Challenge Tour mit neuem Modus

David Grace Challenge Tour
David Grace kommt durch die Challenge Tour 2019 zurück auf die Main Tour. © David Grace

Wie in dieser Saison werden über die Challenge Tour 2019/2020 wieder zwei Zwei-Jahres-Tickets für die Main-Tour vergeben. Der Modus allerdings ändert sich. In dieser Saison gewannen die beiden Führenden der Rangliste nach den zehn Turnieren (Brandon Sargeant und David Grace) die Tickets. Viele Spieler waren schon vor Ende der Tour weit abgeschlagen und nicht mehr in der Lage, eins der Tickets zu gewinnen.

Für die Saison 2019/2020 kündigte World Snooker Änderungen an. Alle Gewinner der einzelnen Events plus die ersten der Rangliste sollten in Play-Offs um die beiden Tourkarten spielen. Nach sehr kritischen Reaktionen auf diese Änderungen machte World Snooker einen zweiten Entwurf, der zumindest etwas besser ist als der erste.

Belohnung für die Nr. 1 der Challenge Tour Rangliste

Wer nach den zehn Events auf Platz eins liegt, erhält eine Tourkarte. Die Spieler_innen, die an Platz zwei bis neun liegen, nehmen am Play-Off teil. Wer hier gewinnt, erhält die zweite Tourkarte. So wird wenigstens ein konstant gutes Abschneiden bei der Challenge Tour sofort belohnt. Die Frage ist, ob die Challenge Tour nicht mit mehr Tourkarten vergeben könnte. Bei der einmal jährlich stattfindenden Q-School gibt es immerhin 12 Tourkarten, die World Snooker getrost auf 10 reduzieren könnte.

David Grace bricht eine Lanze für die Challenge Tour

Wir haben einen der Gewinner dieser Saison nach seiner Meinung zur Challenge Tour befragt. Hätte er eine Teilnahme auch als sinnvoll erachtet, wenn er dritter geworden wäre, also keine Tourkarte gewonnen hätte? David Grace war so freundlich, uns seine Gedanken dazu mitzuteilen:

„Ich habe die Challenge Tour in dieser Saison sehr genossen; so etwas hat dem Amateurspiel seit langem dringend gefehlt. Mich hat überrascht, dass die Spieler die CT nicht besser genutzt haben. Ich kann nicht verstehen, warum einige sehr gute Spieler ihr Queue nur einmal im Jahr für die Q-School herausholen und den Rest des Jahres Däumchen drehen. Auch wenn sie arbeiten müssen: Es wird sich doch mal ein freier Tag finden, um CT-Events zu spielen, wenn sie Profis werden wollen!

Ich gebe zu, dass die europäischen Turniere nicht für wenig Geld zu erreichen sind (für Spieler aus dem UK), aber in einem globalen Sport muss es für alle Spieler aus Europa Möglichkeiten geben, nicht nur für UK-Spieler. Ich weiß, dass manche Spieler denken, für Best-of-five-Matches lohnt sich die Anreise nicht. Aber ich bin fest davon überzeugt, ein Match ist ein Match – egal, welche Distanz und dass der Beste des Tages gewinnen wird. Guckt euch die neun Gewinner der zehn Turniere an, die meisten Ex-Profis und alle gute Spieler. Für mich zeigt das, dass es keine Lotterie ist.

Außerdem geht es nicht nur um die fünf Frames, die du in dem Match spielst. Du hast außerdem einen guten Grund, hart zu trainieren, in sinnvollen Events mitzuspielen und etwas über deine Stärken und Schwächen zu lernen. Sogar nach ziemlich vielen Jahren auf der Tour und vielen gespielten Matches habe ich in dieser Saison auf der CT sehr viel über mein Spiel gelernt.“

Die neuen Bedingungen sind eine Verbesserung

„Es war notwendig, die Bedingungen anzupassen, um das Interesse an den Tourkarten aufrecht zu erhalten. Ich denke, sie haben eine gute Entscheidung getroffen, die Nr. 1 und die 2-9-Playoffs mit jeweils einer Tourkarte zu belohnen. Ich bin außerdem froh zu sehen, dass die europäischen Events jetzt für alle Spieler geöffnet sind. Es wird für die Spieler in diesen Ländern eine gute Erfahrung sein. Eine Chance, sich mit Ex-Profis und guten Amateuren zu messen, ohne bei einem Main-Tour-Event ins kalte Wasser geworfen zu werden.

Es wäre schön, wenn es in Zukunft zusätzliche Tourkarten für die CT gäbe, aber nicht auf Kosten der Q-School. Die Q-School bekommt die meiste Kritik von UK-Spielern, die meinen, ihnen würden ohne Gegenleistung £1,000 geraubt. Dabei haben sie es am einfachsten! Sie können zwischen den Matches und Events nach Hause fahren, manche können sogar am Spieltag anreisen! Aber wie ich schon gesagt habe, es sollte für alle Spieler rund um den Erdball fair sein. Die Q-School gibt allen die Chance, ihr Traumticket zu gewinnen, ohne dafür das ganze Jahr in den UK verbringen zu müssen.

Die Challenge Tour ist eine großartige Ergänzung für das Amateurspiel. Spieler mit der richtigen Einstellung werden davon profitieren, die mit einer schlechten werden nichts davon haben. Ich glaube, das trifft auf alle Levels des Spiels zu.“

 

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderqueer), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Tanzt und performt im Nebenberuf, spielt Poi, schreibt sporadisch Geschichten (hat im letzten Jahr den Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, sucht dafür jetzt einen Verlag). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich häufig am Magic Mountain Berlin anzutreffen. Hasst Ronnie O'Sullivan nicht, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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