Wir haben ein Auge auf… Seans Rückkehr auf die Main-Tour

Sean O'Sullivan, PHC 2014
Sean O'Sullivan bei den Paul Hunter Classics 2014 © Monique Limbos

Vor einem knappen Jahr erschien der erste Teil der Reihe „Wir haben ein Auge auf…” und stellte den jungen Engländer Sean O’Sullivan auf SnookerPRO vor. Seitdem haben wir seine Bemühungen verfolgt, wieder auf die Tour zurückzukehren, über den größten Saisonerfolg berichtet und sein Spielerportrait vervollständigt. Nun ist es an der Zeit, ihn zum Saisonendspurt wieder selber zu Wort kommen zu lassen.

LW: Wie lief dein Jahr 2014? Was ist seit unserem letzten Interview passiert?
Sean: Ich war enttäuscht, nach der Weltmeisterschaft von der Tour zu fallen, aber ich war seit einigen Monaten darauf vorbereitet. Ich wusste, ich müsste mich neu sortieren und noch härter daran arbeiten, wieder auf die Tour zu kommen. Meine erste Chance war der direkte Wiedereinstieg durch die Q-School, aber das sollte nicht sein: Ich habe in beiden Turnieren in der 4. Runde verloren. Mir war klar, dass ich nun eine ganze Saison Zeit haben würde, mein Spiel zu verbessern. Dadurch, dass ich nah dran gewesen war, wusste ich aber, dass ich einige gute Gelegenheiten bekommen würde, Spiele zu gewinnen, denn ich war relativ weit oben auf der Q-School-Top-up-Liste. Mein Plan war deshalb, an allem und jedem teilzunehmen, egal, ob Amateur- oder Profiturnier.

LW: Wie (un)zufrieden bist du mit der Saison 2014/2015 bisher?
Sean: Im Hinblick darauf, was ich zu tun hatte, um wieder auf die Tour zu kommen, bin ich ziemlich zufrieden, wie die Saison bisher gelaufen ist. Ich hatte während dieser Zeit einige wichtige Siege. Mein gutes Abschneiden bei den Riga Open war sehr befriedigend, da ich nicht nur mir selber, sondern auch allen anderen beweisen konnte, dass ich einige der großen Namen auf der Tour schlagen kann. Das hat meinem Selbstbewusstsein sehr gut getan!

Wie geht es nun weiter?

Sean SnookerbackercutIn der Zwischenzeit hat Sean sich für die Grand Finals der Snookerbacker Classic 2015 qualifiziert und Anfang Mai ist er Finalist der English Under-21 Championship gegen Ashley Carty. Da kann er noch Einiges für sein Selbstbewusstsein tun!

LW: Wie schätzt du deine Chancen ein, wieder auf die Maintour zurückzukehren?
Sean: Ich denke, dass ich zur nächsten Saison ziemlich sicher zurück sein werde. Ich habe das über die Asian Tour Order of Merit bewerkstelligt. Und ich habe außerdem die Chance in den Top 8 der European Tour Order of Merit zu bleiben, was ein netter Bonus wäre. Da die Gdynia Open noch vor uns liegen, gibt es auch noch die winzige Chance, dass ich in die Grand Finals komme, was ein noch größerer Bonus wäre. [LW: Letzteres hat leider nicht geklappt. Mehr über die Voraussetzungen hier.]

LW: Seit einigen Monaten hast du eine Person an deiner Seite und es sieht so aus, als wärest du richtig verliebt. Bleibt dir neben dem Snooker überhaupt genug Zeit für eine Beziehung?
Sean: Ja, das bin ich! Und ja, ich denke, wenn du es wirklich willst und daran arbeitest, dann hast du genug Zeit für eine Beziehung jenseits vom Snooker. Und das ist sicherlich etwas, das ich sowieso versuche. Auch wenn es manchmal hart sein kann, wenn ich im Ausland bei Turnieren bin, meine Freundin Beckie ist wirklich sehr unterstützend und verständnisvoll, was immer eine große Hilfe ist.

LW: Was ist dein größter Wunsch für die nähere Zukunft?
Sean: Wenn ich erst einmal wieder auf der Tour bin, dann möchte ich so schnell wie möglich in die Top 64 und mich von da aus nach vorne arbeiten.

LW: Weißt du, ob es etwas gibt, das deine Fans sich von dir wünschen?
Sean: Bisher gab es da noch nichts Spezielles. Mal ein Foto mit mir zusammen oder eine Autogrammkarte.

LW: Was würdest du tun, wenn du kein Snookerspieler wärst?
Sean: Wahrscheinlich würde ich einen anderen Sport machen. Fußball, Tennis, Badminton, Tischtennis, Darts! Ich hätte jeden davon wählen können. lacht Wenn ich keinen Sport machen würde, wäre ich wahrscheinlich an der Uni und wäre ein Bücherwurm. Aber als Snooker auf der Bildfläche erschien, hatte sich das mit der Universität erledigt. Ich wusste, das ist es, was ich tun möchte!

Sean O'Sullivan, Bulgarian Open 2014

Sean „The Storm“ hat seinen Tourplatz für die nächste Saison schon fest ins Auge gefasst. © Monique Limbos

Aktualisierung! Im ersten Interview erzählte Sean von seinem ambitionierten Hobby, dem Dartspiel. Am 20. März bekam ich die Nachricht, dass Seans Mannschaft die City Banks Premier League gewonnen hat. Was vor vier Jahren als Spaß in der untersten Division begonnen hat, wurde zu einer Reihe von Aufstiegen, die jetzt mit dem Titel in der Premier League gekrönt wurde. Und eine Woche später haben sie im Cup-Finale das Double perfekt gemacht.

Sean achtet bekanntermaßen bei der Musik, die er hört, gerne auch auf die Texte. Im Laufe des Jahres begegneten mir auf seinem Twitterkonto dabei sowohl aktueller Hip-Hop wie auch Textzeilen von Bob Marley.

LW: Was ist zurzeit dein Lieblingsliedtext?
Sean: Lieblingstext? Kann ich nicht sagen. Aber momentan gefallen mir Interpreten wie Ed Sheeran und Sam Smith sehr gut. Aber nach wie vor höre ich auch gerne Eminem sowie some old school music.

Herzlichen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mir meine Fragen zu beantworten. Ich wünsche dir, dass dein Wunsch in Erfüllung geht und wir dich in Zukunft häufiger am Tisch sehen können. Und grüße bitte Beckie von mir!

Das Originalinterview gibt es hier zum Herunterladen.


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher