You’re going to see 2025 Shoot Out!

Bestellbestätigung von WST für den Besuch des Shoot Out 2025

Als diese E-Mail am 01.07.2025 bei mir einging, war ich ziemlich aufgeregt. Freudig aufgeregt. War es für mich seit der Welsh Open 2020 in Cardiff doch endlich wieder ein Snookerturnier, das ich besuchen konnte.

Dabei muss ich gestehen, dass ich höchstwahrscheinlich alleine nicht auf die Idee gekommen wäre, ausgerechnet das Shoot Out zu besuchen. Es unterscheidet sich ja nun doch deutlich von allen anderen Turnieren. Als aber mein Partner im letzten Jahr meinetwegen das Shoot Out im TV sehen „musste“ und zufällig Zeuge des historischen Maximums von Shaun Murphy wurde, war der Samen gesetzt. Denn er meinte, dass er gerne mal beim Shoot Out vor Ort sein wollen würde. Ich hatte das erstmal wohlwollend zur Kenntnis genommen, wollte ihm aber doch etwas Bedenkzeit lassen. Wer will schon im Dezember nach England?
Irgendwann kam das Thema Urlaubsplanung dann doch wieder auf und über kurz oder lang mussten halt Nägel mit Köpfen gemacht werden. Also wurden Tickets gebucht. Für alle vier Tage!

Als wir in Blackpool den Bahnhof hinter uns gelassen hatten, erwartete uns erstmal ein Kulturschock. Denn Blackpool wirkte auf mich auf den ersten Blick wie eine Miniaturversion von Las Vegas. Es reihten sich Vergnügungsstätten unterschiedlichster Art aneinander. Es soll ja schließlich für jeden was dabei sein. Wenn man dann aber liest, dass Blackpool zu den ärmsten Städten in England gehört, stellt sich schon die Frage, wohin all das Geld fließt. Denn wirklich vielen Gebäuden sieht man an, dass vorne und hinten das Geld fehlt. Aber gut, wir hatten eh kaum Zeit uns die Stadt näher anzusehen.

Zurück zum Snooker

Beim Betreten des Towers wurden wir immer freundlich empfangen und jeden Tag mit einem neuen Bändchen beglückt.

Bei der Taschenkontrolle wurde mir dann leider meine Kamera abgenommen, mit der ich ein paar bessere Bilder machen wollte. Auch das Argument, dass jedes Mobiltelefon eine Kamera hat, zog nicht. Muss ich nicht verstehen. Generell galt dann drinnen, dass keine Fotos oder Videos gemacht werden durften, wenn die Spieler in Aktion traten. Hat sich natürlich nicht jeder dran gehalten und wurde im Laufe der Tage auch immer weniger kontrolliert.
Die Platzwahl war immer frei. Und klar, je früher man da ist, desto bessere Plätze konnte man ergattern. Mir persönlich war bei der Platzwahl allerdings wichtig, dass ich nach Möglichkeit nicht von den Kameras erfasst werde. Sollen andere die Dance-, Bongo-, Cueaction- (und wie sie nicht alle hießen) Cams bespaßen. Entsprechend saßen wir dann meistens ganz oben in der letzten Reihe. Und an der Treppe, über welche die Spieler*innen den Weg zum Tisch nehmen mussten.

Mittendrin statt nur dabei

Über die einzelnen Matches werde ich hier jetzt nichts mehr schreiben. Denn nachdem ich das WLAN von WST entdeckt hatte, konnte ich entgegen meiner Befürchtungen zwischendurch doch immer mal etwas auf Bluesky posten.
Das Schöne beim Shoot Out war, dass sich viele der Teilnehmenden einfach unter das Publikum mischten. Das ganze Setting wirkt natürlich noch mal anders, wenn man nicht konzentriert am Tisch stehen muss. So kann es dann auch einfach mal vorkommen, dass sich die „Gang“ um Steven Hallworth, Oliver Lines, Oliver Brown und Sanderson Lam um dich rum platziert. Und dich auf Trab hält, weil sie sich nicht entscheiden können, wo sie denn nun sitzen wollen.
Schön zu sehen war auch, wie sich die Spieler*innen gegenseitig unterstützten und anfeuerten. Die Belgier waren da ganz vorne mit dabei und sind zum Teil direkt vom Tisch ins Publikum gegangen, weil der nächste dran war. Und Steven Hallworth blieb nach seinem Ausscheiden auch noch einen Tag länger und feierte zusammen mit seinen Freunden. Obwohl er, wie er mir sagte, sehr frustriert war und sich eigentlich auf die Scottish Open konzentrieren müsse.

Nicht alles Gold was glänzt

Es wäre allerdings nicht WST, wenn nicht irgendwas im Argen ist.
Grundsätzlich ist beim Shoot Out ja alles komplett durchgetaktet. So stand Jan Verhaas, der die Spieler*innen auf das Einlaufen vorbereitete, immer mit Walkie Talkie und Timer bereit. Blöd nur, wenn die Anzeigetafel dann aber falsche Namen anzeigte und wir ihn darauf hinweisen mussten. Er war dort ohnehin für alles Mögliche der Ansprechpartner. Und hatte genügend zu tun. Denn es kam leider immer mal wieder vor, dass die Shotclock keinen Ton von sich gab und dann teilweise sogar andere Teilnehmer plus Publikum das akustische Signal übernehmen mussten. Die Referees waren damit völlig nachvollziehbar auch unzufrieden. Was mich genervt hatte, war der Umgang mit den chinesischen Namen. Anfangs standen die Namen noch richtig auf den Anzeigetafeln. Irgendwann wurde darauf dann keine Rücksicht mehr genommen und es wurde einheitlich verwestlicht.

Richtig unglücklich war es beim Trikot von Bai Yulu. Denn wer genau hinschaute, entdeckte, dass ein Teil des Rückenflocks überklebt war. Keine Ahnung, wer da Mist gebaut hat. Man hätte es auch einfach neu und richtig machen können.

Auch die Trikots der Nachrückenden hätte man bedrucken können. So etwas dauert nicht lange und würde spätestens in der nächsten Runde den nötigen Respekt erkennen lassen.

Auf den ersten Blick hatten die Verantwortlichen nicht nur meiner Meinung nach den Respekt auch gegenüber Alex Crisan vermissen lassen. Der Referee beendete nämlich nach diesem Shoot Out seine Karriere. Ihm nicht die Verantwortung für das Finale zu überlassen, hatte da schon ein Geschmäckle. Was aber genau der Grund war, wissen wir nicht. Gerüchten zufolge habe er seinen Rücktritt nämlich erst kurzfristig bekannt gegeben. Das Finale war da schon besetzt und dann wiederum wäre es respektlos gegenüber Natalia Gradinari gewesen, ihr dieses (erstes!) wieder wegzunehmen.

Who let the dogs out…

Was lustig begann, entwickelte sich leider ziemlich in die falsche Richtung. Ja, es ist das Shoot Out und das Publikum soll auch ordentlich mitmachen. Und der Name ZHOU Yuelong bietet da leider eine gute Möglichkeit. Denn auf die Frage „Who let the dogs out?“ konnte vortrefflich mit „Zhou, Zhou, Zhou“ geantwortet werden. Selbst der Spieler musste dabei grinsen. Allerdings entwickelte sich eine Dynamik, die so nicht vorhersehbar war. Denn es gab eine Person im Publikum, die sich davon heftig triggern ließ. Da klang es dann leider auch wie ein Hundebellen und die Person hatte enorme Schwierigkeit aus diesem „Bellen“ wieder rauszukommen. Es war relativ schnell klar, dass es von dieser Person keine Absicht war, sondern es sich um eine Tic-Störung, also eine Erkrankung, handelt. Aber die Leute waren teilweise so dämlich, dass sie immer wieder anstacheln mussten. Auch am nächsten Tag. Und da wurde meiner Meinung nach auch ein großer Fehler der Verantwortlichen gemacht. Wir haben die Ordner gefragt, ob sie das nicht unterbinden können. Aber solange nicht geflucht wurde, durften sie nicht eingreifen. Stattdessen wurde noch die Kamera auf die Person gerichtet und das Lied zur Belustigung gespielt.

Der glückliche Sieger

Um dann doch noch mal etwas Positives zu sagen: Ich habe mich wirklich sehr für Alfie Burden gefreut, als er das Finale gegen Stuart Bingham gewann. Selten habe ich einen so glücklichen Sieger gesehen. Und auch wenn es mich etwas geschmerzt hatte, ihn auf dem Snookertisch stehen zu sehen – es sei ihm ausnahmsweise gegönnt. Und „London Calling“ von The Clash entschädigte obendrein.

Alfie Burden steht als Sieger des Shoot Out 2025 auf dem Snookertisch.

Fazit

Der Besuch des Shoot Out 2025 war auf jeden Fall eine Erfahrung wert. Würde ich wieder hingehen? Vielleicht. Denn man muss es mögen, dass das Publikum eben nicht schweigt. Für mich war es über die vier Tage irgendwann zu anstrengend und ich war froh, als es vorbei war. Aber wer weiß, vielleicht fahre ich irgendwann wieder hin. Immerhin wurden Bekanntschaften geschlossen. Dann aber höchstwahrscheinlich nur für ein paar Sessions. Denn Blackpool hat tatsächlich auch schöne Seiten. Auch im Dezember.

 

AutorIn: Hjördis

Hjördis unterstützt das Team von SnookerPRO im Hintergrund, schreibt den ein oder anderen Artkel und ist ansonsten zuständig für das Aktuell-Halten der Turniere.

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