Der Beste gewinnt gegen den Größten

Ronnie O'Sullivan und Judd Trump beim Handschlag vor dem Finale
Ronnie O'Sullivan und Judd Trump beim Handschlag vor dem Finale © World Snooker/Tai Chengzhe

Judd Trump hat gegen Ronnie O’Sullivan auch die Neuauflage des Finales vom letzten Jahr gewonnen. Die Alex-Higgins-Trophäe und Schecks von £70,000 beziehungsweise £30,000 rundeten das erfolgreiche Ereignis für die beiden Finalisten ab.

In einer recht ausgeglichenen, äußerst erfreulichen Partie hatte der Weltmeister die ganze Zeit knapp die Nase vorn und das blieb auch bis zum Ende so.

Ein würdiges Finale Trump-O’Sullivan

Ist Trump nach 15 Turnieren in diesem Jahr müde gespielt? Ist O’Sullivan nach seinen wenigen Turnierteilnahmen in diesem Jahr gut genug eingespielt? Zwischen diesen Polen pendelten die Fragen und Vorhersagen vor und während des Finales. Am Nachmittag stiefelte Trump zur 5–2-Führung, machte dabei einen (vergeblichen) Maximumversuch und musste O’Sullivan zum Ende der Session doch auf 5–3 herankommen lassen.

Den ersten Frame des Abends holte sich ebenfalls ‚The Rocket‘ in zwei Anläufen. Wer Trump schon auf und davon gesehen hatte, musste spätestens jetzt beim 5–4 die Euphorie wieder etwas bremsen. Doch er antwortete mit einem Century zum erneuten Zwei-Frame-Vorsprung.

Im elften Frame war Trump dann schon wieder auf Maximumkurs, doch nach der letzten Roten hatte er keine gute Stellung auf Schwarz – und verschoss. Doch mit 7–4 war er dem Finalsieg einen Frame näher gekommen.

Letzte Rote des Maximumversuchs von Judd Trump

Die Letzte Rote auf die Mitte ging noch rein, aber die Stellung auf Schwarz war knifflig.

Im nächsten Frame ging O’Sullivan ebenfalls auf Maximumkurs mit 72 Punkten in Führung, bevor er Rot verschoss. Doch Trump konnte den Frame nicht mehr stehlen und ging mit 7–5 ins Midsession Intervall.

55 Punkte reichten Trump im 13. Frame nicht für den vorletzten Schritt zum Sieg aus. O’Sullivan holte den Frame mit einem superben Break auf Pink und saß Trump jetzt wieder richtig im Nacken. Die Rote an der Bande entlang war dabei ein Knüller vom Feinsten.

Trump konterte postwendend und machte mit seinem vierten Century-Break (dem fünften insgesamt im Spiel) das 8–6. Doch bevor er über die Ziellinie gehen konnte, zeigte O’Sullivan nochmal seine Klasse und machte ebenfalls ein wunderbares Break, eine 135.

Mit einer langen Roten im ihm eigenen Stil eröffnete Trump sein Break im letzten Frame und arbeitete sich durch bis zum Frame- und Matchgewinn.

Sein Kommentar zum Spiel: „Es ist immer schwer, einen Titel zu verteidigen, aber es ausgerechnet gegen Ronnie zu machen, ist großartig. Ronnie hat ordentlich gepunktet und es war bestimmt eine Freude, ihm zuzuschauen. Immer wenn ich gegen ihn spiele ist ein guter Start wichtig und genauso war es heute auch wieder.“

Sogar der Verlierer hatte offensichtlich viel Freude an diesem Finale. O’Sullivan sagte im anschließenden Interview: „Es war offen, offensiv und ziemlich schnell. Ich denke, allen hat das Zuschauen Spaß gemacht. Ich habe jede Minute genossen und es war toll, Judd dabei zuzuschauen, wie er ein paar phantastische Shots gespielt hat.“

Durchwachsene Halbfinale

Dieses Wochenende war es uns nicht vergönnt, drei Spitzenspiele zum Abschluss des Turniers zu sehen wie es letzten Sonntag der Fall war. Joe Perry kämpfte mehr mit dem Tisch als mit seinem Gegner O’Sullivan und ging dementsprechend mit 1–6 nach Hause. Nach seinem guten Auftritt hier ist das etwas schade.

Auch John Higgins konnte Judd Trump nicht so viel entgegensetzen, dass wir es ein ausgeglichenes Spiel hätten nennen können. Das 6–3 von Trump mit einer krönenden 136 im letzten Frame spricht Bände. Higgins konnte sich dann anschließend gleich ein Taxi zum Flughafen nehmen und wir hoffen, dass er es dieses Mal auch bezahlt hat. Immerhin hat er hier ja satte £20,000 verdient.

Die Trophäe der Northern Ireland Open trägt ja den Namen Alex Higgins. Ihm zu Ehren gab es heute bei Bloggerkollegen Cluster of Reds den #SnookerGIFSunday mit den schönsten Shots der Snookerlegende.

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderqueer), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Tanzt und performt im Nebenberuf, spielt Poi, schreibt sporadisch Geschichten (hat im letzten Jahr den Roman „Belinda to break“ fertiggestellt, sucht dafür jetzt einen Verlag). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich häufig am Magic Mountain Berlin anzutreffen. Hasst Ronnie O'Sullivan nicht, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher

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