Virtuelle Realität beim Shoot-Out 2021 aufs nächste Level gehoben

Shoot-Out 2020, Michael Holt gewinnt und lässt sich vom Publikum feiern
Dieses Erlebnis wird dem Sieger hier nicht vergönnt sein. © World Snooker/Tai Chengzhe

Shoot-Out? Wir haben uns noch gar nicht vom enttäuschenden German Masters Finale erholt, in dem Judd Trump seinen Freund Jack Lisowski trocken mit 9–2 abgefrühstückt hat. Das Spiel fühlte sich so wenig nach Finale an, dass wir sogar vergessen haben, einen Finalbericht zu schreiben.

Aber tatsächlich sind wir im dicht gepackten Snooker-Kalender schon beim nächtsten Turnier. Vorgestern startete das diesjährige Shoot-Out mit allem, was wir beim Snooker sehen oder nicht sehen wollen. Unglaubliche Flukes, schockierende Fouls, Framediebstähle in letzter Sekunde, neue Turnier-High-Breaks (Mark Allen, 142) aber leider auch Fehlfunktionen an der Soundanlage.

„Tolle Stimmung“ vom Band

Am Shoot-Out scheiden sich seit jeher die Geister. Nicht alle Fans mögen das Format, bei dem es oft mehr um Glück zu gehen scheint. Die Veranstaltung lebt von dem Kitzel durch die Shot Clock und den dadurch entstehenden lustigen Szenen. Aber hauptsächlich lebt sie davon, dass das Publikum das Spielgeschehen ausnahmsweise durch Pfiffe, Zwischenrufe und sonstigen Lärm stören darf. Das kann Spaß machen, auch den Aktiven am Tisch. Seit einigen Jahren gilt es aber als vollwertiges Weltranglisten-Turnier und das ist wirklich absurd. Wie Mark Allen auch in diesem Jahr wieder betonte, nimmt schon der Ranglistenstatus dem Spaß den Spaß. Und jetzt das Ganze noch vor leeren Rängen? Das fühlt sich irgendwie an wie eine Duftöl-Massage als Online-Angebot.

Aber jetzt sind wir schon so lange dran an dieser elenden Milton-Keynes-Serie, dass wir auch hier nicht wegschauen. Wir denken noch darüber nach, wie wir den Sound in der Arena finden. Denn der obligatorische Dosen-Applaus wurde durch stimmungsvolle Publikumsreaktionsfakes ergänzt. Und wir dachten am Anfang der publikumslosen Saison noch, es wäre lustig, nach Mobiltelefonklingeln vom Band zu fragen …

Nicht vorhandenes Publikum unschuldig an nicht hörbaren Beeps

In der Vergangenheit gingen die Beeps, die das Herunterzählen der Sekunden für die Spielenden hörbar machen, oft im Lärmen des Publikums unter. Es schien vorgestern so, als würden sie auch diesen Effekt, der oft dramatische Frameverluste nach sich zieht, simulieren wollen. Denn wegen einer Fehlfunktion waren die Beeps zwar im TV, aber nicht immer auch in der Arena zu hören.

Ausgerechnet Rebecca Kenna erwischte es bei ihrem Debüt. Das erste Mal spielt sie bei einem Profi-Turnier, das erste Mal vor TV-Kameras und dann begeht sie ausgerechnet ein Zeitfoul. In ihrem Spiel gegen Simon Lichtenberg hätte sie mit nur fünf Punkten Rückstand durchaus Chancen gehabt. Aber nach dem Foul bekam Lichtenberg Ball in Hand und baute seinen Vorsprung mit einem schönen Break auf 34 aus. Kenna kam nicht mehr heran und äußerte sich anschließend sehr enttäuscht. Lichtenberg – mit etwas mehr Erfahrung in solchen Situationen – hatte sich wohl an den roten Lichtern orientiert, die zeitgleich am Boden aufleuchten. Doch Kenna sagte, sie hätte extra mit den Beeps trainiert und sich deshalb darauf konzentriert.

Foolisch Fouls und andere Anekdoten vom Shoot-Out

Die Regeln sind beim Shoot-Out immer wieder ein Quell der Freude oder des Kopfschüttelns. Je nachdem, aus welcher Perspektive wir es betrachten. Neben der wechselnden Schuss-Zeit (15 Sekunden in den ersten fünf Minuten des Spiels, danach 10 Sekunden) ist es auch ungewöhnlich, dass ein gespielter Ball entweder in die Tasche fallen oder mindestens eine Bande berühren muss. Gelingt das nicht, gibt es fünf Foulpunkte, ebenso bei einem Zeitfoul. Und nach jedem Foul gibt es „Ball in Hand“. Das haben nicht immer alle (Spielende wie Zuschauende) auf dem Schirm.

Aber manchmal können sie vielleicht auch nicht besser? Keine Ahnung, was Sam Craigie hier verleitet hat, die Rote einfach nur knapp anzuspielen. Zum Glück konnte er seinen haarsträubenden Fehler im anschließenden Blue Ball Shoot-Out wiedergutmachen.

Hier noch einige der Highlights der ersten Runde für euch zu verchiedenen Plattformen verlinkt.

Eine laufstarke Leistung zeigte Barry Pinches gegen Joshua Thomond, als er seinen 35-Punkte-Rückstand wettmachte und dabei mehrmals das Hilfsqueue brauchte. Noch zwei Kandidaten für „Kommzurück des Turniers“ lieferten Zhou Youelong gegen Ian Burns und Soheil Vahedi gegen Nigel Bond. Vahedi leider in der Kategorie ‚erfolglos‘. Einen der zahlreichen Kandidaten für „Fluke of the Tournament“ spielte David Grace bei seinem Sieg über Hayden Staniland.

Connor Benzey spielte ein schönes Debüt gegen Stuart Carrington. Ein Fluke und wunderbare Clearance von Martin O’Donnell gegen Ben Woollaston. Und hier der Titelverteidiger Michael Holt mit seinem Erstrundensieg. Vor dem Turnier hat er über seinen Sieg beim Shoot-Out 2020 gesprochen. Er gibt zu, dass er ein bisschen Glück hatte und betont, wie wichtig es ist, die Regeln zu kennen. Wem das zu viel ist: Hier gibt’s die Eurosport-Highlights von Tag eins.

Heute wird ab 14 Uhr die komplette zweite Runde gespielt, morgen dann der Rest bis zum Finale. Alle Spielpaarungen und -zeiten sowie die Ergebnisse findet ihr wie immer auf unserer Turnierseite. Verfolgen könnt ihr das Shoot-Out auf Eurosport.

AutorIn: Lula Witzescher

Lula Witzescher (genderqueer), im Netz auch bekannt als Dark Mavis *Lady*. Sucht für den Roman „Belinda to break“ einen Verlag. Streitet im Netz für alle Formen von equality. Hält die Butthole Surfers für die beste Band der Welt. www.twitter.com/lulawitzescher

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