British Open 2022: Ryan Day kämpft sich durch

British Open Gewinner Ryan Day im Konfettiregen mit Pokal in der Hand
Ryan Day feiert den größten Sieg seines Lebens © World Snooker/Tai Chengzhe

Ryan Day gewinnt das Finale der British Open 2022 gegen Mark Allen mit 10–7. Er holt sich damit seinen vierten Ranglistentitel, die Clive-Everton-Trophy und £100.000 Preisgeld. Unser Gastautor Ralf blickt auf das Turnier zurück.

Finale der British Open 2022: Day über den Kampf zum Sieg

Nach den gezeigten Leistungen unterhalb der Turnierwoche und vor allem im Halbfinale galt Mark Allen als klarer Favorit auf den Titel. Ryan Day zeigte sich aber deutlich verbessert und so ergab sich ein Kopf-an Kopf-Rennen bis zum Stand von 7–7.

Mit seiner kämpferischen Einstellung kaufte Day Allen den Schneid ab, der plötzlich Nerven zeigte. Day nutzte die Fehler von Allen eiskalt aus, gewann die entscheidenden Frames zum 10–7 und holte sich so den vierten Ranglisten-Titel in seiner 23-jährigen Karriere.

Dadurch verbessert sich Ryan Day in der Weltrangliste um elf Plätze auf Rang 16. Mark Allen macht vier Plätze gut und ist nun 10.

Für Ryan Day ist dies nach eigener Aussage der erste „richtige“ Titel. „Ich bin einfach glücklich, wie ich das Spiel hier zu Ende gebracht habe. Die drei Turniere, die ich bisher gewonnen habe, waren nicht die größten Events. Aber dieses hier, auf englischem Boden und mit meiner Familie im Publikum, das ist der größte Sieg meines Lebens.“

Zwei sehr unterschiedliche Halbfinale

Die Halbfinal-Auslosung ergab die Paarungen Mark AllenNoppon Saengkham und Ryan DayRobbie Williams. Dabei zeigte sich Mark Allen am Samstagnachmittag von seiner Schokoladenseite und ließ Noppon Saengkham beim 6–1 mit einer Klasse-Leistung kaum eine Chance.

Im anderen Halbfinale am Samstagabend sahen die Zuschauer einen Kontrast zum tollen Snooker des Nachmittags. In einer sehr zähen Partie mit vielen vermeidbaren Fehlern holte Ryan Day nach einem 2–4 Rückstand gegen Robbie Williams drei Frames in Folge. Beim Stand von 5–4 schien er das Momentum für den Sieg auf seiner Seite zu haben. Williams aber konterte und erzwang den Decider. Beim Stand von 24–28 gewann Day nach einer langen Roten mit einem 45er Break den entscheidenden Frame und zog in sein neuntes Ranglistenturnier-Finale ein.

Die Viertelfinale

Das Top-Match im Viertelfinale zwischen Mark Selby und Mark Allen hatte seine entscheidende Phase im siebten Frame beim Stand von 3–3. Selby führte bereits mit 51–12, verschoss dann aber eine lange Rote. Allen stahl den Frame mit einem 47er Break, holte mit einem Century auch den achten Frame und zog so mit einem 5–3 ins Halbfinale ein.

Mit einem 5–1 über Lyu Hoatian erreichte Robbie Williams zum dritten Mal in seiner Karriere das Halbfinale eines Ranglistenturniers.

Noppon Saengkham tat es ihm gleich und schaffte es mit einem 5–3 gegen Jamie Jones ebenfalls zum dritten Mal in eine Ranglistenturnier-Vorschlussrunde.

Komplettiert wurde das Halbfinale durch Ryan Day, der beim Stand von 4–4 den Decider mit einer 124er Total Clearance gegen Yuan Sijun gewann.

British Open Gewinner Ryan Day am Snookertisch

Ryan Day mit hervorragender Leistung bei den British Open © World Snooker/Tai Chengzhe

Achtelfinale: Der magische Mark Selby

Zwei Top-Matches hatte das Achtelfinale zu bieten: Judd TrumpMark Allen und Mark SelbyJack Lisowski.

Mark Selby bestätigte seine bereits bei den World Mixed Doubles gezeigte, aufsteigende Form und schwang sich nun zu einer überragenden und magischen Leistung auf. Im ersten Frame gelang ihm in einer unvorteilhaften Stellung auf Rot ein Treble auf die Mitteltasche. Beschwingt durch dieses Kunststück war der Weg frei zum frenetisch gefeierten Maximum, dem vierten in der Karriere von Mark Selby.

Am Ende stand ein hoch verdientes 4–1 gegen einen durchaus gut spielenden, aber dennoch klar unterlegenen Jack Lisowski.

Mark Allen startete stark mit einer 2–0 Führung gegen Judd Trump, konnte nach dem 2–2 Ausgleich wieder mit 3–2 in Führung gehen, musste aber letztlich doch in den Decider. Das Glück war hier aber auf seiner Seite, als er Judd Trump zweimal unbeabsichtigt snookerte und so am Ende mit 4–3 gewann.

Nachdem er bereits bei den European Masters das Viertelfinale erreicht hatte, schaffte es Jamie Jones mit einem 4–2 gegen Ben Woollaston erneut unter die letzten Acht.

Zweite Runde: Desaster für die chinesischen Spieler

Von den elf chinesischen Spielern, die es in die zweite Runde schafften, sollten nur zwei weiterkommen. Zhao Xintong schied mit 1–4 gegen einen stark aufspielenden Noppon Saengkham aus. Ding Junhui zog mit 2–4 gegen Robbie Williams den Kürzeren.

Ein Whitewash von Judd Trump gegen Xu Si (4–0), Yan Bingtao (3–4 gegen Jordan Brown), Lu Ning (1–4 gegen Jack Lisowski) und Xiao Guodong (3–4 gegen Graeme Dott) machten den katastrophalen Tag aus chinesischer Sicht perfekt.

Graeme Dott benötigte im Decider gegen Xiao Guodong bereits zwei Snooker. Er schaffte dies auf die letzte Rote und holte damit die benötigten Foul-Punkte, um anschließend mit den Farben das Match einzufahren.

Held-Over-Qualifikation und 1. Runde

Am ersten Tag wurden sowohl die Held-Over-Qualifikationsmatches der Top 16 sowie der größte Teil der ersten Runde gespielt. Ronnie O’Sullivan kam nicht über die Qualifikation hinaus und verlor gegen Alexander Ursenbacher mit 1–4. Schon bei den World Mixed Doubles am Wochenende zuvor war er nicht in Normalform. Nun kassierte er gegen den Schweizer, der ihn bereits bei den Welsh Open 2019 und den UK Championship 2020 besiegt hatte, im dritten Aufeinandertreffen die dritte Niederlage.

Shaun Murphy dürfte sich über seine Niederlage im Qualifikationsmatch gegen Gary Wilson besonders geärgert haben. Beim Stand von 3–3 holte er im Decider einen Rückstand auf. Danach war er bei der alles entscheidenden letzten Schwarzen beim Stand von 51–49 nur noch einen Stoß vom erfolgreichen Frame-Steal und Matchgewinn entfernt. Murphy lochte zwar Schwarz, der Spielball fiel aber auch, aufgrund des ungünstigen Winkels zur Mitteltasche. Wilson war schon auf dem Weg zur Gratulation an Murphy, der wie versteinert beobachtete, wie der Spielball in der Mitteltasche verschwand.

Kein Sieg trotz 900. Century

In der 1. Runde spielte John Higgins sein 900. Karriere-Century, was außer ihm bisher nur Ronnie O’Sullivan geschafft hat. Trotzdem verlor Higgins sein Erstrunden-Match gegen Yuan Sijun auf wieder einmal tragische Weise. Beim Stand von 3–3 und einer Führung von 64–8 verpasste er im Decider die letzte Rote, gleichzeitig der Frameball. Yuan Sijun stahl den Frame noch und siegte letztlich mit 4–3. Higgins bezeichnete die Niederlage später als „unverzeihlich“ und stellte fest: „Man kann dies der Liste von so vielen Fällen hinzufügen, in denen ich kurz vor der Ziellinie zusammengebrochen bin. Es wird nur schlimmer, wenn man älter wird.“

Der Titelverteidiger Mark Williams schied überraschend gegen Ben Woollaston aus. Danach gab er zu, sich nicht ausreichend auf das Turnier vorbereitet zu haben. Allerdings fand er nicht, dass es das allerschlechteste Match war, dass er jemals gespielt hat.

Auch den Sieger des ersten Ranglistenturniers der Saison, Kyren Wilson, erwischte es in der ersten Runde. Nachdem er Barry Hawkins noch vor knapp vier Wochen im Finale der European Masters in Fürth besiegen konnte, spielte Hawkins diesmal mit Breaks von 72, 120, 78 und 134 groß auf und gewann mit 4–1.

Für Lukas Kleckers war ebenfalls in der ersten Runde Schluss: 1–4 gegen Robbie Williams, der es später noch bis ins Halbfinale schaffen sollte.

Alle Ergebnisse und Artikel findet ihr in der Übersicht auf unserer Turnierseite.

Ein Ausblick auf die nächsten Wochen: Weiter geht es am Wochenende vom 7.bis 9.10. mit dem Einladungsturnier in Hong Kong, bevor vom 9. bis 14.10. der erste Qualifikations-Teil für die Scottish Open gespielt wird und es vom 16. bis 23.10. bei den Northern Ireland Open wieder um Weltranglistenpunkte geht.

Dieser Artikel wurde von Gastautor*in Ralf verfasst und spiegelt nicht die Meinung der SnookerPRO-Redaktion wider. Interesse auch auf SnookerPRO.de zu veröffentlichen? Alle Infos hierzu gibt es auf unserer Mitmachen-Seite.

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