Zauberhafter Drachenkampf im Halbfinale

Ding
Nein, wir konnten es auch kaum mitansehen... © World Snooker/Tai Chengzhe

In einem hervorragenden Spiel besiegt John „Wizard of Wishaw“ Higgins  Ding „The Dragon“ Junhui im Entscheidungsframe. Vier Centuries spielte Ding im Laufe des Spiels und hatte am Ende doch das Nachsehen gegen einen beinhart kämpfenden Higgins. Das andere Halfinale gewann Ronald O’Sullivan gegen Mark Allen mit 6-2 und damit haben wir das vielbeschworene Vintage-Traumfinale.

Unterhaltung gefälligst? Der Abend in Coventry

Im ersten Abendframe müssen sich die Protagonisten noch einrollen. Nach einigen Fehlern beiderseits reicht O’Sullivan ein 51er Break zum Framegewinn. Anschließend bemühen sie sich aber redlich, an das Niveau vom Nachmittag anzuschließen und spielen drei Centuries zum 2-2 (Allen 100, 109, O’Sullivan 130).

Nach der Pause holt O’Sullivan die nächsten beiden Frames zur 4-2-Führung, einen davon mit einem Century. Mark Allen hat ihn schon zum zweiten Mal mit einer verfehlten Roten auf die Mitte in Spiel kommen lassen. Und auch in den nächsten beiden Frames wird klar, dass Allen O’Sullivan einfach gar nichts liegen lassen darf: Noch ein Century und eine 70+ und schon ist Mark Allens Wunsch nach einem weiteren Titel nur noch ein Wunsch. O’Sullivan und Higgins spielen morgen um 14 und um 20 Uhr das Finale über Best of 19.

Das schottisch-chinesische Duell am Nachmittag

Der Nachmittag beginnt furios: Mit Breaks von 72, 83 (Higgins), 107 und 135 (Ding) stürmen die beiden zum 2-2. Der jeweils unterlegene Spieler macht dabei 3x Null und 1x zwei Punkte. Die Spielstatistik zeigt zu diesem Zeitpunkt einen Locherfolg von 100% (Ding) und 98% (Higgins).

Kampf auf hohem Niveau

safety-relativ

Nach der Pause folgt ein umkämpfter Frame, in dem wir die ersten Fehler sehen und den Ding auf Schwarz gewinnt. Doch Higgins zieht mit einer 79 wieder gleich und Ding kontert mit einer 142. Der achte Frame kann nach Edgar Allan Poes „Das Pendel“ benannt werden: Es geht mehrfach hin und her, am Ende sieht es so aus, als könne Ding den Frame noch stehlen, aber dann spielt er eine relativ sichere Ablage auf Pink (Foto) und Higgins locht zum 4-4 Ausgleich.

Der überlegene Verlierer

Rote mit HilfsqueueIm neunten Frame kann Ding mit den vierten Century des Spiels mit 5-4 in Führung gehen und braucht nur noch einen Framegewinn, um den Finalplatz zu buchen. Doch im zehnten Frame macht er ein paar seltsame Dinge. Nicht nur, dass er streckenweise eine seltsame Schusswahl trifft, sondern er verfehlt auch eine Rote mit dem Hilfsqueue. Ich meine damit nicht, dass er versucht zu lochen und sie nicht fällt. Nein, er trifft sie nicht einmal. Nach viel Hin und Her gewinnt Higgins diesen Frame und erzwingt damit den Entscheidungsframe. Jetzt fehlt Ding nur noch eine schlechte Safety, um Frame und Match zu verlieren.

John Higgins zeigt sich anschließend nicht nur erleichtert. Er sagt, er habe es selber genossen, Ding beim Spielen zuzugucken. Es ist wirklich schade, dass so ein Spiel einen Verlierer haben musste.

Statistik Spielende

Kaum zu glauben, dass Ding mit diesen Werten das Spiel verloren hat.

 


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren depressiven Snookerroman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher