Judd Trump quasi ohne Gegner zum ersten Masters Titel

MSI Masters-Finale 2019
Mit diesem MSI-Zwischenstand im Masters-Finale 2019 haben nicht viele gerechnet. © World Snooker/Tai Chengzhe

Das Masters-Finale 2019 war ein klein bisschen ungewöhnlich. Judd Trump stellte seinen Gegner Ronnie O’Sullivan derart kalt, dass es am Abend fast nicht einmal mehr ein Midsession-Intervall gegeben hätte. Mit 10–4 holte er sich seinen ersten Masters-Titel, seinen zweiten Triple-Crown-Erfolg. £200 000 Preisgeld erhält er, O’Sullivan als Runner-up £90 000.

„Dominator“ Trump im Masters-Finale 2019

Es sollte ein Snookerfest der Superlative werden. Alles deutete darauf hin, dass sich Superlegende Ronald O’Sullivan und Supertalent-Wartet-noch-auf-WM-Titel Judd Trump hier einen heißen Kampf liefern würden. Trump hatte seine Spiele bis ins Finale dominiert, was einen starken Auftritt erwarten ließ. O’Sullivan hatte nicht am oberen Ende der Fahnenstange gespielt, aber sowohl Motivation wie auch Durchhaltevermögen gezeigt. Wir haben alles Mögliche erwartet, aber nicht das langweiligste Masters-Finale seit Barry Hawkins Selbstauflösung 2016 – nur andersrum.

Trump-Show am Nachmittag

Trump hatte offensichtlich in Erwartung eines starken Gegners richtig Anlauf genommen und erspielte sich mit zwei 80+ Breaks ziemlich ungehindert eine 4–0-Führung. Er ließ O’Sullivan nicht viele Chancen und so brauchte der fast eine Dreiviertelstunde, bevor er überhaupt den ersten Ball lochte.

Nach der Pause schien er dann etwas mehr anwesend zu sein, aber das reichte trotzdem nur zu einem Framegewinn. Und so endete die Session mit einem Beinahe-Best-Case 7–1 für Trump.

The Rocket hob am Abend ab …

… doch zu mehr als einem kleinen Rundflug (mit Motorstottern) reichte es erstmal nicht. Den zehnten Frame holte sich Trump mit einer 88 zum 8–2. Doch O’Sullivan brachte mit Century Nummer 990 dem Publikum die Erleichterung, die Finalsessionkarten nicht völlig umsonst gekauft zu haben. 8–3. Im 12. Frame legte O’Sullivan 25 Punkte vor, bevor er schwarz verschoss. Trump machte ein nicht ganz einfaches Break und zeigte, dass er sich hier nicht irritieren ließ. Mit 9–3 ging er ins Midsession Interval.

Nach der Pause flog die Rakete noch einmal mit einer 109 zum 9–4. Im letzten Frame des Abends blieb O’Sullivan beim Stand von 16-15 Pink am Taschenrand liegen und Trump macht das frame- und matchgewinnende Break.

Im Anschluss zeigt er sich glücklich und zufrieden, bedankt sich bei seiner Familie, besonders seinem Bruder, für die Unterstützung. „Es ist unglaublich. Ein Traum ist wahrgeworden. Ich habe jetzt so lange auf meinen zweiten Triple-Crown-Titel gewartet, dass ich schon Zweifel hatte, ob ich es überhaupt noch einmal schaffe.“

Im Studiogespräch erzählte er: „Vorher habe ich hart trainiert, aber offensichtlich nicht hart genug im Gegensatz zum Beispiel zu Mark Selby. Seine Arbeitsmoral habe ich mir zum Vorbild genommen und gehofft, damit auf sein Level zu kommen.“

Auf die Frage, ob er gegen O’Sullivan irgendetwas anders gemacht hätte als gegen seine anderen Gegner, antwortete er: „Nicht wirklich. Ich habe heute versucht, mein Spiel zu machen und mich nicht einschüchtern zu lassen. Ich habe mich selbstbewusst gefühlt. Wahrscheinlich hilft es meiner Konzentration, gegen Ronnie zu spielen, weil ich weiß, dass ich nicht viel verschießen darf. Ich arbeite hart, habe über Weihnachten mehr trainiert als andere. Vielleicht hat das die nötigen Prozent an Leistung gebracht. Außerdem sauge ich alles auf, was ich von anderen Spielern lernen kann und nutze es zu meinem Vorteil.“

O’Sullivan lobte – wie immer – Saison und Turnier seines Gegners. „Ein 1-7 ist gegen jeden Gegner schwierig. Aber gegen Judd hatte ich heute keine Chance, auch wenn ich es versucht habe.“

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderqueer), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Tanzt und performt im Nebenberuf, spielt Poi, schreibt sporadisch Geschichten (hat im letzten Jahr den Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, sucht dafür jetzt einen Verlag). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich häufig am Magic Mountain Berlin anzutreffen. Hasst Ronnie O'Sullivan nicht, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

SnookerPRO folgen