Nun sind auch die letzten Matches der ersten Runde zu Ende gegangen. Liam Pullen, Dylan Emery und Ashley Carty setzen sich in einer dramatischen Session im Decider durch. Aus deutschsprachiger Sicht freuen wir uns über einen Sieg von Umut Dikme, aber sind traurig über das Aus von Florian Nüßle.
Da hatten wir uns mehr erhofft…
Für Florian Nüßle hatten wir uns zum Abschluss seiner ersten Profisaison ein gutes Abschneiden bei der Weltmeisterschaft gewünscht. Leider verlief sein Match gegen Mateusz Baranowski ähnlich wie die gesamte Saison. Flo geriet schnell in Rückstand und kam auch nie so richtig wieder ran. Am Ende stand es 5–10. Wir versuchen das Positive zu sehen: die nächste Saison kann eigentlich nur besser werden.
Ich hatte mich auf den Tourauftakt von Michael Larkov gefreut. Aber auch der lief nicht so gut wie erhofft, Michael konnte die ersten beiden Frames gewinnen, ließ sich dann aber von einem stark spielenden Ross Muir aus dem Konzept bringen und verlor die restlichen sechs Frames der Session. Am zweiten Tag blieb nur noch Schadensbegrenzung. Das Resultat ebenfalls 5–10.
Dienstagliches Decider-Drama mit Freude und Leid
Der Dienstagnachmittag hatte gleich drei Matches im Gepäck, die über die volle Distanz gingen. Darunter das Match zwischen meinem getippten Überraschungs-Qualifikanten Liam Pullen und Shoot Out Sieger Alfie Burden. Im Decider hatte Liam Pullen die erste Chance, verstellte sich im Break aber nach 50 Punkten. Zum Glück traf er die besonnene Entscheidung *hüstel* und versuchte ein waghalsiges Double in die Mitteltasche – ohne Erfolg. Mein anfänglicher Optimismus brach in sich zusammen. Doch Alfie Burden gelang die Clearance nicht, nach 47 Punkten war Schluss und letztendlich lieferte er Liam den Decider auf dem Silbertablett, der das Angebot dankend annahm.
Nach dem Decider kehrte ich wieder zum Duell zwischen Anton Kazakov und Dylan Emery zurück. Anton Kazakov hatte sich nach 6–8-Rückstand eine 9–8-Führung erarbeitet. Da mein Bedürfnis nach nervenaufreibenden Decidern für den Moment gedeckt war, hoffte ich, dass Anton den Sack direkt zu macht, allerdings hatte Dylan Emery etwas dagegen. Hatte der Decider von Pullen und Burden ein paar Wendungen, dann tanzten Emery und Kazakov gemeinsamem ein paar Piroutten. Nach einem Mammut-Frame lochte Dylan Emery letztendlich die Pinke und entschied Frame und Match für sich.
So liegen Freud und Leid manchmal nah bei einander. So froh ich über Liams Sieg war, so deprimiert war ich über Antons Niederlage. Und der dritte Decider? Ashley Cartys Sieg über Cheung Ka Wai habe ich leider darüber total verpasst. Was schade ist, denn was ich so im Scoring verfolgt habe, war das vielleicht eines der besten Matches der ersten Runde. Cheung fällt damit von der Tour. Er konnte in den ersten beiden Profi-Jahren nicht das zeigen, was ich von ihm erwartet habe.
Manchmal machen sie, was sie sollen
Nach der nervenaufreibenden Nachmittagssession wünschte sich Lula einen sicheren Sieg für Steven Hallworth, während ich mir das Gleiche für Révész Bulcsú wünschte. Ganz ungewohnterweise sollten wir beide unsere Wünsche erfüllt bekommen. So bekamen wir beide noch eine entspannten Tagesabschluss.
Im Duell der Youngster setzte sich bald Neu-Profi Oliver Sykes gegen Liam Graham durch, der dadurch von der Tour fällt. Auch ein anderer junger Amateur konnte sich über einen Sieg freuen, Vladislav Gradinari setzte sich in einem engen Schlagabtausch gegen Reanne Evans durch. Respektabel schlug sich auch Daniel Boyes bei seiner 5–10 Niederlage gegen Chris Totten.
Glanzleistung von Lan Yuhao in Runde 1
Eine ganz besonders starke Vorstellung lieferte heute Lan Yuhao. Im Duell der beiden Rookies musste er den ersten Frame gegen Chatchapong Nasa zunächst abgeben. Danach gewann er die verbleibenden acht Frames der Session und spielte dabei zwei Centuries und sechs weitere Breaks von mehr als 50 Punkten. Dabei bestrafte er nahezu jeden Fehler seines Gegners konsequent. Zwar gelang Nasa am Abend noch ein respektables kleines Comeback, aber Lan Yuhao konnte die verbleibenden beiden Frames zum 10–5-Endstand doch noch holen. Selbstverständlich erneut mit zwei guten Breaks. Im letzten Frame versuchte er sogar ein Maximum zu spielen, verschoss aber die letzte Rote.
Ebenfalls freuen wir uns über das gute Spiel von Umut Dikme. Aus der ersten Session konnte er eine 6–3-Führung mit in den Abend bringen. Zwar konnte Farakh Ajaib direkt ausgleichen, doch damit war Umut kräftig wachgerüttelt und dank einer ganzen Reihe guter Breaks setzte er sich letztlich doch souverän mit 10–7 durch. Eine Tourkarte über die Qualifikation fürs Crucible ist unwahrscheinlich, aber noch möglich. In der nächsten Runde trifft er auf Sam Craigie.
Wir verabschieden uns (vorerst) von…
Für ein paar der Verlierenden bedeutete die Niederlage auch den Verlust der Tourkarte. Dazu gehören: Kreishh Gurbaxani, Mink Nutcharut, Jonas Luz, Hatem Yassen, Ken Doherty, Haris Tahir, Huang Jiahao, Cheung Ka Wai und Mitchell Mann. Viele von ihnen werden wir sicherlich in der Q School wiedersehen, manchen gelingt vielleicht die direkte Wiederqualifikation. Für Mink steht auch noch die Möglichkeit offen, sich über die WWS-Weltmeisterschaft oder -Rangliste erneut zu qualifizieren.
Und müssen wir uns nach 36 Jahren von Ken Doherty verabschieden? Es wäre natürlich schade, wenn er jetzt einfach leise verschwindet. Wir dürfen es aber nicht als selbstverständlich sehen, dass er nochmals eine „Legenden-Tourkarte“ angeboten bekommt oder dass er eine akzeptieren würde.
Bei der Qualifikation ist nach dem Spiel auch vor dem Spiel
Wir bekommen keine Verschnaufspause, sondern es geht direkt weiter. Genaugenommen haben wir sogar eine negative Pause, denn die erste Session der zweiten Runde startete schon vor der letzten Session der ersten Runde. Diese Verlief nicht unbedingt zur größten Freude des SnookerPRO-Teams. Lula muss um Mark Davis bangen, der gegen einen starken Gao Yang über Nacht 3-6 hinten liegt. Ich bin insbesondere deprimiert darüber, dass Iulian Boiko sechs Frames in Folge abgeben musste und nun gegen Amateur Wang Xinbo 2–7 hinten liegt. Hjördis sieht das alles entspannter, würde sich aber über einen Sieg von David Lilley freuen, der allerdings ebenfalls zurückliegt, mit 3–6 gegen Yao Pengcheng.
Und wir alle hoffen morgen noch auf Bai Yulu. Erst fand sie nicht richtig ins Match und fiel 0–4 zurück. Dann startete sie mit einer 80 und einer 108 ein gutes Comeback, das dann von einem stark spielenden Michael Holt sofort unterbunden wurde. Sie liegt im Moment 2–7 zurück.
Morgen steigen unter anderem noch Antoni Kowalski, Artemijs Žižins, Jiang Jun und Ricky Walden in die Weltmeisterschaft ein. Auch für Robert Milkins geht es morgen schon um sehr viel, denn sollte er gegen Patrick Whelan verlieren, verliert er seine Tourkarte.
Eine Übersicht über alle Ergebnisse der ersten Runde sowie alle Ansetzungen der zweiten Runde findet ihr auf unserer Turnierseite.














Doofer Fehler gleich im ersten Absatz: da wird Alfie Butrden zum Sieger erklärt, aber der hatte doch verloren. Aber wie immer: Danke für die Mühe
Leider läuft Artemijs Žižins nicht auf D+ und so drücke ich visuell jetzt am anderen Ende des Aphabets die moldawischen Daumen an V. Gradinari…
Das passiert, wenn man Artikel noch spät am Abend zu Ende schreibt, oh je. Danke für den Hinweis, es ist jetzt korrigiert.