Judd Trump gewinnt das Finale des World Grand Prix

Judd Trump und Jack Lisowski posieren vor dem Finale der World Grand Prix mit der Trophäe. Im Hintergrund steht Referee Brendan Moore.
Judd Trump und Jack Lisowski vor dem Finale des World Grand Prix 2020/21. © World Snooker/Tai Chengzhe

Judd Trump gewinnt den mit £100,000 dotierten World Grand Prix im hochqualitiativen Finale gegen seinen besten Freund Jack Lisowski. Trump gewann mit 10–7, nachdem Jack Lisowksi ein beeindruckendes Comeback gelang. Es ist Trumps 20. Ranglistentitel und erst der sechste Spieler, dem das gelingt.

Ein schmackhaftes World Grand Prix Finale kurz vor Weihnachten

Das Finale folgt einem ganz einfachen Rezept: Man nehme den derzeit klar dominierenden Snookerspieler Judd Trump. Diese Saison hat er schon zwei Titel gewinnen können. Letzte Saison stellte er den Rekord von sechs Ranglistenturniersiegen auf. Sowohl in der offiziellen Weltrangliste als auch in der Rangliste der Saison führt er deutlich: Er ist die absolute Nummer 1. Dazu nehme man einen Spieler, der versucht seinen ersten Titel zu erringen. Jack Lisowski wird immer wieder genannt, wenn nach einem Spieler gefragt wird, dessen erster Titel womöglich bald folgen könnte. Sein Saisonstart war nicht so erfolgreich. Doch durch den Einzug ins Viertelfinale bei der UK Championship sicherte er sich sowohl den Start beim Masters im Januar als auch die Teilnahme beim World Grand Prix.

Die besondere Würzung entsteht dadurch, dass Trump und Lisowski langjährige Freunde sind. Sie sind etwa in einem Alter und beide dafür bekannt, sehr offensives und flüssiges Snooker zu spielen. Ein klassisches David gegen Goliath Duell, aber auf freundschaftlicher Augenhöhe. Die Vorfreude auf dieses Finale war daher bei vielen groß.

Judd Trump geht am Nachmittag mit 6–2 in Führung

Nach seinem Sieg im Halbfinale hatte Jack Lisowski auch seinen Plan fürs Finale offenbart: Er wolle seinem offensiven Spiel treu bleiben. Er hoffe, Trump ein gutes Match zu liefern. Diese Strategie konnte man direkt im ersten Frame erkennen. Er versuchte sich an drei langen Einsteigern, verschoss jedoch alle. Beim dritten ließ er eine Chance für Trump. Mit einem Break von 75 Punkten sicherte sich Trump den ersten Frame aus dieser Chance heraus.

In den folgenden Frames blieben beide nicht fehlerfrei. Im zweiten Frame war Lisowski als erstes im Break. Nach dem Split verlor er jedoch die optimale Position und verschoss in der Folge Schwarz. Diesen Fehler konnte Trump jedoch nicht nutzen. Nach Fehlern von beiden sicherte sich am Ende Lisowski seinen ersten Frame. Im dritten Frame war es dann Trump, der einen Frame voller verpasster Chancen gewann. Dazu trugen auch 31 Foulpunkte bei, die Lisowski zu Beginn des Frames abgab. Grund dafür war ein starker Break-Off von Trump, mit dem er Lisowski auf alle Roten snookerte.

Kurz vorm Midsession Interval nahm Trump an Fahrt auf. Im vierten Frame lochte er zu Beginn einen langen Einsteiger und spielte eine starke 122er Total Clearance aus einem nicht ganz leichten Bild. Nach der letzten Roten konnte er erstmals eine Schwarze in diesem Break lochen. In den Frames nach der Pause hatte Lisowski dann jeweils Chancen, konnte sie jedoch nicht nutzen. Judd Trump konnte sich auf 5–1 absetzen.

Jack Lisowski verpasst die Chance auf ein kleines Comeback

Im siebten Frame zeigte Jack Lisowski dann etwas von dem Spiel, das ihn ins Finale gebracht hat. Aus einem langen Einsteiger spielte er dann ein frameentscheidendes Break mit 77 Punkten. Im letzten Frame der Session erhielt er dann noch eine Chance weiter zu verkürzen. Nach 64 Punkten verschoss Trump den Frameball, 67 Punkte lagen noch auf dem Tisch. Lisowski missglückte jedoch die Clearance zum Steal, da es ihm nicht gelang Stellung auf Grün an der Bande zu bekommen. Im Safetyaustausch behielt Trump die Oberhand, sodass er am Ende Grün lochte und die Session 6–2 gewann.

Am Abend zeigt Jack Lisowski seine Qualitäten

Gleich im ersten Frame des Abends startete Lisowski mit einem Break von 53 Punkten. Doch der Split misslang und er musste eine Safety spielen. Im Safetyduell behielt dann Judd Trump die Oberhand und mit einem Break von 77 Punkten gelang es ihm, den Frame noch zu stehlen. In den folgenden Frames spielte Jack Lisowski plötzlich atemberaubendes Snooker. Mit Breaks von 99, 112 und 87 konnte er den Rückstand bis zur Pause in Windeseile auf 7–5 verkürzen. Judd Trump war in dieser Zeit praktisch gar nicht mehr am Tisch aufzufinden.

Lisowski ließ sich in seiner Aufholjagd auch vom Midsession Interval nicht bremsen. Im 13. Frame legte er direkt mit einer 87 nach. Damit hatte er über 300 Punkte in Folge erzielt, ohne dass Trump in der Zeit einen einzigen gemacht hatte. Lisowskis Locherfolg in der zweiten Session lag bei sensationellen 97%. Mit Ausnahme eines langen Einsteigers im neunten Frame hatte er noch keinen Ball verschossen, es sei denn der Frame war bereits gewonnen.

Trump gelingt es, Lisowskis Lauf zu unterbrechen

Im 14. Frame schien es zunächst so weiter zu gehen wie zuvor, doch dann nach einem Break von 50 Punkten musste Lisowski eine Safety spielen. Eine Rote lag bereits an der Bande und zur Absicherung legte er auch Blau an die Bande. Zwar gewann Trump den folgenden Safety-Austausch, doch nach einer gelochten Roten entschloss er sich gegen die Fortsetzung des Breaks. Er holte Blau von der Bande, ließ jedoch einen langen Einsteiger für Lisowski, den dieser lochte. Doch kurz darauf verschoss Lisowski Rot. Trump behielt die Nerven und spielte eine starke Clearance, um den Frame zu stehlen. Nun stand es 8–6 für Trump, Lisowskis Momentum war zunächst unterbrochen.

Auch im 15. Frame hatte Lisowski die erste Chance, abermals musste er nach rund 50 Punkten sein Break mit einer Safety beenden. Dieses Mal gewann Lisowski den Safety-Austausch und machte den Frame sicher. Doch Trump konnte kontern. Erstmals am Abend konnte Trump im folgenden Frame vorlegen und den Frame letztendlich auch mit einem Break von 73 Punkten für sich entscheiden. Damit stand es 9–7 und Judd Trump fehlte nur noch ein einzelner Frame zum Titel.

Judd Trump gewinnt den World Grand Prix 2020/21

Der letzte Frame des Abends sollte der einzige des Abends ohne ein Break über 50 Punkte werden. Wie so oft an diesem Abend legte Lisowski vor. Mit 61 Punkten Vorsprung machte er den vielleicht einzigen einfachen Fehler des gesamten Abends. Trump bekam erneut die Chance zum Steal. Allerdings gelang es Trump nicht eine gute Stellung auf die letzte Rote zu bekommen. Er verschoss. Doch dann entkam er einem fiesen Snooker von Lisowski und setzte diesen seienerseits durch gute Safeties unter Druck. Ein Safefehler von Lisowski brachte die Vorentscheidung. Trump lochte die letzte Rote und räumte den Tisch ab. Endstand: 10–7

Judd Trump gewinnt damit verdient ein Finale, das alle hohen Erwartungen erfüllt hat. Ein erfolgreiches Snooker-Jahr krönt er sich zum Abschluss mit seinem sechsten Titel.

Jack Lisowskis Weg ins Finale

Jack Lisowski hatte das Finale nach Siegen über Shaun Murphy, Robert Milkins, Zhao Xintong und Mark Selby erreicht. Während er in seinem Auftaktmatch noch von einigen Fehlern Murphys profitieren konnte, zeigt er sich anschließend gegen Robert Milkins in starker Verfassung. Bei seinem 4–0 Whitewash über Robert Milkins spielte er zwei Century-Breaks.

Ebenfalls beeindruckend war seine Performance gegen Mark Selby. Nach einem Jahr konnte er Revanche für das Finale der Scottish Open 2019 nehmen. Dank vieler guter Longpots und gutem Scoring ging er schnell 5–1 in Führung. Dann startete Selby eines seiner berüchtigten Comebacks eindrucksvoll mit einer 143. Er verkürzte auf 5–4. Im zehnten Frame war Selby erneut im Break. Nach dem Split verschoss er jedoch eine Rote mit der Spinne. Jack Lisowski behielt die Nerven, er räumte ab und machte seinen Finaleinzug perfekt.

 

Ein blöder Flüchtigkeitsfehler bringt ihn nicht aus dem Konzept

Bei Jack Lisowskis Sieg über Zhao Xintong im Viertelfinale beging er im vierten Frame ein ungewöhnliches Foul. Zu Beginn des Frames lochte er dreimal Rot und Schwarz. Nach der vierten Roten stellte er abermals auf Schwarz. Dann ließ er den Spielball durch den Schiedsrichter reinigen und schaute sich an, wo er den Spielball für die nächste Rote ablegen will. Nachdem der Referee Nigel Leddie die Weiße wieder auf dem Tisch legte, spielte Lisowski dann jedoch Rot auf die Mitte, anstatt einer Farbe. Als Nigel Leddie das Foul ansagte, drehte sich Lisowski verwundert um. Sowohl er als auch sein Gegner Zhao Xintong mussten über diesen Fehler lachen. Hier könnt ihr euch die Szene selbst angucken.

Zhao kann dann allerdings einen Vorteil daraus ziehen und den Frame gewinnen. Statt 1–3 Rückstand für Zhao stand es nun ausgeglichen. Jack Lisowski zeigte sich nach der Pause jedoch unbeeindruckt davon und komplettierte einen 5–3 Sieg über Zhao Xintong.

Judd Trumps Weg ins Finale

Judd Trump feierte knappe 4–3-Siege über Michael Holt und Stuart Bingham. In beiden Matches stellte er abermals seine Comeback-Qualitäten unter Beweis, die ihm schon bei den English Open den Weg zum Titelgewinn geebnet hatten. Gegen Holt musste er die letzten beiden, gegen Bingham sogar die letzten drei Frames gewinnen, um im Turnier zu bleiben.

Danach folgten zwei starke Vorstellungen. Das Viertelfinale gegen Martin Gould gewann er mit 5–2. Noch deutlicher war sein Halbfinalsieg gegen Ronnie O‘Sullivan. Dort setzte sich Trump mit 6–1 durch. Er ließ dem amtierenden Weltmeister nicht viele Chancen und konnte von dessen Fehlern profitieren. Für Judd Trump bedeutete das das Finalticket für den heutigen Sonntag. Ronnie O‘Sullivan blieb am Sonntag aber noch der Wettbewerb um die britische „Sports Personality of the Year“.

Damit geht das Corona-Snooker Jahr 2020 zu Ende

Das war’s 2020 mit Snooker. Am 10.1 geht es voraussichtlich mit dem Masters weiter mit Snooker auf Eurosport. Für diejenigen, die nicht so lange warten können, startet am 3.1. bereits die nächste Ausgabe der Championship League. Aufgrund der Pandemie-Situation in Großbritannien, sollten wir uns allerdings auf kurzfristige Änderung im Plan einstellen.

Das Team von SnookerPRO wünscht euch allen Frohe Freietage, gutes Essen gegen Snookerentzug und einen hoffentlich gesunden Start in ein 2021, das besser werden möge als 2020.

AutorIn: Målin

Målin mag Zahlen und Tabellen. Wenn sie gerade kein Snooker guckt, wirft sie wahrscheinlich einen Blick auf die Provisional Rankings. Ist durch Langeweile zum Snooker gekommen und weil sie schon in jungem Alter einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer hatte. Neben Artikeln kümmert sich Målin bei SnookerPRO um die Spieler*innenprofile. Twitter: @esel_freund

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