Crucible Theatre, Teil 2: Nicht um jeden Preis

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Das Crucible Theatre im Jahr 2014.

Wie geht es mit der Snooker-WM weiter? Wird der Vertrag mit dem Crucible Theatre über 2027 hinaus verlängert? Bleibt die WM in Sheffield, aber an einem anderen Veranstaltungsort?

Im letzten Beitrag hat Kollege Sascha für den Verbleib im Crucible Theatre plädiert. Doch Målin und Lula wollen das nicht, zumindest nicht um jeden Preis.

Lula will nur noch weg aus dem Crucible Theatre

Ich erinnere mich noch an das vierzigjährige Crucible-Jubiläum. Alle waren da, die in diesen heiligen Hallen je etwas bewerkstelligt haben. Es gab ganz viele bewegende Geschichten aus Jahrzehnten Weltmeisterschaften an diesem besonderen Ort – dem berühmten Snooker-Hexenkessel, der allen Aktiven und dem Publikum eine Gänsehaut beschert. Das war schön. Und wie gesagt: sehr bewegend. Seitdem sind nun fast zehn Jahre vergangen und das 50. Jubiläum naht. Und ich habe schon richtig Angst davor. Wieder dieselben bewegenden Geschichten! In der Zwischenzeit sind viele der ehemaligen Protagonisten nicht mehr unter uns. Ray Reardon, Terry Griffiths, Willie Thorne, John Virgo … Die Zeit vergeht, die Welt und das Spiel verändert sich und auch die Leute, die sich für Snooker interessieren, sind nicht mehr dieselben. Vielleicht wird es endlich Zeit für ein neues Kapitel.

Und deshalb plädiere ich für einen Schlussstrich. Lassen wir nach einem halben Jahrhundert das Crucible Theatre hinter uns, zusammen mit den beengten Verhältnissen hinter den Kulissen und den in die Jahre gekommenen Hotels. Lasst dem armen Stephen Hendry wenigstens den Titel Crucible King. Wir könnten auch endlich den Crucible Curse hinter uns lassen. Und bitte, Leute, lasst mich nie wieder die Schwarze aus dem 1985er Finale sehen müssen!

Målin will weg, aber wohin eigentlich?

Ich gebe es offen zu, im Gegensatz zu Kollegin Lula leide ich schon ein wenig an dieser berüchtigten Crucible-Nostalgie. Eines Tages die WM einzuschalten und nicht die gewohnten Bilder aus dem Crucible zu sehen, das wird mir schwer fallen. Aber ist das Crucible Theatre wirklich der Weisheit letzter Schluss? Ich denke nicht.

Wenn ich mir eine perfekte Weltmeisterschaft backen dürfte, zu welchen Zutaten würde ich greifen? Absolute Basis-Zutat: Die WM sollte dem Namen WELT-Meisterschaft gerecht werden. Kurze Erinnerung, aktuell endet sie immer noch jährlich an einem Montag, weil er im Vereinigten Königreich ein Feiertag ist. Reizvoll finde ich das Konzept von wandernden Weltmeisterschaften, das es ja in vielen Sportarten gibt. Das gibt jeder Austragung eine ganz eigene Identität und man kann sich auch im Nachhinein noch erinnern: Weißt du noch, die legendäre WM 2031 in Wien? Was die anderen Zutaten anbelangt, die sollten schon ein Crucible-ähnlichen Geschmack bringen. Zum Beispiel mag ich die besondere Atmosphäre im Crucible Theatre durch den engen Hexenkessel, der die kleine Arena umgibt. Oder eben die besondere Aura dadurch, dass das Crucible mit allen Ecken und Kanten zum Synonym für Snooker geworden ist, wie Sascha es beschreibt.

Mich frustriert, dass wir immer nur über das Pro und Contra des Crucibles reden. Aber wohin wollen wir? Der Vertrag läuft nächstes Jahr aus und es gibt immer noch keine echte Vision. Wir sind wie das kopflose Küken, das nach der Enthauptung noch ein paar Schritte in irgendeine Richtung stolpert – und dann verendet?

Ich sehe auch nicht, dass eine erfolgreiche Alternative, insb. eine Weltmeisterschaft, die durch die Welt reist, jetzt noch aus dem Boden gestampft werden kann. Dann lasst uns doch lieber noch ein paar Jahre im charmanten Crucible Theatre der Nostalgie frönen, statt in einer seelenlosen Veranstaltungshalle mit noch mehr Sitzplätzen den Tisch in der Ferne nicht mehr zu sehen. Und im Tiegel schmieden wir unsere Pläne: Wohin wollen wir und wie kommen wir dahin?

Auch Lula weiß nicht genau, wohin

Aber ich weiß ziemlich genau, wohin nicht. Wichtig ist mir, dass es am neuen Ort viele Menschen gibt, die die Snooker-WM mit Begeisterung verfolgen würden. Der Ort müsste sich das Austragungsrecht quasi mit dieser Begeisterung verdienen. Und nicht mit Säcken voller Geld.

Schmeißen Målin und ich unsere Ideen zusammen, dann tourt die WM nach sorgfältiger Vorbereitung und Auswahl der Spielstätten in nicht allzu ferner Zukunft durch die Welt und kommt dabei sicher bald im Berliner Tempodrom vorbei. Doch auch Thailand, Australien, Belgien, Hongkong, Irland oder Lettland dürfen ihre Arenen in den Topf werfen und sich bewerben. Und dann werden neue, frische Geschichten geschrieben, die nicht schon die tiefen Falten der letzten 50 Jahre in sich tragen.

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AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderqueer), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Sucht für den Roman „Belinda to break“ einen Verlag. Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. https://bsky.app/profile/lulawitzescher.bsky.social

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