Wir hoffen, dass das PHLC in diesem Jahr fortgesetzt wird und dann auch die Halbfinalspiele in Fürth stattfinden.

Die Turniere sollen eigentlich auch auf der Seite von World Snooker erscheinen, doch da konnte ich bisher nichts finden. Seit Mitte letzten Jahres sind die Turniere allerdings auf snooker.org zu sehen. Das Team dort versucht, die Turnierergebnisse soweit möglich aktuell anzubieten.

Zur Internationalisierung (und Steigerung der Aufmerksamkeit) trägt auch die Wahl des diesjährigen Austragungsortes Singapur für die WM bei. Immerhin kommen die einzigen Snooker-Profis aus HongKong und so ist es vielleicht mehr als sinnvoll, so ein wichtiges Turnier in Asien zu veranstalten. WLBS-Präsidentin Mandy Fisher erklärte: „Wir wollen den Wettbewerb um die Welt bringen und es ist wunderbar, in Singapur zu starten.“ Auch für weitere zukünftige Turniere in Singapur ist sie offen.

Erwartet werden ca. 35 Meldungen, ungefähr die Hälfte der Spielerinnen kommt vom asiatischen Kontinent. Die Kehrseite der Medaille ist natürlich, dass einige europäische Spielerinnen aus Kostengründen nicht antreten. Doch einige Spielerinnen wie Rebecca Granger und Laura Evans haben das benötigte Geld durch eine Crowdfundingkampagne gesammelt.

Die Auftaktveranstaltung zur WM wird eine große „Red Carpet“-Party an spektakulärem Ort werden, damit die Spielerinnen sich mal so richtig im Rampenlicht zeigen können. Wir hoffen, dass wir tolle Fotos bekommen. Und die beste Nachricht zum Schluss: Es ist auch ein Livestream geplant!

Unterstützung durch WPBSA

Der deutliche Anstieg der Preisgelder ist auch ein gutes Zeichen dafür, dass die WPBSA ihren Einfluss bei der Sponsor*innensuche nutzt. Insgesamt £15.000 sind bei der WM im Pott (2016: £5.000). Wurde im letzten Jahr die Weltmeisterin Reanne Evans mit £1.200 belohnt, wird die diesjährige Siegerin £5.000 erhalten. Außerdem bekommt der Frauenverband durch die WPBSA Unterstützung personeller Natur genauso wie durch Prestige und Erfahrung. Der fleißige Media Officer Matt Huart saß zum Beispiel während des gesamten German Masters mit WLBS-Marketingdirektorin Diana Schuler im Keller des Tempodrom, um an dem Programm zur WM zu arbeiten – wie Beweisfotos zeigen.

Jason Ferguson hat sich auch zur Aufgabe gemacht, englische Snookerclubs zur Vernunft zu bringen, die immer noch Frauen den Zutritt verwehren. Rebecca Granger konnte aus diesem Grund als Beste in ihrem Team bei einem Ligaspiel nicht antreten und auch Peter Lines machte eine Erfahrung, die im Jahr 2017 absurd anmutet: Der ehemalige Profi musste bei einem seiner Amateurspiele auf seine Frau als Zuschauerin verzichten.

Ran ans Queue: Nur ein kleiner Schritt bis zur Weltrangliste

Auf der aktuellen Weltrangliste befinden sich 80 Spielerinnen, ungefähr 20 davon können 50+Breaks spielen. Das ist im Vergleich zur Masse an spielenden Männern natürlich extrem wenig, hat aber auch den Vorteil, dass der Zugang für die Frauen sehr einfach ist: Es reicht, beim nationalen Verband Mitglied zu sein und schon kann jede Spielerin an den Turnieren der World Ranking Series teilnehmen. Ausdrücklich sind Spielerinnen jeden Niveaus eingeladen, das Queue auszupacken und anzutreten. Diana steht unter WLBS(a)dianaschuler.de für Auskünfte zur Verfügung.

Geplant sind – analog zum Ladies‘ Day bei den World Snooker Championship – außerdem Open Days vor den (Männer)Turnieren, um mehr Mädchen und Frauen auf die Möglichkeiten des Sports aufmerksam zu machen.

Frauen auf der Main Tour?

Der Weg auf die Main Tour ist für Frauen immer noch extrem schwierig. Nur eine Handvoll Spielerinnen haben eine Chance, sich dort gegen einen Spieler durchzusetzen. Reanne Evans holte gegen Ken Doherty in der WM-Qualifikation 2015 immerhin ein 8-10, eine beeindruckende Leistung. Ng On Yee konnte ein Jahr später Peter Lines aber nur einen Frame abnehmen. Tatjana Vasiljeva verlor gegen Marco Fu beim letztjährigen Riga Masters zwar 1-4, zwei Frames allerdings erst auf Schwarz. Der einzige Weg auf die Tour führt momentan über die Q-School, die Amateur-WM oder die Europameisterschaft, wo sich noch keine Frau durchsetzen konnte. Die Idee, wenigstens der amtierenden Weltmeisterin eine Wildcard zu geben, wird nicht ernsthaft diskutiert. Zumindest darf die amtierende Weltmeisterin Reanne Evans in diesem Jahr noch einmal in der Qualifikation zu den World Championships antreten. Ob das im Jahre 2018 auch wieder so sein wird, steht noch in den Sternen.

Wir können also durchaus auf Fortschritte blicken, doch noch ist der Weg zu einer auch nur annähernden Gleichberechtigung so weit, dass ich befürchte, es nicht mehr mitzuerleben.

Zum Schluss noch zwei Originalstimmen: WLBS President Mandy Fisher: “We must thank our title sponsor Eden Resources and the fantastic support we have received from Cuesports Singapore. These are exciting times for us as we see continue to see our events grow.“

WPBSA Chairman Jason Ferguson: “Assisting WLBS in its growth is a vital part of our sports global development. The talent is there in the women’s game and I am sure that with more events and with increased prize money to play for, more women and girls will fight their way through to compete on the World Snooker Tour.”

Vasiljeva, Tatjana

Tatjana Vasiljeva, momentan Fünftplatzierte in der Weltrangliste. Foto © Monique Limbos


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher