Xu Si gewinnt DAS Match des German Masters

Blick von den Zuschauerrängen auf die Tische im Tempodrom. Nur noch am Tisch im Vordergrund wird gespielt. Xu Si, Mark Selby und Schiedsrichterin Anastasiya Tuzikova stehen alle an der Fußbande. Die meisten Roten sind noch auf dem Tisch.
Mitternacht in Berlin: Xu Si und Mark Selby im Decider © Målin

Zhang Anda spielt eine 147, Ali Carter besiegt erst zum zweiten Mal seine Nemesis Ronnie O’Sullivan, aber in Erinnerung geblieben ist vom gestrigen Tag beim German Masters im Tempodrom vor allem eines: Der intensive Schlagabtausch zwischen Xu Si und Mark Selby bis mitten in die Nacht.

Berlin, Tempodrom, 01:00 Uhr Ortszeit: Mark Selby foult und zaghafter Applaus begleitet ihn, als er um den Tisch zurück zu den Stühlen läuft. Das Publikum ahnt, jetzt wird er doch aufgeben und so ist es: Selby und Xu schütteln Hände und das nie enden wollende Match hat einen würdigen Sieger: Xu Si.

Die frühen Stunden

Doch wie kam es dazu? Jeder intensive Decider lebt von einem langen Build-up, so auch gestern. Mit gutem Spiel lag Xu Si schnell vorne, auch weil Mark Selby noch nicht zu seiner Form fand und seine Chancen zum Framediebstahl verpasste. Doch im Mark-Selby-Fanflügel um mich herum wurde die Hoffnung noch nicht aufgegeben: Das 0-3 kann Mark noch drehen. Auch in Frame 4 legte Xu Si vor, verpasste es, den Frame sicher zu machen und endlich gelang Selby mit einem schönen Break der Steal. Nach der Pause machte er genau dort weiter und gewann auch die nächsten drei Frames und lag plötzlich 4-3 vorne.

Mammut-Decider um Mitternacht

Frame Nummer 8 war ein Kampf mit den Nerven, der Tagesform und der steigenden Müdigkeit. In meiner Brust schlugen zwei Herzen: das Mark Selby-Fanherz und das Herz, das Xu Si bei seinem guten Auftritt keine 5 Frames in Folge verlieren sehen wollte. Meine vorgeschlagene Lösung: ein Decider. Selby-Fan Jane war davon nicht wirklich zu begeistern. So kam es dann aber.

Unsere Faneinschätzung: Hat Xu Si die Nerven, den Decider zu gewinnen? – Eher nicht. Mark Selby als durchaus „passablen“ Spieler (ich soll das so schreiben, Liebe Grüße) trauten wir ein Century aus dem Nichts durchaus zu. Bei 28 war dann aber schon Schluss und Xu Si bekam seine Gelegenheit, seine Nervenstärke zu beweisen. Er überraschte uns: Er spielte ein frameentscheidendes Break und lochte um rund 00:15 den Matchball.

Aber Selby gönnte ihm, uns und sich keinen Feierabend. Spielte um vier (insg. fünf) Snooker auf gelb und grün. Zwei Fouls bekam er schnell und dann legte er noch 5, 10, 20, 50? weitere Snooker. Ein paar Zuschauende waren ob der späten Stunde schon gegangen, aber die meisten blieben und verfolgten gebannt und fasziniert das Spektakel: „Wird der Mark Selby etwa doch noch…?“ Bei leichten bis mittelschweren Snookern war Xu Si nicht bereit, sich die Blöße zu geben, aber nach ein paar besonders fiesen Snookern war der Punkterückstand auf 25 Punkte geschrumpft, Selby konnte wieder ausgleichen. Aber die Bälle mussten auch noch gelocht werden. Xu Si hatte ein paar Chancen, konnte sie aber nicht nutzen und so endete der Decider ohne finalen Höhepunkt mit einem Foul Selbys.

Xu Si, ein zu bescheidener „Held“

Nach dem grandiosen Sieg ließ Xu Si sich gar nicht richtig feiern. Wahrscheinlich war er mehr erleichtert als alles andere. Dabei hat er mehr als genug Gründe, stolz zu sein: Er hat insgesamt ein gutes Spiel gezeigt und insbesondere seine Vorstellung im Decider war bemerkenswert.

Nicht nur gelang ihm das 71er Break, er konnte dem Matchplay-Meister Selby im Kampf um Snooker und Foulpunkte auch richtig viel entgegensetzen. Als er unter großem Applaus die Arena verließ, winkte er dann doch noch ins Publikum. (Wer hatte diesen Applaus nur lautstark initiiert?)

Er hat sich gestern in mein Snookerherz gespielt, was jetzt nach der 0-5-Niederlage gegen Ali Carter ein bisschen gebrochen ist. Sehr schade.

147 weitere Dinge…

… sind auch noch passiert: darunter das Maximum-Break von Zhang Anda.
Mehr Updates von uns folgen hoffentlich später.

AutorIn: Målin

Målin mag Zahlen und Tabellen. Wenn sie gerade kein Snooker guckt, wirft sie wahrscheinlich einen Blick auf die Provisional Rankings. Ist durch Langeweile zum Snooker gekommen und weil sie schon in jungem Alter einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer hatte. Neben Artikeln kümmert sich Målin bei SnookerPRO um die Spieler*innenprofile. Twitter: @esel_freund

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