Williams Erfahrung siegt bei den Northern Ireland Open 2017

Yan Bingtao, Mark Williams Northern Ireland Open 2017
Handshake vor der letzten Session der Northern Ireland Open 2017. © World Snooker/Tai Chengzhe

Mark Williams gewinnt das hochklassige und dramatische Finale der Northern Ireland Open 2017 gegen Yan Bingtao mit 9–8, nachdem er während des Spiels nicht einmal in Führung gelegen hat. Er holt sich damit seinen 19. Weltranglistentitel, der mit £70.000 dotiert ist, für den Zweitplatzierten gibt es noch £30.000. Yan Bingtao war mit seinen 17 Jahren und 9 Monaten der jüngste Finalteilnehmer aller Zeiten.

Das Finale stand im Schatten schlechter Neuigkeiten aus dem Hause Williams. Erst im Laufe des Vormittags kam die endgültige Entscheidung, dass Mark zum Finale antreten würde.

Die Nachmittagssession war relativ ausgeglichen und endete mit 5–3 für Yan. Williams hatte im letzten Frame noch die Möglichkeit zum Ausgleich, verschoss aber Pink auf die Mitte.

Ein Abend voller Spannung

Am Abend startete Yan mit einem Century durch und das Publikum musste fürchten, gar kein Midsession Interval mehr zu erleben. Doch den zehnten Frame konnte Williams für sich entscheiden, nachdem er Yans zahlreiche Versuche, den Frame noch von hinten zu gewinnen, zurückschlagen konnte.

Im elften Frame machte sich der Druck bei Yan bemerkbar, als er eine Schwarze vom Punkt verfehlte – mehr auf die Position des Spielballs als auf das Lochen konzentriert. Williams kam anschließend nicht nur zum 5–6 heran, sondern glich nach einem umkämpften zwölften Frame aus.

Anschließend machte Yan das 7–6, bevor zwei abwechslungsreiche Frames aus beherzten, mutigen Einsteigern von Yan, kein Glück und zusätzlich Pech auf beiden Seiten, Kracher-Bällen von Williams und tolle Safety-Schlachten erst den 7–7-Ausgleich und danach das 8–7 für Yan brachten. Hier zeigte sich, was Yans Managerin Victoria Shi neben seinem Ehrgeiz und Trainingsfleiß als große Stärke bezeichnet: seine Ruhe auch unter Druck.

Wie so häufig in diesem Finale war Yan als Erster in den Bällen, ließ aber nach einer schlechten Safety Williams an den Tisch. Nach dessen 49er Break verwickelten die beiden sich wieder in einen Safety-Austausch. Ein Foul/Miss & Freeball ebnete Williams den Weg zum Ausgleich und damit zum Entscheidungsframe. Hier war er nicht nur zuerst in den Bällen, sondern konnte den Frame in mehreren Anläufen nach Hause bringen.

Top-Spieler blieben auf der Strecke

Mark Williams und Ryan Day waren die letzten Top-16-Spieler im Achtelfinale und Day musste sich hier dem späteren Finalisten Yan Bingtao geschlagen geben. Ronnie O’Sullivan (siehe unten), John Higgins, Judd Trump, Shaun Murphy, Neil Robertson, Kyren Wilson, Mark Allen, Liang Wenbo, Ali Carter, Barry Hawkins sowie Titelverteidiger Mark King – alle waren spätestens in Runde 3 ausgeschieden.

Ein „junges“ Viertelfinale – zur Hälfte chinesisch

Mit Yan Bingtao, Lü Haotian, Tian Pengfe und Li Yuan bestand das Viertelfinale zur Hälfte aus chinesischen Spielern. So langsam ist es nicht mehr zu übersehen, dass in China wesentlich mehr in das Amateurspiel investiert wird als andernorts. Prognosen, dass in einigen Jahren die Hälfte aller Main-Tour-Spieler aus China kommen, sind vielleicht nicht übertrieben.

Innerhalb der letzten zehn Jahre ist deren Zahl von 4 auf 22 gestiegen. Auch wenn die Zahl der Top-32-Spieler mit zwei bis drei noch relativ konstant ist, sehen wir jetzt vermehrt sehr junge Spieler gute Ergebnisse erzielen. Das Halbfinale zwischen Yan (17) und Lü (19) war in der Alterssumme nur knapp über dem Altersdurchschnitt der Top 32 (liegt bei ungefähr 35 Jahren).

Doch mit Elliot Slessor war hier noch ein anderer junger Spieler weit gekommen: Er erreichte sogar das Halbfinale – zum ersten Mal in seiner Karriere.

Einzig das Spiel zwischen Mark Williams und Mike Dunn sah zwei etablierte und etwas betagtere Spieler. Für Letzeren war es besonders erfreulich, nach vielen gesundheitlichen Problemen mal wieder etwas Preisgeld mitnehmen zu können.

Northern Ireland Open beenden Home-Nations-Run für O’Sullivan

Dem Millionen-Bonus-Traum, den Ronnie O’Sullivan mit dem Gewinn der English Open in die Welt gesetzt hatte und den er mit dem Gewinn der Northern Ireland Open gerne fortgesetzt hätte, machte ein Spieler vom hinteren Ende der Weltrangliste den Garaus: Elliot Slessor, als Nummer 82 ins Rennen gegangen, gewann gegen O’Sullivan in Runde drei mit 4–1.

O’Sullivan hatte am Wochenende zuvor noch das Shanghai Masters gewonnen und hatte in seinen ersten beiden Spielen überraschend frisch und fit gewirkt. Seiner Leistung gegen Slessor nach zu urteilen, hat ihn der Jetlag doch noch überfallen.

Ronnie O'Sullivan, Shanghai Masters 2017 WS

Ronnie O’Sullivan knutscht nach dem Gewinn der Shanghai Open den Pokal. © World Snooker/Tai Chengzhe

Lukas Kleckers selbstbewusst

In der ersten Runde hatte O’Sullivan es mit Lukas Kleckers zu tun. Vor vier Jahren hatten die beiden schon einmal gegeneinander gespielt, allerdings war es damals kein offizielles Turnier und Kleckers noch nicht auf der Main Tour. O’Sullivan meinte anschließend im Interview, er hätte nicht gewusst, wer Kleckers wäre und er hätte ihm höchstens 30er-Breaks zugetraut. Das können wir getrost zu dem anderen Quatsch unter „dämliche Bemerkungen vom Meister himself“ ablegen, denn damit würde wohl kaum ein Spieler einen Main-Tour-Platz bekommen.

Trotz seiner 2–4-Niederlage haben wir einen beeindruckenden Auftritt von Lukas Kleckers gesehen. Er spielte im dritten Frame mit einer 137 das höchste Break des Spiels und gleichzeitig sein neues Karriere-Highbreak. Anschließend glich er mit einem 60er Break zum 2–2 aus. Der Geweinnerball im dritten Frame ist wirklich sehenswert: Unter diesen Umständen so einen langen Ball zu versenken, zeugt von starken Nerven.

Lukas Kleckers, Northern Ireland Open 2017

Lukas Kleckers bei seinem vielversprechenden Auftritt gegen The Rocket. © World Snooker/Tai Chengzhe


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin.

Ist keine Ronnie-O’Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt.

www.twitter.com/lulawitzescher

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