WM-Finale 2019 ist bisher eine Trump-Show

Judd Trump im WM-Finale 2019
Judd Trump hat das Spiel nach zwei Sessions voll im Griff. © World Snooker/Tai Chengzhe

Nach dem ersten Tag im WM-Finale 2019 liegt Judd Trump mit sieben Frames gegen John Higgins in Führung.

Erstklassiger Start ins WM-Finale 2019

Ohne groß sichtbare Nervosität starteten beide Spieler in das Finale. Ein gutes Break und ein ebenso gutes taktisches Duell brachten Trump 2–0 in Führung. Dann folgten Century Nr. 90 und 91 der WM: Das erste kam von Higgins (139), das zweite von Trump (105). Nach der Pause verkürzte Higgins mit einer 69 auf 2–3, glich mit zwei kleineren Breaks aus und spielte dann ein Century zum 4–3.

Als Trump im letzten Frame der Session nach über einer halben Stunde seit dem letzten Pot an den Tisch kam, brauchte er eine Weile, um ins Rollen zu kommen. Doch er legte ein starkes Break hin und nahm souverän alle möglichen Hürden, zum Beispiel, als er einen Pot mit rechts machte, anstatt ein Hilfqueue zu benutzen.

Wir sahen eine Session von hoher Qualität und mit einer Ausgeglichenheit, die der Spielstand von 4–4 am besten widerspiegelte.

WM Finale 2019 Matchstatistik nach 1. Session

Trump am Abend in Hochform

John Higgins startete die Abendsession mit einem Century (125), seinem 11. während der WM. Als Judd Trump sich den nächsten Frame zum 5–5 holte, sah es danach aus, als würde sich der enge Kampf vom Nachmittag fortsetzen. Kein Mensch hatte damit gerechnet, dass Higgins hier keinen einzigen Frame mehr gewinnen würde.

Ein Century im 11. Frame beendete Trump mit Exhibition Shots, den nächsten gewann er nach langem taktischen Kampf. Zum 8–5 kam er mit dem siebten Century des Spiels (Nr. 96 der WM) und auch den nächsten taktischen Frame konnte er für sich entscheiden. In zwei Anläufen machte er das 10–5, mit einer 58 das 11–5 und mit einer 70 das 12–5.

Trump wirkte hier kein bisschen so, als würde er Higgins wirklich für den Favoriten halten, wie er noch vor dem Spiel behauptet hatte. Er hat zu seinen langen Bällen zurückgefunden und beeindruckte dementsprechend nicht nur mit langen Einsteigern, sondern auch langen ‚Reparaturbällen‘ nach verlorender Stellung. Was er aus schwierigen Bildern an Breaks herauskitzelte, die Geduld, die er in taktischen Phasen zeigte, die Queuepower, die er an den Tag legte und wie er bei Bedarf mit rechts spielte … all das war einfach zum Niederknien und brachte ihm am Ende Standing Ovations des Publikums.

WM-Finale 2019 Safety Trump

Eine von Trumps Safeties, die Higgins verschießt und Trump damit eine Chance liefert.

Higgins kam während der Session überhaupt nicht zum Zug. Das lag zum Teil aber auch an Trumps guten Safeties. Am Ende gelang dann einfach gar nichts mehr. Im letzten Frame der Session verhungerte Higgins sogar der Spielball bei einer Safety hinter Grün auf halber Strecke.

WM-Finale 2019 bricht vielleicht weitere Rekorde

Sieben Centuries spielten die beiden während der ersten beiden Sessions. Den Rekord von zehn haben Ding Junhui und Alan McManus 2016 aufgestellt und es ist nicht unmöglich, dass dieser Rekord morgen eingestellt werden könnte. Allerdings fehlen Trump ja nur noch sechs Frames zum Sieg. Wenn Higgins also nicht ein wenig Gegenwehr zeigt, ist es nicht einmal sicher, dass wir noch zwei Sessions sehen.

Bei weiteren vier Centuries wäre nicht nur der Rekord der meisten in einem Match übertroffen, sondern insgesamt wären dann 100 Crucible-Centuries gespielt. Schaffen sie nur noch eins, wäre immerhin der WM-Rekord inklusive Qualifikation von 218 Centuries geknackt.

Morgen geht es um 15 Uhr weiter, falls es eine vierte Session gibt, geht die um 20 Uhr los. Alle (Zwischen)Ergebnisse, Spielzeiten und die Artikelübersicht zur WM gibt es auf unserer neuen WM-Seite – ohne Scrollen!

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderqueer), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Tanzt und performt im Nebenberuf, spielt Poi, schreibt sporadisch Geschichten (hat im letzten Jahr den Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, sucht dafür jetzt einen Verlag). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich häufig am Magic Mountain Berlin anzutreffen. Hasst Ronnie O'Sullivan nicht, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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2 Gedanken zu „WM-Finale 2019 ist bisher eine Trump-Show

  1. Felix Seidemann

    Als langjähriger Judd Trump-Fan läuft dieses Finale ganz nach meinem Geschmack! Dabei verfolge ich die Snookerkunst von John Higgins auch schon seit einer halben Ewigkeit, und mag diesen mit allen Wassern gewaschenen „alten Fuchs“.
    Aber John scheint in diesem Finale als 2. Sieger durch das Ziel zu gehen, obwohl ich darauf noch nicht meinen Kopf verwetten würde.
    Doch Judd muss das Ding nach Hause bringen! Nach diesem begeisternden Auftritt gestern Abend in der 2. Session sollte er genug Selbstvertrauen haben, um da nichts mehr anbrennen zu lassen.
    „Weltmeister Judd Trump“- Die Zeit ist gekommen!

  2. Riemenschneider Ernst

    Frau Witzescher hat es in ihrem Artikel treffend beschrieben, die zweite Session gestern war einfach zum niederknien. Obwohl ich mich erst seit ca. 3 Jahren fuer Snooker interessiere habe ich doch einige Spiele gesehen, aber noch nie habe ich erlebt das 2 Spieler auf so einem hohen Niveau spielen. Vor allem das Spiel von Judd Trump war fuer mich ein Spiel nahe der Perfektion. Ich freue mich auf heute abend und auf den 4ten Teil eines fuer mich denkwuerdigen WM-Finales und ziehe meinen imaginaeren Hut jetzt schon um Judd Trump und John Higgins meinen hoechsten Respekt zu zollen.


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