Mind Panchaya mit Sieg über Titelverteidigerin Bai Yulu

Bai Yulu, Schiedsrichterin Zhou Yanxi und im Vordergrund Panchaya Channoi stehen alle beisammen und werfen einen konzentrierten Blick auf das Spielgeschehen im Viertelfinale der Weltmeisterschaft der Frauen.
Überraschung? Mind Panchaya voll fokussiert auf den Sieg. © WWS/Matt Huart

Die erste große Überraschung der Weltmeisterschaft der Frauen ist perfekt. Bai Yulu wird in diesem Jahr ihren Titel nicht verteidigen. Im Viertelfinale besiegte Panchaya Channoi, Spitzname Mind, die Titelverteidigerin im Decider. Mink Nutcharut gewann gegen Jel Narucha.

In den beiden Viertelfinal-Partien der unteren Hälfte setzen sich ebenfalls die Favoritinnen Ng On Yee (gegen Liu Ziling) und Reanne Evans (gegen Narantuya Bayarsaikhan) jeweils mit 4–2 durch.

Bisher wenig Überraschungen in der K.O.-Runde

Nachdem die Gruppenphase ohne größere Überraschungen vonstatten ging, blieb dieser Trend in der Knock-Out Runde bestehen. Ein Achtungszeichen konnte Tessa Davidson setzen, die erst Rebecca Kenna in der ersten Runde besiegte und danach Jel Narucha bis in einen Decider zwang. Aber da Tessa eine sehr starke und vor allem beständige Spielerin ist, kann man von einer großen Überraschung eher nicht sprechen.

Für einige Spielerinnen des erweiterten Favorinnenkreises war in der Runde der letzten 16 Schluss. Anupama Ramachandran verlor gegen Mink Nutcharut. Baipat Siripaporn, die Weltmeisterin von 2023, schied mit 1–4 gegen Ng On Yee aus. On Yee hatte zuvor gegen Li Bihan noch gerade so vermeiden können, das Opfer der diesjährigen großen Überraschung zu werden.

Viertelfinale: Favoritinnen gegen Underdogs

Die „Großen Vier“, die vier Frauen, die in der vergangenen Saison auf der Tour spielten und derzeit die Frauentour dominieren, Bai Yulu, Ng On Yee, Mink Nutcharut und Reanne Evans erreichten so alle weitestgehend mühelos das Viertelfinale. Logischerweise hatten sie dort alle den Favoritinnen-Status inne. Drei von ihnen sollten gegen drei junge Talente antreten: Mink gegen Jel Narucha, Bai Yulu gegen Mind Panchaya und Ng On Yee gegen Liu Ziling. Reanne Evans trifft auf die erfahrenere Narantuya Bayarsaikhan, die zuletzt häufiger beim Heyball als beim Snooker zu sehen war.

Mink mit starker Vorstellung

Mink Nutcharut zeigte sich bisher in guter Verfassung. Die Gruppenphase sowie die ersten beiden K.O.-Spiele überstand sie ohne Frameverlust. Dabei spielte sie auch die meisten Breaks von 50 und mehr Punkten inklusive des bisher höchsten Breaks von 89 (gleichauf mit Bai Yulu). Besonders hervorzuheben ist der 4–0-Sieg über Anupama Ramanchandran, denn sie ist mitnichten eine schwache Gegnerin.

Im Viertelfinale heute Morgen traf Mink dann auf ihre Landsfrau Jel Narucha, die sich durch zwei Decider in ihren K.O.-Matches kämpfen musste. Zwar musste sie diesmal einen Frame abgeben, doch mit einer Vielzahl an soliden Breaks setzte sie sich erneut sehr souverän durch.

Mind Panchaya sorgt für die größte Überraschung

Im Vorfeld der Weltmeisterschaft hatte ich ein bisschen ein Auge auf Mind Panchaya geworfen. Die 18-jährige Thailänderin hatte letztes Jahr schon den U-21-WM-Titel gewonnen und seitdem immer wieder gute Achtungserfolge gezeigt. Positiv aufgefallen war mir auch, dass sie bei der WSF Championship nicht nur bei den Frauen, sondern auch bei den gemischten Wettbewerben der Junior*innen und dem Hauptwettbewerb teilgenommen und sich dort nicht schlecht geschlagen hatte. Auch unabhängig von den Resultaten zeugt das für mich von Selbstbewusstsein und Ambitionen.

Mind qualifizierte sich bei der WM ebenfalls ohne Frameverlust in ihrer Gruppe und behielt auch in den ersten beiden Runden der K.O.-Phase eine weiße Weste. Im Viertelfinale gegen Bai Yulu startete sie stark. Mit einem Break von 74 Punkten machte sie der Titelverteidigerin gleich im ersten Frame Druck. Dann wechselten die beiden sich mit Framegewinnen immer ab. Ich schaltete zu Beginn des 6. Frames ein, als Mind mit 3–2 in Führung lag. Mein Interesse war direkt geweckt und ich schaffte es ein bisschen schneller aus dem Bett als an einem gewöhnlichen Sonntag. Ein Break von 30 Punkten brachte Bai im Frame schnell in Führung und sie konnte diese dann auch bis zum Ende des Frames verteidigen. Decider!

Spannung im Decider

Der Decider war etwas zerfahrener als das Match bis dahin. Es sollte der einzige Frame ohne ein Break von mind. 30 Punkten werden. Dennoch war er nicht durch viele Lochfehler geprägt, es fehlte beiden Spielerinnen nur ein paar Zentimeter oder ein kleines Quäntchen Glück im Stellungsspiel. Im Decider ging Mind zunächst in Führung, musste dann aber im Break irgendwann mit einer Safety aussteigen. Dann zeigte sie, dass sie nicht nur im Lochspiel, sondern auch im taktischen Spiel gewillt war, ihrer Kontrahentin Paroli zu bieten. Vorentscheidend war ein besonders fieser Snooker von Mind Panchaya auf die letzte Rote. Bai Yulu brauchte mehrere Anläufe, um Rot zu treffen. Nur ein Anlauf mehr und sie hätte Snooker benötigt. So kam es dann kurze Zeit später, als Mind erneut einen Snooker legte und kurz darauf die letzte Rote auch lochen konnte. In einem hoffnungslosen Kampf bemühte sich Bai Yulu noch darum, Mind Panchaya Foulpunkte im Spiel auf Gelb abzuringen. Sie bekam sechs, aber das waren bei weitem nicht genug. Am Ende gelang Panchaya Channoi der Überraschungssieg mit dem niemand, pardon, fast niemand gerechnet hatte.

Okay, I go for Mind Panchaya! 😁

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— Lula Witzescher (@lulawitzescher.eurosky.social) 16. Mai 2026 um 21:50

Folgen noch mehr Überraschungen?

Die beiden verbleibenden Partien des Viertelfinals haben gerade erst begonnen. Können wir eine weitere Überraschung sehen? In beiden Matches ging der erste Frame an die Außenseiterin, aber beide Favoritinnen konnten dann direkt ausgleichen. Ng On Yee gegen Liu Ziling gibt es hier live zu sehen, Reanne Evans‘ Match gegen Narantuya Bayarsaikhan wird hier gestreamt.

Update: Weder Liu Ziling noch Narantuya Bayarsaikhan gelingt eine Überraschung wie zuvor Panchaya Channoi. Bis zum 2–2 steht es in beiden Matches ausgeglichen, dann ziehen die Favoritinnen davon.

Im morgigen Halbfinale treffen damit Mink Nutcharut und Mind Panchaya (06:00 CEST) sowie Ng On Yee und Reanne Evans (11:00 CEST) aufeinander.

AutorIn: Målin

Målin mag Zahlen und Tabellen. Wenn sie gerade kein Snooker guckt, wirft sie wahrscheinlich einen Blick auf die Provisional Rankings. Ist durch Langeweile zum Snooker gekommen und weil sie schon in jungem Alter einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer hatte. Neben Artikeln kümmert sich Målin bei SnookerPRO um die Spieler*innenprofile. Twitter: @esel_freund

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