WM 2015 – Rückblick auf Runde 1

Frühes Fin(n)ish für Robin Hull
Frühes Fin(n)ish für Robin Hull © Monique Limbos

Alles, was recht ist – als langweilig kann man die erste Runde dieser WM wahrlich nicht bezeichnen. Schon das Match von Mark Selby und Kurt Maflin glich eher einem Finale als einem Turnierauftakt. Dann noch die weiteren Entscheidungen über die volle Distanz – ich habe kaum noch metaphorische Fingernägel. Allerdings wünsche ich Selby von ganzem Herzen, daß er sein Nervenkostüm im Griff behält – ab hier wird es nicht leichter. Da ist Hawkins im Vergleich der beherrschtere und konstantere Spieler, der uns auch wohl noch ein Weilchen erhalten bleibt, nehme ich an. Ich freue mich auf McGills zweite Runde und bin sehr gespannt, wie das Turnier für ihn weitergeht.

Auch wenn ich es ansonsten bitter schade finde, kaum neue (oder wenigstens ANDERE) Gesichter in Runde 2 zu sehen, muß ich doch gestehen, daß die Überraschung sich in Grenzen hält. Mein persönlicher Krimi spielte sich in Match 15 zwischen Mark Williams und Matthew Stevens ab – einerseits, weil ich subjektiv beiden ein Weiterkommen gewünscht hätte, andererseits, weil einige Frames so herzzerreißend spannend waren, daß es mich kaum im Sitz hielt. Was da hätte fallen MÜSSEN und dann doch nicht fiel, war echt unglaublich. Wirklich schade, daß Mark Williams nicht mehr daraus machen konnte.

Farbiger Rückenteil? Langweilig! Jedenfalls, wenn man Judd Trump heißt.

Farbiger Rückenteil? Langweilig! Jedenfalls, wenn man Judd Trump heißt.

Ein letztes (?) Mal zur Kleidung (oder deren Fehlen) bislang

Stuart Carringtons Debüt im Crucible hat mir extrem gut gefallen und ich hoffe sehr, ihn in künftigen Turnieren öfter sehen zu dürfen. Zwar hat sich Judd Trump letztlich verdient als stärker bewiesen, aber er hat den Sieg nicht „mal eben“ eingesackt, sondern mußte hart dafür arbeiten. Großartig, mehr davon, bitte! Und wenn Trump so weitermacht, dürfen wir alle uns auch noch eine ganze Weile an mit „interessant“ nur marginal beschriebener Kleidung erfreuen. Statt flamboyanter Hemden (die Schuhe versuche ich noch immer zu verdrängen) nun eben die Weste, auch nicht schlecht. Spaß beiseite, die Kleidung allein gewinnt noch keine Spiele. Allerdings gibt es Grenzen. Und zwar für alle. Verehrter (völlig unironisch!) Ronnie O’Sullivan, neue Schuhe trägt man VORHER ein, nicht WÄHREND des Turniers (obwohl das Fangirl in mir zugeben muß, daß die ganze Nummer wieder so frech war, daß sie mir schon wieder gefallen hat). Jetzt langt’s aber – es geht hier weder um Schuhe noch um Socken. Wenn O’Sullivan im weiteren Verlauf dieser WM wieder tut, was er immer tut, nämlich rapide zwischen einfach nur wunderbarem Spiel und „Oh Gott, WAS TUT DER DA?!?!“-Situationen wechseln, wird mein Nervenkostüm schwer zu leiden haben, wie jedes Mal – aber in dieser Hinsicht bin ich nicht nur Kummer gewöhnt, sondern durfte auch oft genug mit „großartig“ nur schlecht beschriebenen Glanzmomenten beiwohnen. Mehr kann ich fast nicht verlangen.

Ab und zu durfte Gentleman Joe auch sitzen. Ab und zu.

Ab und zu durfte Gentleman Joe auch sitzen. Ab und zu.

Konstante Leistungen, wenig Neues

Zugegeben, auch Gentleman Joe ist alles andere als eine Überraschung in Runde 2, aber grundsolide Leistungen machen sich nunmal auch gern auf Dauer bezahlt.

Mit Robin Hull verläßt das zweite und letzte wahre Nordlicht die WM nach der ersten Runde, aber ich muß in aller Fairness zugeben, daß Shaun Murphy das Match schlichtweg dominiert hat. Punkt. Wenn Murphy seine Gegner weiter so an die Wand spielt, wird der Weg zum Finale kurz. Was für Murphy toll sein dürfte, uns aber eine viel zu kurze WM zum Genießen brächte. Und das wäre ja auch irgendwie nicht schön.

Nun also zum größten Teil „die üblichen Verdächtigen“ in Runde 2, very well. Das mag man vielleicht langweilig finden, aber jeder Einzelne steht hier, weil er besser gespielt hat als der jeweilige Gegner. Da macht es sich natürlich für einige bezahlt, auf eine gewisse Erfahrung zurückgreifen zu können und in anderen Turnieren durch konstantes Spiel und entsprechende Erfolge überzeugt zu haben. Es bleibt zu hoffen, daß uns noch ein paar Überraschungen ins Haus stehen und vor allem die Spannung nicht nachlässt. Und auch wenn ich im Moment fast ALLEN Spielern wünsche, immer weiterzukommen, ist das nunmal nicht die Art, auf die eine WM funktioniert. Schade eigentlich. Aber spannend wird’s hoffentlich auch weiterhin! Wie es weitergeht? Hier steht’s!


AutorIn: Filia Rheni

Wahl-Rheintochter nach selbstgewähltem norwegischem Exil. Kampfsportlerin, C-Kader Snooker-Schiri und anglophile Hobbyschauspielerin. Rede viel, schnell und LAUT. Und häufig auch Unsinn. Laufe herum wie ein Grufti, weigere mich aber hartnäckig, mich in irgendwelche Schubladen stecken zu lassen. Liebe gute Anzüge, egal, wer drinsteckt.

Ein Gedanke zu „WM 2015 – Rückblick auf Runde 1

  1. Julian

    Hi!

    Erst seit dieser laufenden WM bin ich zum Snookerfan geworden und somit auch gerade erst auf diese Seite gestoßen und was soll ich sagen, sie ist wirklich großartig.

    Die emotionalen, aber auch detaillierten und fachkundigen Berichte (die Mischung machts!) haben mich die Seite sofort bookmarken lassen.
    Auch für Einsteiger wirklich ideal!

    Weiter so und beste Grüße von einem Snooker-Rookie! :)

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