Well (s)potted: Lulas WM-Finale

Selby O'Sullivan
Mark Selby und Ronnie O'Sullvian - the toughest competitors on tour. © M. Limbos © Monique Limbos

Wenn ich vor der WM nach meinem Traumfinale gefragt wurde, hätte ich natürlich am liebsten Mark Davis gegen Alan McManus geantwortet. Aber ich kann gut unterscheiden, zwischen Träumen, die zum Träumen da sind und Träumen, die sich erfüllen können. Und so war meine Antwort immer O’Sullivan gegen Selby. Dass die Snookerheiligen mich erhört haben, erfüllt mich mit heller Freude und so feiere ich seit gestern 23:41 Uhr mit dieser vielleicht ein wenig lächerlichen Hymne.

It’s such a good vibration, it’s such a sweet sensation!
Yo it’s about that time to bring forth the rhythm and the rhyme.
I’m a get mine so get yours I wanna see sweat comin’ out your pores.

Ihr seht, meine Erwartungen sind relativ hoch.

Kalte Hände: ja, kalte Füße: nein. Foto © M. Limbos

Ronnie O’Sullivans Weg ins Finale
10:4 gegen Robin Hull
13:11 gegen Joe Perry
13:3 gegen Shaun Murphy
17:7 gegen Barry Hawkins

Kurz: Ein solider Sieg, ein nervenkitzeliges Comeback, zwei gesparte Sessions.

Mark Selbys Weg ins Finale
10:9 gegen Michael White
13:9 gegen Allister Carter
13:5 gegen Alan McManus
17:15 gegen Neil Robertson

Kurz: Ein Thriller gleich zu Beginn, zwei solide Siege, ein 12stündiges Armdrücken.

Es ist die Frage, ob O’Sullivan durch den gestrigen freien Tag einen Vorteil hat. Mark ‘Obviously’ Selby fühlte sich direkt nach dem langen Semifinale offensichtlich nicht sehr erschöpft, befürchtete allerdings, dass er wegen des Adrenalins nicht schlafen könnte. Er sprach zuversichtlich über seine Begegnung mit dem Favoriten und lässt keinen Zweifel daran, dass er das Spiel gewinnen will. „Ronnie ist ein Genie – er fürchtet niemanden. Teilweise hat er großartiges Snooker gespielt, aber teilweise hat er auch Bälle verschossen und niemand hat ihn dann unter Druck gesetzt.“ Offensichtlich traut er selber sich diese Aufgabe zu. Und er hat auch allen Grund für dieses Selbstbewusstsein. Nach einer durchwachsenen Saison hat er bei der WM eine immer besser werdende Form gezeigt. Gerade im Spiel gegen Robertson hat er große Konstanz gezeigt, es gab keine „schlechte“ Session und sein Siegeswillen war jederzeit sichtbar. Man kann ihm getrost glauben, dass er sich trotz Robertsons Gegenwehr ziemlich relaxed gefühlt hat. Wenn er noch genug Energie hat und diese Konstanz und Zähigkeit an den Tag legt, dann könnte er O’Sullivan auf die Pelle rücken und es ihm schwer machen, sein Spiel zu machen.

Unnötig zu erwähnen, dass das hart werden wird. Wie ich in meinem Rückblick auf O’Sullivans Halbfinale schon erwähnte: Es gibt keine offensichtlichen Schwachstellen mehr in seinem Spiel. Wenn er einmal im Flow ist und die Bälle rollen, ist es sowieso nicht zu schlagen. Aber auch seine Selbstbeherrschung, die Abwesenheit vom berühmten „Ich-will-hier-raus“, macht ihn zu einem schwer zu knackenden taktischen Spieler, der zwar langsamer als früher, dafür aber wesentlich sicherer spielt. Und ich sehe bei ihm selber keinen Zweifel, dass der „Mann formerly known as The Rocket – now The Sailplane“ sich mit dem dritten Titel in Folge seine sechste WM-Trophäe holt, falls ihm nicht Rob Walker vor der Partie mit seinem stählernen Handschlag die Finger zerquetscht.

Vielleicht erhören die Snookerheiligen ja auch diesmal meinen Wunsch: Ich wünsche mir einen spannenden Wettkampf und dass die WM mit einem packenden Finale am Montag Abend endet. Und ich wünsche mir, dass Mark Selby gewinnt, damit er den Henkeltopf auch mal zuhause hat und uns Ronnie O’Sullivan mit seiner unbestreitbaren Lust auf Stephen Hendrys „ewigen“ Rekord von sieben Weltmeistertiteln noch mindestens ein Jahr länger erhalten bleibt.


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

2 Gedanken zu „Well (s)potted: Lulas WM-Finale

  1. Claudia

    Einerseits könnte man wirklich denken, dass Ronnie das Ding mit nach Hause nimmt. Andererseits hast du absolut recht, dass Selby ihm das Leben gehörig schwer machen könnte. Es wird definitiv ein verdammt spannendes Duell. Zumindest spannender als das Halbfinale von Ronnie…

    Danke für die super Zusammenfassung und Einschätzung der beiden während der WM! Hoffen wir, dass die „Snookerheiligen“ uns ein spannendes Finale bescheren und nicht heute schon alles entschieden wird.

  2. Stephan von Amstel

    Liebe Lula!
    Unterschreibe all Deine Final- Gedanken völlig bedenkenlos mit absolutem Wohlwollen! :-)

    Nur eine Einschätzung hinzu:
    Wenn der Segler Ronnie („the wonder of Wordsley“) sich hier den 6. Titel holt- wovon man ausgehen müsste- hat er sicher auch Lust auf die Nummer 7 und 8 und maybe 9…!

    (O-Ton Ronnie Interview 2013: „Ich denke, mir bleiben noch circa 4 bis 5 Jahre auf höchstem Niveau…“

    Ich persönlich denke und hoffe, er bleibt uns sogar noch länger erhalten- Diven von solch herausragend talentiertem Geblüte gehen äußerst ungern von der Bühne ihrer größten Erfolge- sie brauchen nur immer 11 Monate pro Jahr, um sich dessen gewahr zu werden…! ;-)

    Schönen Nachmittag wünscht
    Stephan

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