O’Sullivan gewinnt Welsh Open 2016

OSullivan
Ronald O'Sullivan © Monique Limbos

In einem Finale, das manch eine/r sich etwas spannender gewünscht hätte, gewann nicht völlig überraschend der Mann, der die ganze Woche lang die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, gegen Neil Robertson mit 9-5. Damit holte er sich den Welsh-Open-Titel zum 4. Mal und zog mit seinem 28. Ranking-Titel mit Steve Davis gleich.

Viele hatten sich dieses Finale gewünscht, weil sie der Meinung waren, nur Robbo wäre in der Form, O’Sullivans Höhenflug in dieser Woche etwas ernsthaft entgegenzusetzen – und so war es dann in der Nachmittagssession auch. Robertson konnte (unter anderem mit einem 78er Break) erst einmal mit 2-0 in Führung gehen. O’Sullivan holte sich zwar den dritten Frame, lag aber zum Midsession Intervall noch 1-3 zurück. Beide Spieler zeigten dabei nicht das Non-Plus-Ultra, sondern machten den ein oder anderen Fehler, zum Beispiel als The Ronald im vierten Frame eine Rote auf die Mitteltasche verfehlte und Robbo den Weg für ein framegewinnendes 76er Break freimachte. Die Frames nach dem Midsession-Intervall teilten die beiden gerecht untereinander auf und so stand es am Ende der Session 5-3 für Robertson.

Der Abend stellte das Spiel auf den Kopf

Die Befürchtung, dass es ein total einseitiges Spiel werden könnte, hatte sich also nicht bewahrheitet und so konnte für den Abend ein spannendes Finale erwartet werden. Doch es kam völlig anders.

O’Sullivan gewann mit Breaks von 57, 61, 67 und 70 die ersten fünf Frames der Abendsession und beendete das Ganze mit einer abschließenden 141 zum 9-5.

Robertson gab anschließend zu, dass er ziemlich unter Druck stand und dadurch die Fehler zwangsläufig waren, die er in den ersten Frames nach der Pause machte. Zweimal hatte er O’Sullivan wieder an den Tisch gelassen, weil er einmal Pink beziehungsweise Blau verfehlt hatte. An dieser Stelle hätte sich das Spiel komplett gegen ihn gedreht.

Ein ziemlich entspannter O’Sullivan äußerte sich nach dem Spiel: „Ich bin erleichtert, denn es war anstrengend. Ich hatte letzte Nacht nicht geschlafen und fühlte mich erschöpft. Und ich wusste nicht, was ich erwarten konnte. Neil hat mich früh unter Druck gesetzt. […] So ein Spiel gibt mir immer noch den Kick. Leidenschaft ist wichtig, wenn du auf diesem Niveau spielst. Es ist ein großartiges Gefühl, als würdest du fliegen. Auch wenn es eine lange Woche war mit sieben Spielen, es war eine meiner besten Wochen als Profi. Die Unterstützung hier war Klasse.“

Was können wir jetzt noch erwarten?

O’Sullivan hat heute nicht nur ein Preisgeld von £ 60.000 gewonnen, sondern sich auch noch für den World Grand Prix qualifiziert. Trotz seiner 10 Century-Breaks, die er während des Turniers gespielt hat, musste er auf den Preis des höchsten Breaks verzichten. Aber das war ja eine ganz andere Geschichte.

Wir fangen dann schon mal an, darüber zu spekulieren, wie The Ronald sich bei der WM präsentieren wird und ob Hendrys Rekord von sieben WM-Titeln doch keinen Ewigkeitswert hat. Allerdings erinnere ich mich daran, dass es 2014 und 2015 nach O’Sullivans Auftritten beim Masters und Welsh Open eine ähnliche Stimmung gegeben hat. Und wer wurde da Weltmeister? Nicht der Mann, den jetzt wieder alle ganz oben auf dem Zettel haben.


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher