Was in der Zwischenzeit geschah: Michaela Tabb ging, Joe Perry siegte, Ronnie O’Sullivan…

Michaela Tabb
Michaela Tabb © Monique Limbos

Seit ihrer vorzeitigen Abreise bei den Australien Open im Juli letzten Jahres war Michaela Tabb bei keinem Turnier mehr zu sehen gewesen. Mitte März bestätigte Barry Hearn, Häuptling über World Snooker, was viele schon vermutet hatten: Sie hat gekündigt. World Snooker veröffentlichte kurz darauf eine hingeschusterte Meldung, die kaum als angemessene Verabschiedung einer Schiedsrichterin zu lesen ist, die sich um diesen Sport sehr verdient gemacht hat. Sie war jahrelang eines DER Gesichter unter den Schiedrichtenden, hat durch ihre Leistungen dafür gesorgt, dass sie als einzige Frau WM-Finale schiedste und war – wie man an den Reaktionen deutlich sehen konnte – nicht nur beim Publikum, sondern auch bei den Aktiven äußerst geschätzt und beliebt. Gerüchten zufolge ging ihrer Kündigung ein Streit über einen (geringen) nicht bezahlten Bonus voraus und es wird gemutmaßt, dass die Sache noch vor Gericht gehen wird. Auch aus diesem Grunde haben sich wohl alle Beteiligten bedeckt gehalten.

Ich bedaure sehr, dass Michaela Tabb nicht mehr dabei ist. Sie ist als Top-Schiedsrichterin für viele andere Frauen ein Vorbild, das dieser Sport dringend nötig hat. Außerdem mochte ich sie sehr gerne für ihre Art, auch unzahme Akteure in ihre Grenzen zu weisen. Hier gibt es ein Interview von März 2015 (auf Englisch) mit ihr, das ein wenig Einblick in ihren Job bietet. Zum Glück bleibt sie dem Pool als Schiedsrichterin erhalten. Ich wünsche ihr weiterhin viel Erfolg und Spaß an der Arbeit.

Joe Perry gewinnt die Players Championship in Bangkok, Thailand

…und damit seinen ersten Weltranglistenturniertitel. Er gewann das Finale mit 4-3 gegen Mark Williams. Neil Robertson, der seinem besten Freund Perry zu Beginn der Saison den Titel der Wuxi Classic wegschnappte und danach den Tränen nah war, tweetete, dass er jetzt deswegen kein schlechtes Gewissen mehr haben müsste. Ja, wir gratulieren auch ganz herzlich.

Mark Selby wird seinen WM-Titel nicht verteidigen

Mit dem Sieg bei den China Open am Sonntag hat Mark Selby dem Fluch zufolge seine Chancen auf eine Titelverteidigung minimiert. Er schlug den überraschend ins Finale gekommenen Gary Wilson mit 10-2. Damit hat Mark Selby es mit einem doppelten Fluch zu tun: Noch nie konnte ein Spieler, der zum ersten Mal Weltmeister wurde, seinen Titel verteidigen und noch nie wurde der China-Open-Sieger im gleichen Jahr Weltmeister. Flüche sind so lange Flüche, bis jemand kommt und sie entzaubert. Wir wünschen viel Glück.

Ronnie O’Sullivan geht in Rente – irgendwann

Wie immer um diese Zeit meldet sich O’Sullivan zu Wort, um die Snooker-Welt mit Ankündigungen in Aufruhr zu bringen. Er wüsste nicht, ob er wirklich bei der WM antritt, er möchte sein Leben nicht dem Snooker unterordnen – nichts wirklich Neues also. Dazu passend sagte er krankheitsbedingt seine Teilnahme an den China Open ab. Wir gehen aber mal davon aus, dass er trotzdem zur WM antritt, auch wenn er in seinem Blog beklagt, wie sehr er das Alter spüren würde.

So, damit hätten wir die Lücke, die durch die SnookerPRO-Frühjahrspause entstanden ist, hoffentlich ein wenig gefüllt, bevor ich morgen mit der Berichterstattung zur WM-Qualifikation voll durchstarte. Alle Spiele, Anstoßzeiten und Ergebnisse im Überblick bietet uns Snooker.org.

 


AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher, im Netz auch bekannt als Dark Mavis Lady. Ist im Nebenberuf Tänzerin und Performerin, Poi-Spielerin, sporadische Autorin (hat gerade ihren depressiven Snookerroman „Belinda to break“ fertiggestellt, wofür sie jetzt einen Verlag sucht). Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. Persönlich trifft man sie häufig am Magic Mountain Berlin. Ist keine Ronnie-O'Sullivan-Hasserin, entgegen anderslautender Behauptungen. Schreibt für diesen Blog, um die deutschsprachige Snookergemeinde darüber zu informieren, was in anderen Medien unerwähnt bleibt. www.twitter.com/lulawitzescher