WM 2014: McManus, Selby, O’Sullivan und Hawkins im Viertelfinale

Hawkins Walden
Überzeugend geht anders: Barry Hawkins im Spiel gegen Ricky Walden. Foto © Monique Limbos

Die erste Viertelfinalpartie steht: Mark Selby trifft auf Alan McManus. Der Schotte gewann sein Zweitrundenmatch gegen Ken Doherty etwas deutlicher als erwartet. Doherty schaffte es nicht, an sein Spiel anzuknüpfen, das er eine Runde zuvor gegen Stuart Bingham gezeigt hatte. Die ersten 6 Frames der zweiten Session gewann McManus, dann schaffte Doherty mit Breaks von 93 und 88 ein Minicomeback, das er zu Beginn der dritten Session fortsetzen und damit zum 7:10 aufholen konnte. Nicht nur McManus selber, sondern auch ich wartete die ganze Zeit auf ein angsteinflößendes Comeback von Doherty, aber die Angst war unbegründet. Mit einem 83er Break, das mit einem kuriosen Fluke einer Roten begann, machte McManus den Sack zum 13:8 zu.

Doherty zeigte sich anschließend enttäuscht, räumte aber auch ein, seinen Rhythmus nicht gefunden zu haben. Durch das überragende Matchplay von McManus hätte er kein Bein an Grund bekommen. „Seine Safety hatte Top-Qualität. Darauf hatte ich keine Antwort.“ Aber er schaut auch positiv zurück: „Ich denke, das war eine großartige Gelegenheit für uns beide, zwei über 40jährige, hier um einen Platz im Viertelfinale zu kämpfen. So eine Chance kommt nicht oft. Wer weiß, wann ich wieder im Crucible spielen werde. Deshalb habe ich die Woche hier sehr genossen.”

McManus schaut realistisch auf sein nächstes Spiel: „Natürlich werde ich der krasse Außenseiter sein. Aber ich werde einfach versuchen, es zu genießen. Ich habe mir kleine Notizzettel gemacht, die ich mit in die Arena nehmen werde. Da stehen ein paar technische Dinge drauf, aber die letzen beiden Wörter sind: Genieße es! Ich werde jede Chance, die sich bietet, nutzen müssen. Mark ist ohne Frage einer der besten drei oder vier Spieler. Ich muss ein bisschen beständiger spielen und diese plötzlich auftretenden, dummen Fehler vermeiden. Aber ich spiele gerne gegen die „Großen“, das habe ich schon immer getan und das macht einen Großteil des Genusses am Snookerspielen für mich aus.”

Parallel dazu strafte der Titelverteidiger alle Schwarzseher Lügen und tat das, was er immer tut: In einem atemberaubenden Finish zeigte er mal wieder eine für den Gegner demütigende Genialität und gewann 13:11, nachdem er die ganze Zeit zurückgelegen hatte. Anschließend sagte er: „In diesem Spiel habe ich zu keinem Zeitpunkt die Kontrolle gehabt, ich bin von Anfang an hinterher gewesen. Ich habe in diesem Spiel eine Menge Bälle verschossen. Ich bin einfach nicht in mein Spiel gekommen und musste um jeden Ball kämpfen. Es herrschte eine wirklich gespannte Atmosphäre da draußen, aber letztlich geht es darum, wer mit diesen Umständen am besten klarkommt.“ Für die nicht jugendfreien Flüche, die er einstreute, wird er wahrscheinlich wieder eine Geldstrafe kassieren.

Zusammenfassend kann man sagen: Es hat gereicht, eine halbe Session lang gut zu spielen, um einen Perry, der zum größten Teil ein sehr gutes Spiel machte, zu schlagen. Dementsprechend äußerte dieser sich auch: „Ich bin mit meiner Leistung zufrieden, aber letztendlich bin ich herbe enttäuscht. Ich habe alles gegeben, ich hatte ihn da, wo ich ihn haben wollte. Vor fünf Jahren hätte das womöglich gereicht, um ihn zu schlagen, aber er ist momentan einfach vom anderen Stern [a different animal these days] und er wurde zum Ende hin immer besser und besser.“ Im Viertelfinale spielt der Außerirdische gegen Shaun Murphy oder Marco Fu, bei denen es zur Zeit momentan ausgeglichen zur Sache geht (3:3).

Barry Hawkins war die Erleichterung anzumerken, nachdem er sich mit einem 13:11-Sieg über Ricky Walden seinen Platz im Viertelfinale gesichert hatte. „Ricky und ich scheinen das Schlechteste im Anderen zum Vorschein zu bringen. Das Spiel war vom Anfang bis Ende ein absoluter Kampf. Ich bin überglücklich, das überstanden zu haben. Jetzt habe ich ein paar freie Tage, um mich zu entspannen und kann hoffentlich im nächsten Spiel mein bestes Snooker zeigen.“ Dort trifft er wahrscheinlich auf Dominic Dale, der nach der ersten Session deutlich mit 7:1 gegen den Ding-Besieger Michael Wasley führt.


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren depressiven Snookerroman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher