Die erste Runde – Erfolgreiche Kommzurücks und Zittersiege

Fu, Brecel WM 2017
Marco Fu, Luca Brecel © World Snooker

Das mit Abstand Schönste an der WM sind in meinen Augen die langen Spiele. Nur so können wir solch spannende Begegnungen erleben wie die von Luca Brecel gegen Marco Fu. „The Belgian Bullet ist kaum aufzuhalten“ titelten wir, als Brecel nach der ersten Sitzung 7–2 in Führung lag. Und wir lagen falsch. Ein völlig anderer Fu als am Vortag glich zwischenzeitlich zum 8–8 aus und fing den Belgier trotz dessen 9–8-Führung noch im Entscheidungsrahmen ab.

Zittersieg von Shaun Murphy

Gegen Yan Bingtao machte auch Murphy es ziemlich spannend. Hier ging der Engländer 9–5 in Führung, brachte dann aber das Spiel nicht über die Ziellinie. Der stark spielende junge Chinese kam noch bis auf 8–9 heran, bevor Murphy auf Schwarz den Sieg holte. Wahrscheinlich hatte Murphy dabei immer vor Augen, dass er gegen Yan schon in der Qualifikation zum German Masters ausgeschieden war. Doch auch hier war das lange Format eher von Vorteil für den erfahreneren Murphy.

Bisher keine Crucible-Schocks…

Mit McGill ist bisher erst ein einziger gesetzter Spieler ausgeschieden. In allen anderen Partien konnten sich die Favoriten durchsetzen, wie auch bei John Higgins 10–6 Martin Gould, Ding Junhui 10–5 Zhou Yuelong, Liang Wenbo 10–7 Stuart Carrington, Mark Allen 10–8 Jimmy Robertson und Stuart Bingham 10–5 Peter Ebdon.

…außer beim Titelfavoriten?

Doch bei den noch ausstehenden Partien könnte eine dicke Überraschung lauern: Titelfavorit Judd Trump liegt gegen den „flotten“ Rory McLeod mit 7–9 hinten. Trump war gestern hervorragend ins Spiel gestartet und 4–0 in Führung gegangen. Doch McLeod kratzte sich Punkt für Punkt zusammen und profitierte dabei auch von einem stark nachlassenden Trump. Das bisher höchste Break in diesem Spiel war eine 77 von McLeod. Zu Beginn der heutigen Sitzung konnte Trump den ersten Rahmen für sich entscheiden und so den Lauf von McLeod erst einmal stoppen. Doch im Laufe der Sitzung wurde klar, dass Trump Probleme mit seiner Schulter hat und dementsprechend spielte er auch: keine Queuekraft, schlechte Spielballkontrolle und daraus resultierende Stellungsprobleme. Das unangenehm anzuschauende Spiel ist der erste Nachsitzer der WM: Beim Stand von 9–7 für McLeod wurden sie vom Tisch genommen und spielen den Rest heute Abend, wenn Hawkins/Ford oder Day/Guodong fertig sind.

Alles offen in drei Partien

Bei Ryan Day gegen Xiao Guodong hat der Chinese die Nase vorn, es steht 3–6. Neben tollen langen Bällen von Xiao gab es viel Pech für Day auf dem Weg zu einem 0–4 Rückstand. Im zweiten Rahmen verschoss er Braun, den Frameball, womit eine anhaltende Verunsicherung ihren Lauf nahm. Im vierten Frame verschoss er eine Rote, während Xiao einen ähnlichen Ball lochte und sein Selbstvertrauen damit aufbauen konnte. Day hatte im selben Rahmen noch eine unglückliche Berührung mit Schwarz, die dann nicht regelgerecht fiel. Doch nach der Pause lief es viel besser für den Waliser: Er holte drei Frames in Folge mit Breaks von 125 und 72. Die beiden letzten umkämpften Rahmen holte sich Xiao, doch Day hatte auch hier seine Chancen und auch Xiao wirkte nicht mehr ganz so souverän.

153Im Spiel Ali Carter gegen Graeme Dott liegt ebenfalls der Qualifikant vorne: Der Weltmeister von 2006 führt 8–7, doch Carter hat schon einen drei-Rahmen-Rückstand aufgeholt und hält hier mit.

Neil Robertson spielt souverän gegen einen etwas nervösen Debütanten Noppon Saengkam und führt 5–1. Zwischendurch war er kurz auf Rekordkurs, hat sich dann aber verstellt. [Stand 18 Uhr.]

Abseits des Tisches

Die Kontroverse um O’Sullivan hatte gestern ihren zweiten Akt und dabei bekam The Rocket Schützenhilfe aus dem Spielerlager. Sowohl Stuart Bingham wie auch John Higgins erklärten ihr Verständnis für seine Beschwerde. Bingham erklärte, dass auch er sich fühlte, als würde ihnen ein Maulkorb verpasst. “You hear there are no characters in the game but we feel we are doing interviews like this with tape over our mouth”, waren seine Worte. Higgins bestätigte, es gäbe zu strenge Regelungen in den Spielerverträgen und der einzige Weg, das zu ändern, wäre ein gemeinsames Vorgehen aller Top-Spieler. Doch gleichzeitig betonte er seine Zweifel, dass das geschehen würde. “But I don’t think every top player is going to stand together”, sagte er.

O’Sullivan selber erklärte, er würde erst nach der Weltmeisterschaft wieder Kommentare dazu abgeben und würde sich bis dahin auf den Gewinn seines sechsten Titels konzentrieren. Monique Limbos hat die Originalstimmen in ihrem Artikel zusammengefasst, inklusive der Meinungen von World Snooker und WPBSA.

Rory McLeod

Rory McLeod, wegen seiner schmerzhaften seiner Spielweise auch Zahnarzt genannt. © World Snooker

 

 


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren depressiven Snookerroman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

2 Gedanken zu „Die erste Runde – Erfolgreiche Kommzurücks und Zittersiege

  1. Lula Witzescher Artikelautor

    Ach, das habe ich doch nur aus dem Internet abgeschrieben. Und was soll erst werden, wenn der erste Spieler seinen Rahmen mit einem Jahrhundert-Bruch gewinnt?

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