WM Halbfinale: Nervenprobe nicht nur für Debütanten

David Gilbert im WM-Halbfinale
David Gilbert behält die Nerven im WM-Halbfinale gegen John Higgins. © World Snooker/Tai Chengzhe

Nach dem bisherigen Verlauf der WM sind in diesem WM-Halbfinale keine wirklichen Favoriten auszumachen. Von Judd Trump wird hier zwar der Titel erwartet, aber er tut einiges, um diese Erwartung zu enttäuschen. David Gilbert und Gary Wilson zeigen sich bei ihrem Halbfinaldebüt weiterhin so stark wie bisher, während John Higgins schwächelt, aber nicht abzuschreiben ist.

John Higgins gegen David Gilbert im Hintertreffen

Nach einem 5–3 für David Gilbert nach der ersten Session, geriet Higgins am Vormittag zunehmend ins Hintertreffen, als Gilbert gleich mit einer 125 startete. Zwar konnte Higgins nach 8–3 nochmal auf 8–6 herankommen, aber die letzten beiden Frames gingen wieder an Gilbert. Dabei waren verschossene Framebälle nur eines von Higgins Problemen.

Im ersten Frame des Abends wollte er es dann gleich wissen, doch leider ging eine riskante Gelbe daneben und öffnete den Weg zum Framegewinn für Gilbert. Der führte nun mit 11–6. Im nächsten, ziemlich gruseligen Frame, einem länglichen taktischen Duell mit einem Pulk von Roten an der Bande, hatte Gilbert in Führung liegend alle Chancen, aber er verpasste eine Rote in die Mitte um Meilen. Higgins robbte sich bis zum 54–54 heran und verkürzte dann mit einem phantastischen Double auf Schwarz auf 7–11.

Die beiden Tweets bebildern schön, wie nah Genie & Elend von Higgins hier beieinander lagen.

Das erste Mal am Abend kam das Spiel ein wenig in Fluss, als Gilbert, nach einer verfehlten Blauen vom Spot von Higgins, den nächsten Frame mit einem 75er-Break holte. Dann Chance Gilbert, Breakende, Chance Higgins, Breakende, Chance Gilbert, großartige Rote, Grün vom Punkt verfehlt … So ging das eine Weile, bis Higgins den Frame gewann, mit 8–12 den Vier-Frames-Rückstand wiederherstellte und damit eine vierte Session sicherte.

Spieler in der Pause ausgewechselt

Nach der Pause segelte Higgins mit einem Century los, dem 86. des Turniers und mit 143 dem bisher höchsten des Turniers. Gilbert tat es ihm mit einer 91 nach. Dann drohte der Fluss aber auch schon wieder zu versanden, als Higgins nach einem Kick aus dem Break geworfen wurde und Gilbert die Chance nach missglücktem Split auch nicht nutzte. Ein paar Kicks, Flukes und Misses später stand es nur noch 13–10 für Gilbert.

Im letzten Frame des Abends hatte Gilbert die erste Chance, machte 30 Punkte, verpasste aber Pink. Higgins konterte, setzte aber nach 37 Punkten auch einen Ball neben die Tasche. Letztlich ging der Frame nach Freeball an Higgins. Gilbert wird sich hoffentlich am Ende nicht über seine verpassten Chancen ärgern, denn Higgins hat trotz unüberzeugendem Spiel durch das 13–11 wieder einen Fuß in der Tür. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass Gilbert eine deutliche Führung noch abgibt. Das Spiel wird morgen ab 15:30 Uhr entschieden.

Das zweite WM Halbfinale zuerst ausgeglichen

Gary Wilson und Judd Trump trennten sich mit einem 4–4 nach der ersten Session, in der Wilson eine 140 spielte. Am Nachmittag kam Trump dann ins Rollen und erspielte mit Breaks von 73, 123 und 75 eine 9–6-Führung. Bis dahin war eine 56 sein höchstes Break gewesen. Doch Wilson konnte mit einem 77er-Break noch auf 9–7 zum Sessionende verkürzen.

Das war (noch) nicht das Feuerwerk, das wir uns erhofft hatten, aber ein durchaus spannendes Match. Der leichte Vorteil für Trump täuscht vielleicht etwas, denn Wilson zeigte auch am Ende keine Nerven. Morgen um 11 Uhr startet die dritte Session, abends ab 20:30 Uhr die entscheidende vierte (wurde kurzfristig um eine halbe Stunde nach hinten verschoben). Die TV-Zeiten gibt es hier.

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AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderqueer), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Tanzt und performt im Nebenberuf, spielt Poi, schreibt sporadisch Geschichten (hat im letzten Jahr den Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, sucht dafür jetzt einen Verlag). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich häufig am Magic Mountain Berlin anzutreffen. Hasst Ronnie O'Sullivan nicht, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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4 Gedanken zu „WM Halbfinale: Nervenprobe nicht nur für Debütanten

  1. Riemenschneider Ernst

    Ich persoenlich habe KEIN Feuerwerk erwartet, so wie es mir hier durch Lula Witzescher unterstellt wird.
    Was ich aber gesehen habe waren sehr spannende und unterhaltsame Spiele und deshalb wurde ich auch nicht enttaeuscht.
    Gilbert hat wirklich sehr stark gespielt, genauso wie Wilson, weswegen wohl auch das von manchen erwartete Feuerwerk ausblieb. Wobei Wilson in der letzen Session die vorherige Leistung nicht mehr abfrufen konnte.
    Die gespielten Safetys waren oftmals wirklich grossartig oder aber es fehlten nur mm zum perfekten Snooker.
    Die Kombinationen die Judd Trump gespielt hat, waren genauso erstklassig.
    Ich moechte niemanden etwas unterstellen, aber es gibt Menschen die gar nicht in der Lage sind oder waeren bestimmte Konstellationen zu erkennen.
    Ein ungefragter Ratschlag: Man sollte von niemanden etwass erwarten ausser von sich selbst.
    Ich freue mich auf jeden Fall auf das Finale und ich goenne John Higgins wie Judd Trump den Titel, einfach weil beide Spieler zu den symphatischen Protagonisten des Snookersports gehoeren.
    Und egal wer letztendlich den Titel gewinnt, es wird der verdiente neue Weltmeister sein auch ohne das er eventuell ein Feuerwerk abgebrannt hat.
    Ich persoenlich sehe leichte Vorteile bei Higgins, weil ich denke das er mental der etwas staerkere Spieler ist.
    Er ist seit 1992 Profi und hat dadurch den Vorteil eines enorm grossen Erfahrungschatzes, den eben Trump noch nicht hat, was ja auch nicht moeglich ist, da Trump 1992 erst 3 Jahre auf dem Buckel hatte und vermutlich auch von Snooker noch keine Ahnung :)
    Fuer Higgins ist es dritte WM-Finale in Folge, was ja allein schon eine grossartige Leistung ist.
    1998, im ersten WM-Finale seiner Karriere, setzte sich Higgins mit 18 zu 12 gegen Ken Doherty, dem damaligen amtierenden Weltmeister, durch und kroente sich damit selbst erstmals zum Weltmeister, was ihm ja noch drei weitere male gelang.
    Fuer Judd Trump ist es nach 2011 die zweite Finalteilnahme und damals unterlag er genau jenem John Higgins 18 zu 15, dem er heute wieder gegenuebersteht.
    Allein diese Geschichte laesst die heutige Partie zwischen Judd Trump und John Higgins zu einer aussergewoehnlichen Partie werden
    Sind aller guten Dinge 3 und schnappt sich Higgins bei seiner dritten Finalteilnahme in Folge noch einmal den erhofften Titel oder gelingt Judd Trump die Revanche fuer die Niederlage in seinem ersten WM-Finale, damals 2011 eben gegen jenen John Higgins, dem er heute wieder gegenueber steht?
    Ich wuensche beiden Spielern toi toi toi.

  2. Lula Witzescher Artikelautor

    Sehr geehrter Riemenschneider Ernst,
    wenn wir von „wir“ schreiben, dann meinen wir uns (SnookerPRO) und nicht Sie und den Rest der Welt da draußen.
    Sie sollten einen Blog aufmachen, so viel wie Sie beizutragen haben!
    Mit besten Grüßen

  3. Riemenschneider Ernst

    Liebe Frau Witzescher

    Vielen Dank fuer ihre Erklaerung. Ich dachte mir der Blog sei auch fuer mich und die Welt da draussen,
    deswegen fuehlte ich mich angesprochen :)
    Die Grundlage meines Kommentars ist ja nichts weiter als ein paar Informationen aus der Vita beider Speiler mittels Statistiken.
    Ich bin kein Snookerexperte geschweige den ein Spieler, allenfalls wuerde ich mich als passiver Snookerliebhaber betrachten. Fuer mich ist Snooker wie Schach auch ein strategisches Spiel, man kann Schwaechen z. B beim Lochspiel durch strategisches Verstaendnis und die richtige Taktik kompensieren. Judd Trump spielt meines Erachtens ganz anders als vor 5 Jahren, er spielt strategischer, deswegen ist er ein kompletterer Spieler geworden, er ist ein besserer Spieler geworden.
    Danke fuer ihren Ratschlag einen eigenen Blog zu eroeffen, aber dieser Verantwortung bin ich nicht gewachsen.
    Mit freundlichen Gruessen und auf ein spannendes Finale mit vielen UUuuuuhhhs, Oooooohhhhs und Aaaaaaaaahs :)

  4. Lula Witzescher Artikelautor

    Ja, sicher ist der Blog auch für alle Menschen da draußen. Das ändert aber nichts daran, dass wir aus unserer persönlichen Perspektive schreiben und uns nicht anmaßen, für andere mitzudenken. Das formulieren wir dann eher als „viele Leute haben vielleicht gedacht“.
    Ja, ein Blog ist eine ziemliche Verantwortung. Und das ist ja das Schöne an Kommentaren, dass sie die Artikel ergänzen können.
    Viel Spaß beim Finale!


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