Crucible Theatre: Bleiben oder gehen?

Ort der Snooker WM: Das Crucible Theatre, hier in verschiedenen Farben leuchtend.
Hier wollen alle hin: Das Crucible Theatre in Sheffield © World Snooker/Tai Chengzhe

Im nächsten Jahr läuft der Vertrag für die WM im Crucible Theatre in Sheffield aus. Zum Jahresende wurde uns eine Entscheidung versprochen. Nun steht die diesjährige Snooker-WM schon fast vor der Tür und es gibt immer noch keine Informationen, ob sich WST mit der Stadt Sheffield auf eine Verlängerung einigen konnte oder ob die WM zukünftig woanders stattfinden wird.

Die Meinungen der Community darüber gehen mehr oder weniger auseinander, wie eine von Snooker.org erstellte, nicht repräsentative Umfrage zeigt. Auch bei den Aktiven gibt es mehrere Lager und selbst unser Team ist sich in dieser Sache nicht einig. In einem Artikel-Zweiteiler beleuchten wir die einzelnen Positionen. Kollege Sascha macht den Anfang.

Ich hätte gerne, dass alles so bleibt wie bisher

Natürlich verändert sich die Snookerwelt stetig. Ich bin sehr froh darüber, dass wir nicht mehr in den 80er Jahren sind. Vieles hat sich seit damals zum Guten gewandelt. Gerade auch, dass die Turniere mehr geworden sind und nicht mehr auf die britische Welt konzentriert, ist eine von vielen enormen Entwicklungen, die den Sport attraktiver machen. Und Attraktivität braucht er, um zu überleben.

Das soll wohl auch eines der Argumente sein, warum man aus dem Crucible Theatre in Sheffield weg möchte. Zu klein, zu altbacken, unattraktiv. Aber ich erinnere daran, dass die Weltmeisterschaft nicht irgendein Turnier ist, sondern DAS Turnier. Es gelten erhöhte Anforderungen an die Teilnehmer*innen. Dass es sich im Gegensatz zu anderen Turnieren so lange am selben Ort gehalten hat, ist auch Teil des Erfolgsrezeptes.

Das Crucible Theatre als Zeichen der Beständigkeit

Ich war noch nie in Sheffield, möchte aber unbedingt zu einer künftigen WM dort hin. Für mich ist das Crucible der Petersdom des Snooker: Man muss nicht alles toll finden, was die Snookerpäpste so predigen, aber den Tempel einmal gesehen und die Besonderheiten erlebt zu haben, gehört einfach dazu. Gerade WEIL es aus heutiger Sicht Retro ist (nicht, weil die Technik und Einrichtung noch Original 70er Jahre ist). Man hätte es während der grundlegenden Erneuerung des Gebäudes Ende der 2000er Jahre problemlos versuchen können, ob die WM an einem anderen Ort funktioniert. Hat man aber nicht, im Gegenteil. Das ansonsten gesperrte Theater wurde eigens für die WM kurzzeitig geöffnet. Für mich ein Beleg, welche Bedeutung die Räumlichkeiten haben.

Eine Welt im (notwendigen) Wandel braucht feste Ankerpunkte. Der „Ally Pally“ für die Darts-WM. Das Berliner Tempodrom fürs Snooker German Masters. Und eben das Crucible für die WM unseres Lieblingssports. Gibt man so etwas auf, wird das, was folgt schnell beliebig, wenn man nicht quasi im Anschluss etwas Gleichwertiges schaffen kann. Die Idee, in Sheffield etwas Neues zu bauen, was auch den gestiegenen Geldverdienbedürfnissen des Verbands und der Aktiven gerecht wird, könnte eine Lösung sein. Wenn man einen Raum schaffen kann, der bei mehr Platz und modernerem Umfeld aufgrund von nur dort anzutreffenden positiven Eigenheiten wieder etwas Familiäres schafft. Dann – und nur dann – wäre ein Weggang vom Crucible bei gleichzeitiger Beibehaltung von Sheffield als Austragungsort vertretbar.

Geld ist nicht alles

Mehr Zuschauer, größere Location, mehr Geld. Dabei wird vergessen, dass Geld zwar wichtig, aber nicht alles ist. Und dann haben wir vielleicht ein „Wanderturnier“ wie in anderen Sportarten auch, aber eben eines an Orten, wo von Staats wegen das meiste Geld fließt. Das wird dann sicher nicht Deutschland, Brasilien oder Lettland sein: Das wird natürlich England sein, aber auch China, Saudi-Arabien, überall dort wo „Sportswashing“ professionell betrieben wird. Das wird nicht mehr den Charme haben, welcher der etwas entrückten WM innewohnt, die wir kennen. Es wird der WM den Reiz des des Kultigen nehmen. Ein Pfund (was für ein Wortspiel, ha ha), das nicht zu unterschätzen ist.

Festzuhalten bleibt: Wenn Snooker so weiter macht, verliert es mich. Eine WM in einem der totalitären Staaten dieser Welt werde ich mir nicht anschauen. (Disclaimer: Ich rede von den Staaten, nicht von den Spieler*innen aus denselben. Diese sind mir selbstverständlich herzlichst willkommen, solange sie sportlich qualifiziert sind und keine MAGA-Anhänger mit Pilotenschein sind).

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Der zweite Teil des Artikels erscheint in den kommenden Tagen. Zur Zeit laufen die Players Championships.

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